Das deutsche Handwerk – Qualität, Tradition, Zukunft

Ein geschichtlicher Rückblick auf die Wurzeln des Handwerks

Ein geschichtlicher Rückblick auf die Wurzeln des Handwerks

Die Geschichte des Handwerks ist untrennbar mit der Evolution des Menschen verbunden. Sie stellt eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zu den meisten Tierarten dar. Von ihnen haben wir uns mindestens seit den Anfängen der Steinzeit in immer kürzeren Zeitabständen mit stetig größer werdenden technischen Entwicklungssprüngen entfernt. Von den modernen Altertumswissenschaften, der Archäologie und der Paläoanthropologie, werden die Anfänge des menschlichen Werkzeuggebrauchs auf etwa 2,4 bis 3,4 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert. In diese Zeiträume fallen die ersten, von Menschenhand gefertigten Werkzeuge aus Stein, die jener Epoche ihren Namen gaben: Die sogenannte Steinzeit ist als Beginn der Entwicklung von Werkzeugen ein sehr langer Zeitraum und endete erst knapp 5.000 Jahre vor Christi Geburt. 

Erste Werkzeuge in der Steinzeit

Prägend für diese Phase der menschlichen Entwicklung ist die erstmalige Nutzung eines Werkzeugs, eines Gegenstands also, der kein Teil des menschlichen Körpers mehr ist, sondern eine Erweiterung desselben darstellt. Dadurch gelang es den Vorfahren der heute lebenden Menschen, ihre Kräfte zu vervielfachen und mühsame Tätigkeiten zu vereinfachen. Das älteste bekannte Werkzeug ist ein behauener Stein, der auf einer seiner Seiten eine abgeschlagene Kante aufweist. Diese Kante ist scharf und kann zum Schneiden und Schaben benutzt werden. Beispielsweise wurden an verschiedenen Orten der Erde Knochen gefunden, die entsprechende, von diesen scharfen Kanten stammende Einkerbungen aufweisen. Sie wurden wohl mit einem solchen Werkzeug abgeschabt, um das Fleisch besser, einfacher und schneller davon entfernen zu können. Auf diesen in der Fachsprache „Chopper“ genannten einfachen Schneidestein folgten die „Chopping Tools“, die nun auf beiden Seiten eine scharfe Kante besaßen. Vor etwa 1,6 Millionen Jahren erfanden die Frühmenschen dann den Faustkeil als eine Art Universalwerkzeug. Mit ihm konnte nicht nur geschnitten, sondern auch gehackt, geschlagen, geschabt und als Waffe geworfen werden. 

Verfeinerte Werkzeuge in der Jungsteinzeit

In der Jungsteinzeit schließlich wandelte sich die Lebensweise der bis dahin als Jäger und Sammler umherziehenden Sippen zur Sesshaftigkeit in festen Behausungen und mündete so in die Anfänge von Ackerbau und Viehzucht. Auch der handwerkliche Fortschritt dieser Epoche ist bedeutsam: Die hergestellten Steinwerkzeuge wurden nunmehr geschliffen und nicht mehr geschlagen, was eine deutlich bessere Qualität mit sich brachte. Daneben wurden die bereits seit 5.700 v. Chr. gebräuchlichen sogenannten Dechseln zur Holzbearbeitung weiter verfeinert. Auch die Keramik, die bereits seit 30.000 v. Chr. nachweisbar ist, verfeinerte sich in den zu Beginn der Jungsteinzeit auftauchenden Bandkeramiken. 

Metallwerkzeuge seit der Kupferzeit

Die Wiege der Entwicklung des Metallhandwerks liegt in der ausklingenden Jungsteinzeit: Diese wird durch die Kupferzeit abgelöst, in der erstmals Bergbau zur Gewinnung von Kupfer und Verhüttung der entsprechenden Erze betrieben wurde. Hergestellt wurden mit dem Metall Werkzeuge und Schmuckstücke. Doch erwies sich dies nur als Übergang, denn mit der um 2.200 v. Chr. einsetzenden Bronzezeit gewann diese Legierung aufgrund ihrer deutlich höheren Härte und Widerstandsfähigkeit entscheidend an Bedeutung. Den Schlusspunkt dieser Epoche bildete die darauffolgende Eisenzeit, die von etwa 800 v. Chr. bis zum Ende der Antike reicht. Dabei gibt es erhebliche regionale Unterschiede: So begann die Germanische Eisenzeit erst um 400 n. Chr. und endete im Hochmittelalter. In all diesen Jahren hatten sich bereits die wichtigsten handwerklichen Techniken als eigenständige Gewerbe etabliert. Mit ihrem Auftauchen wurde erst das Gefüge der sich in diesen langen Zeiträumen etablierenden Gesellschaftsordnungen geschaffen: 

Handwerkliche Fähigkeiten heben den Status

So war es nach der Sesshaftwerdung der Menschen nicht mehr nur der Besitz an Vieh und Land, der den sozialen Status definierte. In stetig zunehmenden Maße bestimmte auch das Wissen um handwerkliche Techniken, beispielsweise bei der Metallverarbeitung und der Waffenherstellung, aber auch der Produktion von Schmuck, der Holz- und Textilbearbeitung sowie der Herstellung von keramischen Gebrauchsgütern, den eigenen Wohlstand. Alle diese Handwerke sind bis heute ein wichtiger Bestandteil des Wirtschaftskreislaufs geblieben und fanden ihren Ursprung in den hier skizzierten ersten „Gehversuchen“ der frühmenschlichen Handwerkskunst.

Die Handwerkskunst im Ansehen der antiken Denker

Die Handwerkskunst im Ansehen der antiken Denker

Die Handwerkskunst im Ansehen der antiken Denker

Doch diese Kunst stand nicht immer unter einem guten Stern, was ihr öffentliches Ansehen betrifft. Gerade die Gelehrten der Antike hielten in ihrer Mehrzahl keine großen Stücke auf die von ihr „Téchnai Banausikaí“, was wörtlich übersetzt „Ofenkunst“ und später dann „Handwerk“ im Allgemeinen bedeutete, genannten Tätigkeiten der sogenannten Un- oder Halbfreien. Noch heute leitet sich daraus die wenig schmeichelhafte Bezeichnung „Banause“ für einen Menschen ab, der wenig Sinn für die höheren Künste hat. Und genau diesen Sinn sprachen die großen Philosophen den Handwerkern der damaligen Zeit gänzlich ab. Aristoteles beispielsweise sah in ihnen das genaue Gegenteil von Bildung. Denn die zu körperlicher Arbeit gezwungenen halb- und unfreien Bewohner der Stadt konnten sich nicht mit den sogenannten „Sieben freien Künsten“ (Grammatik, Rhetorik, Dialektik/Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) beschäftigen, sondern mussten sich mit ihrer ganzen körperlichen Kraft den diesen freien Künsten entgegengestellten sieben unfreien Künsten widmen. Zu diesen zählten damals das Bekleidungshandwerk, die Landwirtschaft, das Bauhandwerk, die Kampfkunst, die Kochkunst, das Kaufmannswesen sowie das Schmiede- und Metallhandwerk. 

