Wenn zweimal Minus Minus ergibt

Das deutsche Privatbankwesen befindet sich auf der Zielgeraden, was die Möglichkeiten zur Zusammenlegung einzelner Institute angeht. Durch eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde ein auf den ersten Blick ansehnlicher Riese, was die Bilanzsumme angeht. Doch aufgrund erheblicher bilanzieller Risiken und der mit einem Zusammenschluss verbundenen exorbitanten Restrukturierungskosten bewegte sich der neu geschaffene Titan auf tönernen Füßen – sofern er im Falle einer neuen Finanzkrise überhaupt bewegungsfähig wäre. Im schlimmsten Falle droht dem Steuerzahler ein marodierender Finanzzombie – zu groß, um ihn sterben zu lassen und gleichzeitig zu teuer, um ihn ewig am Leben zu erhalten.

Monatelang war bereits über ein mögliches Zusammengehen der beiden Geldhäuser spekuliert worden. Den Anlass hierfür gaben die Äußerungen der Bundesregierung, die sich „starke Banken für Deutschland“ gewünscht hatte. Zudem hatte sich der unter Bundesfinanzminister Scholz tätige Staatssekretär Jörg Kukies, seines Zeichens ehemaliger Deutschlandchef von Goldman Sachs, im vergangenen Jahr mehr als 20 Mal mit Vorstandsmitgliedern der Deutschen Bank zu Gesprächen getroffen. Gut möglich, dass hierbei der Wunsch nach einer Fusion der beiden Großbanken zur Sprache kam. Bei der Commerzbank hat der Bund dank seiner Beteiligung in Höhe von 15 Prozent ein nicht unerhebliches Mitspracherecht.

Apropos Finanzkrise: Zu deren Beginn, genauer gesagt im August und September 2008, hatten beide Banken angekündigt, sich jeweils einen ihrer Mitbewerber einzuverleiben: Bei der Commerzbank handelte es sich damals um die Dresdner Bank, die ihrerseits einige Jahre zuvor von der Allianz aufgekauft worden war und nun, wertmäßig deutlich geschrumpft, an den kleineren Konkurrenten abgegeben wurde. Die Deutsche Bank wiederum übernahm im Februar 2009 die erste Tranche der Postbankaktien und gab im gleichen Monat des Jahres 2012 den Besitz von mehr als 93 Prozent der Postbankanteile bekannt.

Doch die damaligen Übernahmen schlugen sich weder für die Commerzbank noch für die Deutsche Bank positiv nieder, vor allen Dingen im Hinblick auf den Börsenwert. Letzterer erodierte in den vergangenen Jahren, gemessen an den vorangegangenen Höchstständen, um mehr als 90 Prozent. Damit befinden sich beide Institute im Vergleich mit zahlreichen ihrer US-amerikanischen und asiatischen Mitbewerber deutlich im Hintertreffen.

Auch die Gewinne sprudeln längst nicht mehr so üppig wie zu Vorkrisenzeiten: Erst im vergangenen Jahr kehrte die Deutsche Bank mit einem Überschuss von 341 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück. Die Commerzbank verdiente mit 865 Millionen Euro zwar deutlich mehr, doch knabbert sie noch immer an der Integration des Dresdner Bank-Geschäfts und hat schließlich noch italienische Staatsanleihen mit einem milliardenschweren Verlustrisiko in den Büchern stehen. Bei der Deutschen Bank vermuten Branchenkenner noch heute ein 25 Milliarden Euro schweres Portfolio aus Zeiten der Finanzkrise, dessen Marktwert jedoch deutlich geringer sein könnte.

Vergegenwärtigt man sich schließlich die relativ niedrigen Eigenkapitalquoten beider Banken und berücksichtigt den für eine Fusion notwendigen Restrukturierungsaufwand in den Bereichen IT und Personal, so kommt die Frage auf, ob dieser Zusammenschluss überhaupt rentabel sein kann. Ganz zu schweigen von den volkswirtschaftlichen Konsequenzen eines massiven Stellenabbaus, der Schätzungen zufolge jede dritte Stelle vernichten könnte. 

Fazit: Eine hohe Bilanzsumme allein macht noch keinen Sommer. Sowohl die Commerzbank als auch die Deutsche Bank sind im Zuge der Finanzkrise substanziell ausgelaugt worden. Dass sich mit einem Zusammenschluss zweier kranker Riesen ein gesunder herausbildet, darf daher getrost bezweifelt werden.

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