Philosophen lehnen Handwerk als unfreie Kunst ab

Nach Ansicht des damaligen Politikers, Feldherrn und Schriftstellers Xenophon waren handwerkliche Berufe solche, die den Körper schädigten. Deshalb dürfe ein freier Bürger einer Polis keinen Handwerksberuf ausüben. Denn ein Handwerker könne keinen Kriegsdienst leisten und den Stadtstaat bei den damals nicht unüblichen kriegerischen Auseinandersetzungen verteidigen. Der Philosoph Platon hingegen stellt einen anderen Aspekt der Unfreiheit des damaligen Handwerkers dar, nämlich seine Abhängigkeit von den Wünschen des Konsumenten. Zwar wisse ein Handwerker dank der Erfahrungen seiner eigenen Arbeit und aufgrund der Rückmeldungen seiner Kunden, wie eine Ware nach der bestmöglichen Art zu gestalten sei. Dieses Wissen aber nütze lediglich seinen Abnehmern, er selbst sei lediglich ein unfreier „Künstler“, da er nur die Aufträge mit den bestellten Eigenschaften abzuarbeiten habe. Dies steht im Gegensatz zu den sogenannten freien Künsten, die ein solches Abhängigkeitsverhältnis nicht kennen. Aristoteles versteigt sich in einem seiner Werke sogar zu der Aussage, dass diejenige Stadt am glücklichsten sei, in der keiner ihrer Bürger mehr ein Handwerk ausüben muss. Auch das Tun der Kaufleute fällt für ihn unter die unedlen Tätigkeiten, die nicht der Tugend und dem Glück förderlich seien. Doch so idealistisch diese Vorstellung auch ist, so realitätsfern ist sie. Denn das Handwerk stellt seit Anbeginn der menschlichen Werktätigkeit einen unverzichtbaren und gewichtigen Bestandteil unserer wirtschaftlichen Betätigung dar. Die Vorteile des Handwerks, so muss man denn auch zur Ehrenrettung der alten Griechen sagen, wurden schließlich doch noch erkannt, und zwar wiederum von dem bereits erwähnten Xenophon, der die mit den verschiedenen Handwerken einhergehende Spezialisierung als der Gesellschaft förderlich pries. In seinen Gedanken kommt erstmals zum Ausdruck, wie sehr die sich immer weiter ausdifferenzierenden einzelnen Handwerksberufe zum technologischen Fortschritt der Gesellschaft insgesamt beitragen.

Die Entwicklung vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Die Entwicklung vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Die Entwicklung vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Diese positive und selbstbewusste Eigenwahrnehmung des eigenen Standes setzte sich erst im Mittelalter immer weiter durch und wurde schließlich ein prägendes Merkmal der städtischen Handwerkerschaft. Das hing zum einen mit der „Demokratisierung“ von handwerklichem Wissen zusammen, das zuvor exklusiv von den Klöstern eifersüchtig gehütet worden war, wie zum Beispiel die Schönschreibkunst, aber auch bildende Künste und andere handwerkliche Tätigkeiten. Diese waren im Verlauf des Mittelalters jedoch mehr und mehr nach außen gedrungen, und es entwickelten sich immer mehr spezialisierte Einzelberufe daraus. Insgesamt schätzt man, dass es zu jener Zeit ca. 100 bis 120 Handwerksberufe gab, die in ihrer Summe jedoch nur in den größten Städten wie beispielsweise Köln ausgeübt wurden. Auf dem Land hingegen dominierte nach wie vor die Eigenversorgung der Bauern, die darüber hinaus oft noch ein handwerkliches Nebengewerbe beherrschten wie beispielsweise Korbflechter oder Besenbinder. Als eigenständige Gewerke existierten auf den Dörfern lediglich der Müller und der Schmied. Bäcker beispielsweise wurden dort nicht gebraucht, da es ein gemeinsam genutztes Backhaus gab, in dem die Bauern ihre Brote backen konnten. 

Handwerk entwickelt sich überwiegend in Städten

In den Städten hingegen war der Eigenversorgungsgrad der Bürger oft geringer, und so gesellten sich neben die bereits genannten Handwerker zusätzlich Bäcker und Fleischer, aber auch Weber, Schuhmacher und Schneider. Das rasante Wachstum der Städte zu jener Zeit ist eng verbunden mit der einsetzenden Blütezeit des Handwerks: Getreu dem Motto „Stadtluft macht frei“ suchte hier eine Vielzahl von armen Tagelöhnern, aber auch abhängigen Bauern mit wenig oder ohne Landbesitz, ihr Heil in der Flucht von den sie persönlich und wirtschaftlich stark einengenden feudalen Machtverhältnissen auf dem Lande. In der Stadt erhofften sie sich neben der persönlichen Freiheit als Bürger auch ein besseres Auskommen, wozu ihnen ihre vormals erworbenen handwerklichen Fertigkeiten oft gut zupass kamen. Der nicht versiegen wollende Zustrom neuer Stadtbewohner und die damit einhergehende drohende Konkurrenz rief jedoch die alteingesessenen und um ihr Auskommen fürchtenden Handwerker auf den Plan. 

Zunftwesen kontrolliert die Ausbreitung der Gewerke

Dies ist einer der Entstehungsgründe des mittelalterlichen Zunftwesens, das sich in der Folgezeit stetig weiter etablierte. Dank seiner strengen Ordnung schränkte es das unkontrollierte Wachstum der verschiedenen Handwerksberufe deutlich ein. Die Anfänge des deutschen Zunftwesens sind im Hochmittelalter zu finden. So zählen die Fischer- und Schifferzünfte in Frankfurt (945 n. Chr.) und Würzburg (1010 n. Chr.) zu den ältesten urkundlich belegten Zünften im deutschsprachigen Raum. Doch bereits im Römischen Reich wurden Handwerker einer Stadt zu sogenannten Collegien zusammengeschlossen, hier war es jedoch der Fiskus, der damit eine leichtere Besteuerung der jeweiligen Berufsgruppen erreichen wollte. Dem gegenüber verstanden sich die mittelalterlichen Zünfte nicht nur als wirtschaftliche Zusammenschlüsse, wie wir sie heute in Form von Kartellen wiederfinden. Sie waren auch eine politische Interessenvertretung der Handwerker, die zuvor keinen oder nur geringen Einfluss auf die Verwaltung und Führung der Städte nehmen konnten. Diese war nämlich fast ausschließlich in den Händen von Klerus und Adel verankert, sodass die „gemeinen“ Bürger keinerlei Möglichkeit hatten, in den Rat der Stadt aufgenommen zu werden. 

Zünfte gewinnen an politischem Einfluss

Diese unausgeglichene Machtstruktur änderte sich im Hochmittelalter grundlegend: Die Zünfte gewannen erheblich an politischer Macht und konnten nun auch ihren Einfluss im Magistrat geltend machen. In manchen Städten wie Pfullendorf oder Zürich bestanden vom ausgehenden Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sogar regelrechte Zunftverfassungen, die den Handwerkern innerhalb der genannten Städte einen dominierenden Einfluss zubilligten. Somit schufen die Handwerker des Mittelalters die politischen Voraussetzungen für das Ende der Alleinherrschaft der Aristokratie, die schließlich in der Französischen Revolution gipfelte und damit den Siegeszug der bürgerlichen Demokratie einläutete. Auch im Hinblick auf die handwerklichen Techniken sowie die Ausbildung waren die Zünfte innovativ: So erlebten die Gewerke eine zuvor nicht da gewesene Spezialisierung. Beispielsweise gab es nicht nur den Beruf des Schuhmachers, der lediglich neue und hochpreisige Schuhe herstellte, sondern auch den des Flickers, der lediglich Schuhe reparierte. Auch bei den Bäckern gab es unterschiedliche Tätigkeiten: Sogenannte Weißbäcker arbeiteten nur mit Weißmehl, die Schwarzbäcker ausschließlich mit Roggenmehl. Auch für edlere Backwerke wie Kuchen oder Oblaten gab es spezialisierte Bäckerberufe. 

Zünfte regulieren Entwicklung der Handwerke

Schließlich war das Zunftleben streng und durchgreifend geregelt: Nur der Zunft angehörige Meister durften ausbilden, und zwar lediglich Lehrlinge, die aus einer ehrbaren, also ehelichen Verbindung stammten. Das schloss bereits eine Vielzahl von Stadtbewohnern aus. Ebenso waren Abkömmlinge von unehrenhaften Berufen wie dem des Henkers oder Abdeckers nicht befähigt, eine Handwerkslehre anzutreten. Diese dauerte in der Regel drei bis fünf Jahre. Eine Ausbildungsvergütung, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht, im Gegenteil: Oftmals mussten die Eltern des Lehrlings ein sogenanntes Lehrgeld an den Ausbildungsbetrieb zahlen, manchmal erhielten die Lehrlinge hingegen Kost und Logis als Gegenleistung für ihre oft schwere Mitarbeit in den jeweiligen Betrieben. Der Ausbildung folgte in den meisten Fällen die auf zwei Jahre angelegte Walz, während der der frisch gebackene Geselle Arbeits- und Lebenserfahrung in unterschiedlichen Betrieben sammelte. Im Anschluss konnte er die Aufnahme in seine Zunft im Range eines Meisters beantragen, jedoch war ihm diese keineswegs garantiert. Vielmehr spielten, wie so oft, persönliche und materielle Verhältnisse hierfür eine Schlüsselrolle, und oft gehörte auch eine gehörige Portion Glück dazu. Wer nicht das Privileg hatte, einer Zunft anzugehören, schlug sich oft als sogenannter Böhnhase durch. Das bedeutete, dass der Handwerker zunftlos war und dementsprechend von den Mitgliedern der Zunft auf das Schärfste verfolgt wurde, da diese um ihre Pfründe durch die unliebsame Konkurrenz fürchteten. Damals existierten zum Leidwesen der etablierten Handwerker noch keinerlei Qualitätssiegel, mit dem die Kundschaft auf den ersten Blick qualitativ hochwertige Fertigung aus Deutschland hätte erkennen können. 

Zünfte verteidigen ihre Reviere gegen freie Handwerker

Eine besondere Rolle nahmen die ebenfalls außerhalb der Zünfte stehenden Freimeister ein. Ihr Talent, ihre Erfahrung oder ihr Reichtum waren so groß, dass sie von den politischen Machthabern vom Zunftzwang befreit wurden, sehr zum Verdruss der jeweiligen Zunft, die sie dennoch oft versuchte zu verfolgen. Ein wohlbekanntes Beispiel hierfür sind die Baumeister und Steinmetze. Sie waren je nach Auftraggeber auch über territoriale Grenzen hinweg tätig, und das oft für kirchliche oder weltliche Herren, da nur diese in der Lage waren, die teuren Bauten aus Stein zu finanzieren. Diese Sonderrolle führte schließlich auch zur Etablierung der Logen der Freimaurer, die ihre Exklusivität auch institutionell absicherten und ihren Einfluss entsprechend geltend machten. Neben den traditionellen Handwerksberufen blühten in der Folgezeit technischer Entwicklungen immer wieder neue Berufe auf, die stets auch ein Spiegelbild ihrer Zeit waren, was Mode und Geschmack angeht: So etablierten sich nicht nur zu Beginn der Neuzeit in Europa die Buchdrucker, sondern auch Berufe wie Kupferstecher, Orgelbauer oder Perückenmacher.

Die frühe Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg

Die frühe Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg

Die frühe Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg

Die seit dem Mittelalter bestehenden Zunftregeln verfestigten sich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert immer weiter. Das Milieu der Handwerker bildete einen eigenen kleinen Mikrokosmos, in dem nicht nur der berufliche Zugang streng geregelt war. Auch private Merkmale spielten eine wichtige Rolle bei der Frage, inwiefern man einer Zunft zugehörig sein beziehungsweise innerhalb derselben sozial aufsteigen konnte. Mit der französischen Revolution wurden allerdings auch diese, von vielen Zeitgenossen als verkrustet betrachteten Strukturen, allmählich aufgebrochen. Beginnend in Frankreich und mit einer gut hundertjährigen Verspätung wurde mit einem Reichsgesetz von 1869 dann auch in Deutschland jedermann erlaubt, einen Handwerksbetrieb zu gründen und zu führen. Nun existierte jedoch damals noch kaum Warensiegel, mit dessen Hilfe man ein objektives Kriterium für Qualität in der Hand gehabt hätte. 

Handwerkskammern ersetzen Ordnungsfunktion früherer Zünfte

Die vergleichsweise liberale Haltung missfiel daher vielen Handwerksmeistern, und so machen sie ihren Einfluss dahingehend geltend, dass bereits 1897 eine Pflichtmitgliedschaft aller Handwerker in der Handwerkskammer zum Gesetz erhoben wird. Darauf folgt im April 1900 die Gründung der neuen Handwerkskammern, und im November desselben Jahres wird der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag als ständische Interessenvertretung auf Reichsebene aus der Taufe gehoben. Im Jahre 1908 dann wird der sogenannte „Kleine Befähigungsnachweis“ eingeführt, nach dem nur Inhaber eines solchen Nachweises, sprich Meister, Lehrlinge ausbilden dürfen. 1919 erfolgt die Gründung des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks. Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag wird 1922 zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erklärt und in der Folge mit der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben bei der Erfassung und Verwaltung seiner Mitgliedsbetriebe betraut. Im Jahr 1933 erfolgen – ebenso wie in allen übrigen gesellschaftlichen Bereichen – die sogenannte Gleichschaltung des deutschen Handwerks und die Entmachtung ihrer Selbstverwaltungsorgane. Diese gehen mit der Ernennung eines Reichshandwerksführers einher. Die fortschreitende Reglementierung im deutschen Handwerk kulminiert 1935 mit der Einführung des „Großen Befähigungsnachweises“, der den Meisterzwang auch für die Führung eines Handwerksbetriebes vorschreibt. Noch im Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1942 bzw. 1943, werden die Handwerkskammern in die neu geschaffenen Gauwirtschaftskammern integriert, der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag in die Reichswirtschaftskammer eingegliedert.

Vom Nachkriegsdeutschland bis zur europäischen Einigung

Vom Nachkriegsdeutschland bis zur europäischen Einigung

Vom Nachkriegsdeutschland bis zur europäischen Einigung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der britischen und der französischen Besatzungszone zunächst der Rechtsstand von 1935 wieder in Kraft gesetzt, der die entsprechenden Zulassungsbeschränkungen enthielt. Dies geschah anders als in der amerikanischen Besatzungszone, wo eine – nach US-amerikanischem Vorbild – nahezu grenzenlose Gewerbefreiheit eingeführt wurde. Mit ihrer Hilfe durfte nun jeder Bürger ohne jegliche fachliche Voraussetzungen ein Handwerksgewerbe eröffnen und betreiben. Diese Regelung sorgte in Süddeutschland für einen beispiellosen Boom bei den Neugründungen im deutschen Handwerk. Doch so schnell diese zügellose Freiheit gekommen war, so schnell wurde sie auch wieder beschnitten, dieses Mal durch die erste Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer. Mit der 1953 vom Deutschen Bundestag verabschiedeten Handwerksordnung wurde für insgesamt 94 handwerkliche Berufe die Meisterpflicht wieder eingeführt. 

Streit um den Meisterzwang setzt sich im deutschen Handwerk fort

Einen Wandel dieses Prinzips leitete erst der europäische Binnenmarkt und die dadurch zum Tragen kommende europaweite Gewerbe- und Niederlassungsfreiheit ein. Die Grundsätze dieses Regelwerkes veranlassten den Bundestag schließlich im Jahre 2003 dazu, das bestehende Gesetz zu novellieren. Der Meisterzwang wurde für 53 Handwerksberufe, die in der Anlage B der Handwerksordnung aufgeführt werden, abgeschafft. Diese Novellierung führte in den ersten Jahren zu einem Gründungsboom neuer Betriebe, der jedoch bereits nach wenigen Jahren wieder endete. Für die übrigen 41 handwerklichen Berufe, die in der Anlage A des Gesetzes genannt sind, besteht die Meisterpflicht nach wie vor fort. Jedoch haben sich mittlerweile auch einige Alternativen zum Meisterbrief etabliert, sodass beispielsweise auch Diplom-Ingenieure, erfahrene Gesellen oder Handwerker aus der EU und dem EWR in die Handwerksrolle bei der zuständigen Handwerkskammer eingetragen werden können. Diese Öffnung des deutschen Handwerks nach außen wird zwar vielfach kritisch beäugt, kann aber – wie alle marktwirtschaftlichen Mechanismen – den Besten des Fachs zugutekommen. Hier stellt sich oft die Frage nach der Qualität der angebotenen Dienstleistungen. Einen Wettbewerbsvorteil hat der Betrieb, der seine Kunden mit qualitativ hochwertiger Arbeit überzeugt. Ein Qualitätssiegel schafft Vertrauen auf der Kundenseite und trägt dazu bei, den Ruf als Gütesiegel zu festigen und auch über die Landesgrenzen Deutschlands hinaus zu fördern und zu stärken.

Das deutsche Handwerk in der jüngeren Geschichte

Seit den Gründerjahren der Bundesrepublik hat sich die Struktur ihrer Volkswirtschaft grundlegend geändert. Ein hierbei vielzitiertes Wort ist das von der „Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft“. Und tatsächlich hat sich die Beschäftigtenstruktur seit den 1960er Jahren drastisch verändert: Waren in den Sechziger-Jahren noch fast die Hälfte aller Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe – worunter auch das deutsche Handwerk gezählt wird – tätig, so verringerte sich dieser Anteil auf heute nur noch gut ein Fünftel. Und damit steht Deutschland innerhalb der EU-Staaten noch an vorderster Stelle. Der Trend zur Deindustrialisierung aufgrund der in den vergangenen drei Jahrzehnten erstarkten neuen Player der Weltwirtschaft wie China, die die Rolle der Werkbank der Welt eingenommen haben, hat den Strukturwandel hierzulande weiter angetrieben. 

Dienstleistungen verdrängen produzierendes Gewerbe in Deutschland

Mittlerweile werden über 70 Prozent unserer Wertschöpfung mit Handel und Dienstleistungen erzielt, wir sind also bereits in der service- und wissensbasierten Ökonomie angekommen. Man könnte nun annehmen, dass auch die Bedeutung des deutschen Handwerks in gleichem oder gar noch stärkerem Maße zurückgegangen ist wie die des verarbeitenden Gewerbes, doch dem ist nicht so. Natürlich hat es hier ebenso wie in der Industrie erhebliche Anpassungs- und Schrumpfungsprozesse gegeben. Aber diese beschränkten sich stets nur auf bestimmte Branchen, wie zum Beispiel die Textil-, Bekleidungs- und Schuhherstellung. Hier sind heute tatsächlich kaum noch nennenswerte handwerkliche Betriebsstrukturen in Deutschland vorhanden. Sie wurden durch die fortschreitende Mechanisierung in der Herstellung sowie die dadurch sinkenden Preise immer weiter verdrängt. Dies gilt auch für die Gewerke im Fleischer- und Bäckerbereich. Beide Handwerksbranchen leiden unter dem starken Wettbewerb durch die großen Lebensmitteldiscounter, die mit Selbstbedienungsangeboten und eigenen Fleisch- und Backtheken um Marktanteile kämpfen, und das mit harten Bandagen. 

Konsumgüterbranche wird von großen Playern verdrängt

Generell ist der Konsumgüterbereich aufgrund der immer weiter um sich greifenden Wegwerfmentalität, die oft schon im Design der Produkte aus Asien angelegt ist, eine schwierige Sparte für das hiesige Handwerk geworden: Kleinere HiFi- und Elektrofachgeschäfte, Uhrmacher und Juweliere sowie die bereits erwähnten Schuhmacherwerkstätten haben den Angebots- und Preisdruck seitens der großen Filialisten und den immer kürzeren Produktzyklen wenig entgegenzusetzen. Hier würde nur eine konsequente Besinnung auf die eigenen Stärken helfen, wie zum Beispiel den hohen Wertschöpfungsanteil in Deutschland. Damit könnte man werben, am besten im Zusammenhang mit einem unabhängigen Gütesiegel „Made in Germany“.

Deutsches Handwerk wächst in größeren, aber weniger Betrieben

Dass die hier angesprochenen Verdrängungsprozesse auch zu einer Konzentration auf Seiten der Betriebe führen, ist folgerichtig und wird durch die statistischen Kennzahlen bestätigt: So existierten im Jahr 2008 noch gut 680.000 Handwerksbetriebe in Deutschland mit etwa 5 Millionen Beschäftigten. Zehn Jahre später, hat sich die Zahl der Betriebe um 100.000 auf etwa 580.000 verringert. Dies entspricht einem Rückgang von ca. 15 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg allerdings die Beschäftigung um gut 400.000 Stellen auf einen Wert von aktuell 5,4 Millionen. Daran erkennt man gut, dass sich die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten erhöht hat. Doch Vorsicht: Die Entwicklungen der verschiedenen Betriebsgrößen verlaufen höchst unterschiedlich. Es lässt sich eine Art Polarisierung bei den Betriebsgrößen feststellen: Die ganz kleinen und die ganz großen Betriebe wachsen deutlich, während der Anteil der mittleren Handwerksbetriebe deutlich schrumpft. 

Kleinstbetriebe im deutschen Handwerk verzerren das Bild

Damit nimmt die Zahl der Soloselbstständigen immer weiter zu: Mittlerweile besitzen fast 60 Prozent der Betriebe eine Belegschaft von weniger als 5 Personen. Bei weiteren 20 Prozent sind es 5 bis 9 Beschäftigte, ein Zehntel aller Firmen hat 10 bis 19 Beschäftigte. Gerade einmal 5,6 Prozent haben 20 bis 49 Beschäftigte, und lediglich 2,2 Prozent aller Betriebe haben mehr als 50 Beschäftigte. Doch auch bei den größten Betrieben steigt die Zahl überproportional stark an. Viele Betriebe haben sich an die Industrie gehängt und erbringen für diese vor- und/oder nachgelagerte Dienstleistungen oder Produkte. Andere sind nach dem Prinzip „Wachse oder weiche“ in den Konkurrenzkampf gegen die übrigen Großfilialisten und den Einzelhandel eingetreten.

Strukturwandel erfasst auch das deutsche Handwerk

Die einzelnen Gewerbegruppen des Handwerks haben sich in den vergangenen Jahrzehnten höchst unterschiedlich entwickelt. Die Zahl der Betriebe im Bauhauptgewerbe beträgt derzeit etwa 114.000. Das sind gut 15 Prozent weniger als vor 20 Jahren, als es noch 135.000 Betriebe waren. Der Rückgang ist dabei kontinuierlich erfolgt und setzte bereits wenige Jahre nach der deutschen Einheit und dem Auslaufen des damit verbundenen Baubooms ein. Die Öffnung des deutschen Handwerksmarktes im Jahre 2004 sorgte nur für eine zwischenzeitliche leichte Steigerung der Betriebszahlen. Bereits zwei Jahre später stagnierte die Zahl der Betriebe wieder und ist seitdem kontinuierlich zurückgegangen. Dies ist sowohl auf die starke Konkurrenz aus dem Ausland, als auch auf die Geschäftsaufgabe vieler kleiner und mittelständischer Bauunternehmen zurückzuführen. Eine gänzlich andere Situation findet man dagegen bei den Ausbaugewerken: Hier gab es nach der Liberalisierung 2004 einen regelrechten Gründungsboom, der mit fast 400.000 Betrieben im Jahr 2013 seinen Zenit erreichte. Seitdem sinken die Betriebszahlen langsam, aber stetig wieder ab, sodass es derzeit noch gut 385.000 aktive Unternehmen in diesem Bereich gibt. Bei den Gewerben für den gewerblichen Bedarf, zu denen unter anderem Gebäudereiniger, Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Behälter- und Apparatebauer sowie Landmaschinenmechaniker und Drucker gehören, zeigt sich ein robustes Bild: Um fast ein Drittel stieg die Zahl der Betriebe hier in den letzten 15 Jahren, was jedoch in vielen Fällen auf die vermehrte Selbstständigkeit von Einzelpersonen zurückzuführen ist. Im Kraft- und Nutzfahrzeugbereich waren die Zuwachsraten nicht so rasant, aber immerhin gut 10 Prozent mehr Betriebe gibt es heute als noch 15 Jahre zuvor. 

Starker Einbruch im deutschen Lebensmittelhandwerk

Beunruhigend dagegen ist die Situation im Lebensmittelbereich des Handwerks: Hier ging seit 1998 fast die Hälfte aller wirtschaftenden Betriebe verloren. Heute sind es noch gut 30.000 Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind. Eine der möglichen Gegenstrategien wäre eine selbstbewusste Außendarstellung der eigenen Leistungsfähigkeit mit einem Warenprüfsiegel „Made in Germany“, sodass Verbraucher auf den ersten Blick erkennen können, wieviel Wertarbeit aus Deutschland in den Produkten steckt. Geschuldet sind die bereits erwähnten Konkurrenz- und Konzentrationsprozesse den veränderten Konsumgewohnheiten der Verbraucher insgesamt. Nachdem die deutschen Handwerksbetriebe im Gesundheitsbereich bis zum Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends stabile Zuwachsraten erzielten, setzte in den Folgejahren eine Stagnation und schließlich ein rückläufiger Trend bei der Zahl der Betriebe ein. Diese beträgt heute gut 25.000 und liegt damit nicht wesentlich über dem Wert von 1998 (23.500). Ein stabiler Aufwärtstrend, der bereits seit zwei Jahrzehnten ungebrochen ist, zeigt sich schließlich im Bereich der persönlichen Dienstleistungen. Obgleich die mangelnde Konsumlaune der Deutschen seit vielen Jahren von verschiedensten Seiten kritisiert wird, scheinen sich die Geschäftsaussichten von Friseuren, Kosmetikstudios, Schuhmachern, Textilreinigern und Bekleidungsausstattern kontinuierlich zu verbessern: Die Anzahl der Betriebe stieg in diesem Segment seit 1998 um mehr als 50 Prozent auf mittlerweile mehr als 240.000.

Allgemeine Lage des deutschen Handwerks heute

Grafik Betriebsbestand/Anteil Handwerk
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Das deutsche Handwerk erfreut sich derzeit bester Gesundheit und befindet sich in einer soliden Verfassung, nicht nur bei einem Blick auf die „nackten“ Zahlen, sondern auch auf das Geschäftsklima. Es klettert seit einigen Jahren auf immer neue Rekordwerte und ist so positiv wie zuletzt zu Zeiten der deutschen Wiedervereinigung. Die Auftragsbücher sind voll, die Umsätze hoch und an Nachfrage an qualifizierten Kräften mangelt es nicht. Doch genau das könnte zukünftig der Pferdefuß für eine weiterhin solide Entwicklung des deutschen Handwerks sein. Doch zunächst die erfreulichen Daten: 2017 existierten in Deutschland insgesamt fast eine Million Handwerksbetriebe. Damit ist bei einer Gesamtzahl von 3,7 Millionen Unternehmen in Deutschland mehr als jedes vierte (26,8 Prozent) im Handwerk angesiedelt. Es zeigt sich, dass Qualitätsarbeit nach wie vor gefragt ist. Gut beraten sind Handwerksbetriebe hierzulande daher, wenn sie ihre Qualitätsarbeit mit Made in Germany auszeichnen können, um sich so vom Wettbewerb abzuheben.

Zahlen und Fakten

Bei der Beschäftigung sehen die Kennzahlen ähnlich beeindruckend aus: Gut 5,5 Millionen Menschen leben vom Deutschen Handwerk, seien es Gesellen, Auszubildende, oder auch die Meister und Inhaber der Betriebe. Damit hängt in Deutschland jeder achte Arbeitsplatz direkt vom Handwerk ab, indirekt dürften es noch deutlich mehr Jobs sein, die durch das Handwerk gesichert werden. Der Gesamtumsatz des deutschen Handwerks betrug im vergangenen Jahr ca. 580 Milliarden Euro. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Zuwachs von 3,6 Prozent und liegt damit deutlich über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum. Die aus diesen Umsätzen resultierende Bruttowertschöpfung beläuft sich auf etwas mehr als 225 Milliarden Euro. Damit trägt das deutsche Handwerk etwa 7,7 Prozent zum hiesigen Bruttoinlandsprodukt bei, das 2017 bei etwa 3 Billionen Euro lag.

Mittelstand ist im deutschen Handwerk Trumpf

PDF Beschäftigtengrößenklassen
PDF Umsatzgrößenklassen 

Das deutsche Handwerk ist immer noch stark klein- und mittelständisch geprägt, sowohl im Hinblick auf die Mitarbeiterzahlen als auch auf die durchschnittlich erzielten Umsätze. Vier von fünf handwerklichen Betrieben hierzulande beschäftigen weniger als zehn Beschäftigte, und knapp 18 Prozent haben zwischen zehn und 49 Mitarbeiter. Nur eine verschwindend geringe Minderheit, nämlich einer von 45 Betrieben, hat 50 Beschäftigte oder mehr. Dass diese Großbetriebe des deutschen Handwerks im Gegensatz dazu einen nicht unerheblichen Teil der Umsätze auf sich vereinigen, überrascht nicht. Doch auch bei einer Betrachtung der Umsatzgrößenklassen wird klar, dass das Handwerk in Deutschland als Musterbegriff des Mittelstands schlechthin angesehen werden kann. Gut 40 Prozent aller Betriebe erwirtschaften höchstens 125.000 Euro Jahresumsatz. Ein weiteres Drittel setzt zwischen 125.000 und 500.000 Euro im Jahr um. Ein knappes Viertel aller Handwerksunternehmen erzielt Einnahmen, die zwischen 500.000 und 5 Millionen Euro liegen. Und, ähnlich wie bei den Beschäftigtenzahlen, wird es auch an der Umsatzspitze nach oben hin recht dünn: Nur knapp jeder 40. Betrieb erreicht in diesem Bereich ein Volumen von mehr als 5 Millionen Euro pro Jahr. 

Umsätze im Handwerk spiegeln die Wirtschaftskraft der Bundesländer

Bei der Betrachtung der Umsätze in den einzelnen Bundesländern zeigen sich zunächst keine Überraschungen: Ganz vorne liegt das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen mit einem Umsatz von etwa 122 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Es folgen die wirtschaftlich starken Bayern mit etwa 10 Milliarden Euro weniger, also gut 112 Milliarden Euro. Frei nach dem vielzitierten Motto „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ erreichen die umtriebigen Schwaben und Badenser zusammen fast 100 Milliarden Euro Umsatz. Gut die Hälfte davon, nämlich 55 Milliarden Euro, werden im niedersächsischen Handwerk umgesetzt, und in Hessen immerhin noch ca. 34 Milliarden Euro. Es folgt Rheinland-Pfalz mit ca. 28 Milliarden Euro, ungefähr auf gleichem Niveau mit dem ersten ostdeutschen Bundesland, Sachsen, mit Gesamteinnahmen in Höhe von etwa 27 Milliarden Euro. Schleswig-Holstein (17 Mrd.), Berlin und Brandenburg (je 14 Mrd.), Sachsen-Anhalt (13 Mrd.) und Thüringen (12 Mrd.) sind die Nächstplatzierten. Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern folgen mit je ca. 10 Milliarden Euro, während die Schlusslichter Saarland und die Hansestadt Bremen auf 6 bzw. 3 Milliarden Euro Jahresumsatz kommen. Doch egal aus welchem deutschen Bundesland die Betriebe stammen: Sie alle eint die Ausführung hochwertiger Handwerksarbeit. Diese lässt sich mittlerweile sogar offiziell zertifizieren: mit einem Made in Germany Gütesiegel.

Produktivität im deutschen Handwerk schwankt stark

Ein anderes Bild bietet eine Betrachtung nach dem durchschnittlichen Umsatz pro Beschäftigten: Hier liegen in der Tat die fleißigen Schwaben ganz vorne, wo pro Mitarbeiter ein Umsatz von mehr als 120.000 Euro jährlich erlöst wird. Die bayerischen Nachbarn folgen mit einem Wert von etwa 112.000 Euro auf dem Fuße, und auch die Hanseaten aus Hamburg liegen mit einem Wert von 109.000 Euro unter den ersten Drei. Es folgen Nordrhein-Westfalen mit 106.000 Euro, Rheinland-Pfalz mit 105.000 Euro pro Jahr. Die genannten Länder liegen damit alle über dem Bundesdurchschnitt von 103.000 Euro. Niedersachsen mit 100.000 Euro und Schleswig-Holstein mit 97.000 Euro Umsatz pro Beschäftigtem und Jahr liegen ebenso darunter wie die restlichen Bundesländer, bei denen sich dieser Wert zwischen 93.000 (Hessen) sowie 86.000 Euro (Brandenburg und Sachsen) bewegt. Eine krasse Abweichung stellt Berlin dar, wo im Schnitt lediglich 76.000 Euro pro Mitarbeiter umgesetzt werden. Das ist mehr als ein Viertel weniger als im Bundesdurchschnitt. 

Deutsches Handwerk ist besonders in ländlichen Regionen stark

Neben diesen Strukturdaten ist noch eine weitere Tatsache interessant und wert, sie hervorzuheben: In ihren Sonntagsreden sprechen Politiker oftmals von der wirtschaftlichen Bedeutung des Mittelstandes als dem „Rückgrat des Landes“. Dass dieses geflügelte Wort insbesondere auf das Handwerk zutrifft, wird deutlich, wenn man sich die Verteilung der Handwerksbetriebe vor Ort in den einzelnen Regionen anschaut: Es ist dann festzustellen, dass auf dem Land zwischen 30 und 50 Prozent mehr Menschen in handwerklichen Berufen ihr Auskommen finden als in der Stadt: Während in den Kernstädten der großen Ballungsräume lediglich ca. 50 Einwohner von 1.000 im Handwerk beschäftigt sind, beträgt dieser Wert in ländlichen Kreisen fast 70. Damit arbeiten auf dem Land gut 40 Prozent mehr Menschen im Handwerk, was diesen Wirtschaftszweig zu einem der wichtigsten Arbeitgeber in den oft strukturschwachen Regionen macht. Die konjunkturellen und arbeitsmarktpolitischen Impulse, die in diesen Regionen seitens des Handwerks ausgehen, können in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung daher nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie bilden eine Art „Anker“ für die übrigen Wirtschaftszweige der lokalen Ökonomie. Umso wichtiger ist es, diese positiven Aspekte einmal selbstbewusst herauszustellen, zum Beispiel mit der Zertifizierung für ein Made in Germany Siegel.

Im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung sorgt eine stabile Handwerkerquote so für ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten und mildert wesentlich die Landflucht, die mittel- und langfristig nicht wenige deutsche Regionen zu veröden droht. Dadurch leistet das deutsche Handwerk einen bedeutsamen Beitrag zur nachhaltigen Gestaltung dieses Strukturwandels in den ländlichen Gebieten der Bundesrepublik Deutschland.

Ausbildungsleistungen des deutschen Handwerks

Kennzahlen im Handwerk
Statistik ZDH

Ganz weit vorne liegt das Handwerk in Deutschland übrigens auch bei der Ausbildung: Im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftszweigen, die ein Vielfaches an Umsatz und Beschäftigten haben, übernehmen die Handwerksbetriebe hierzulande die Aufgabe der Nachwuchsausbildung auf eine vorbildliche Art und Weise: 365.000 der insgesamt 1,3 Millionen Ausbildungsplätze entfallen auf das Handwerk. Dies entspricht einer Quote von 27,6 Prozent, die damit um ein Mehrfaches über der entsprechenden Beschäftigungszahl liegt. Und diese Zahl wäre noch deutlich höher, würden die deutschen Handwerksbetriebe nur alle offenen Ausbildungsplätze auch besetzen können. Doch dieses Ziel wird seit vielen Jahren regelmäßig verfehlt. Allein im vergangenen Jahr blieben daher mehr als 180.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Damit konnte fast ein Drittel der Stellen hierzulande nicht mit neuen Auszubildenden besetzt werden. Zum einen liegt das an der mangelnden Attraktivität vieler Berufe für die Jugendlichen, zum anderen stehen sich die Bewerber aufgrund von Wissenslücken oft selbst im Wege. Zudem wagen aufgrund der von den Medien sowie der Regierung ausgerufenen Studienoffensive immer mehr junge Menschen ein Bachelorstudium, auch wenn sie aufgrund ihres Qualifikations- und Interessenprofils besser daran täten, eine Berufsausbildung zu beginnen. Das zeigt sich nicht zuletzt an den dramatischen Abbrecherquoten an den Universitäten, wo mittlerweile gut jeder fünfte Studienanfänger noch während des Studiums das Handtuch wirft. 

Deutsches Handwerk bildet weniger aus als möglich

Doch der Lehrlingsschwund im deutschen Handwerk ist mehr als eine Modeerscheinung, er ist strukturell verankert: Nicht erst seit den neunziger Jahren, als hierzulande noch mehr als 600.000 Schulabgänger eine Ausbildung aufnahmen, haben sich sowohl Angebot als auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im Handwerk deutlich verringert: Um fast 45 Prozent sank die Zahl der Auszubildenden seit der Wiedervereinigung. Damit wird klar, dass das Handwerk zum einen oft weniger, oft gleichzeitig aber bessere Bewerber braucht, um mit den sich immer rascher fortentwickelnden Anforderungen der modernen Wissens- und Informationsgesellschaft Schritt halten zu können. Bestes Beispiel für diese Entwicklung sind die mittlerweile schon zu den etablierten Berufen gehörenden Mechatroniker, die als Bindeglied zwischen den traditionellen Metallberufen und der modernen Elektrotechnik fungieren. Ausbildungsgänge wie Technischer Systemplaner, Informationselektroniker oder Systemelektroniker legen hiervon ein beredtes Zeugnis ab und müssen daher stärker in das Bewusstsein der Klientel gerückt werden, die man zu gewinnen trachtet. Deutlich schwerer wird das allerdings bei Berufen, die kein so „cooles“ Image haben, wie zum Beispiel das Bäckerhandwerk. Hier könnten attraktivere Rahmenbedingungen wie zusätzliche Ausbildungsentgelte oder andere Sozialleistungen wie Logis und Beihilfen für den ÖPNV helfen, geeignete Bewerber auch aus anderen Regionen erfolgreich für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Insgesamt hat das deutsche Handwerk in diesem Bereich, der auch die Aus- und Weiterbildung von Gesellen miteinschließt, noch eine Menge offener Hausaufgaben zu erledigen. Verbesserungen sollten im ureigenen Interesse der Branche sein sollte, will sie ihre Zukunftsfähigkeit auf mittlere und langfristige Sicht bewahren. Hierzu gehört auch eine professionelle Zertifizierung der deutschen Handwerksunternehmen, die einen Großteil der Wertschöpfung hierzulande erbringen. Eine Made in Germany-Warenmarkierung kann hierbei von großem Vorteil sein, weil die Verbraucher hierdurch auf den ersten Blick die Erfüllung höchster Qualitätsstandards erkennen können.

Die Gewerbezweige des deutschen Handwerks und ihre Bedeutung

Das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe sind – zusammengenommen – der bedeutendste Gewerbezweig im deutschen Handwerk. Sie machen mit gut 250 Milliarden Euro pro Jahr insgesamt fast 45 Prozent der gesamten Umsatztätigkeit des Handwerks aus. Dabei liegt das Ausbaugewerbe mit etwa 150 Milliarden Euro noch deutlich vor dem Bauhauptgewerbe, das etwa 100 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr auf sich vereinigt. Besonders das Baugewerbe boomt in den vergangenen Jahren: Von einem Umsatz- und Fertigstellungsrekord zum nächsten geht es ununterbrochen seit knapp zehn Jahren. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 284.800 Wohnungen fertiggestellt, was einem Zuwachs von 2,6 Prozent oder 7.100 Wohnungen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Eine höhere Zahl an fertiggestellten Wohnungen hatte es davor zum letzten Mal im Jahr 2002 gegeben, als knapp 290.000 Wohnungen neu errichtet worden waren. 

Baubranche ist der Motor des deutschen Handwerks

Die Zahl der Baugenehmigungen selbst stieg seit dem Jahr 2008 bis zum Jahr 2016 kontinuierlich an und hat sich seitdem von ca. 175.000 auf etwa 375.000 mehr als verdoppelt. 2016 erreichte das Genehmigungsniveau den höchsten Stand seit 1999, als noch 437.000 Baugenehmigungen erteilt worden waren. Im Jahr 2017 gab es schließlich erstmals einen Rückgang der Baugenehmigungen um 7,3 Prozent auf 348.100 Wohnungen. Dies ist im Vergleich mit den Vorjahren jedoch immer noch ein sehr hohes Niveau und spiegelt die aktuelle Markt- und Nachfragelage sehr gut wider. Die nach wie vor herrschenden günstigen Rahmenbedingungen bei der Aufnahme von Baukrediten, Hypotheken haben in den letzten Jahren das Bauen immer attraktiver gemacht. Gleichzeitig sorgte die insgesamt lange anhaltende Phase der Niedrigzinsen zu einer Abkehr der Anleger aus den von Null- oder Negativzinsen betroffenen Anlagen. In Verbindung mit einer nach wie vor regen und zunehmenden Nachfrage nach Wohnraum in deutschen Großstädten waren hierbei eine Vielzahl positiver Rahmenbedingungen gleichzeitig gegeben, welche die Bautätigkeit in den vergangenen acht Jahren erheblich beflügelt haben. In Anbetracht der weiter steigenden Auftragseingänge und unter Berücksichtigung der derzeitigen Stimmungslage im Baugewerbe darf davon ausgegangen werden, dass dieser Boom sich zumindest mittelfristig noch fortsetzen wird. Das zeigt, dass Qualität aus Deutschland weiterhin gefragt ist. Mit diesem Pfund können Betriebe umso besser wuchern, wenn sie sich für ein Made in Germany Qualitätssiegel zertifizieren lassen, denn dann ist die Güte von Produkten und Dienstleistungen unabhängig geprüft.

Günstige Zinsen beflügeln die Baukonjunktur

Eine Wende bei der Baukonjunktur werden erst Zinserhöhungen bringen, welche die Finanzierung von Bauprojekten wieder verteuern werden und gleichzeitig alternative Investitionsmöglichkeiten wieder verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit der Anleger rücken. Diese rosigen Zeiten haben natürlich auch einen Einfluss auf die Beschäftigungssituation: Der negative Trend wurde nach einer jahrzehntelangen Durststrecke im Jahre 2009 endlich gestoppt. Damals hatte seit 1995, als noch gut 1,4 Millionen Menschen im Bauhauptgewerbe gearbeitet hatten, fast die Hälfte aller Beschäftigten ihren Job in der Branche verloren. Seitdem setzte eine zaghafte, aber doch kontinuierliche Erholung der Beschäftigtenzahlen ein, die mit aktuell 812.000 wieder um mehr als 100.000 Stellen über dem damaligen Tiefststand liegt. Das macht sich auch bei den offenen Stellen im Facharbeiterbereich des deutschen Handwerks deutlich bemerkbar: Seit 2009 ist deren Anzahl um nicht weniger als 91 Prozent in die Höhe geschossen, bei den Bauingenieuren hat sich die Zahl der offenen Stellen in diesem Zeitraum sogar verdreifacht. 

Ausländische Handwerker gegen den Fachkräftemangel

Die hohe Nachfrage nach Facharbeitern ist laut Angaben der Verbände nicht mit den Mitteln der dualen Berufsausbildung zu befriedigen. Daher stellen die Unternehmen verstärkt auch Facharbeiter aus den europäischen Nachbarländern ein und setzen verstärkt auf die Integration und Ausbildung von Flüchtlingen. Bereits jedes achte Unternehmen beschäftigt Flüchtlinge, weitere 10 Prozent planen dies innerhalb der nächsten zwei Jahre, fast die Hälfte der Betriebe (43 Prozent) will Flüchtlinge in Zukunft ausbilden. Zu den wichtigsten Handwerksberufen in der Branche des Bauhauptgewerbes zählen Maurer und Betonbauer, Straßenbauer, Zimmerer und Dachdecker. Weitere Berufe sind Gerüstbauer, Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer, Brunnenbauer sowie Betonstein- und Terrazzohersteller. 

Erfahrungen aus der ‚Schneider-Affäre‘ für die Bauindustrie

Ein besonders prägendes Ereignis der Nachkriegsgeschichte für die deutsche Bauindustrie war ohne Zweifel die sogenannte „Schneider-Affäre“, in deren Verlauf der aus Frankfurt stammende Bauunternehmer Jürgen Schneider immer höhere Kredite bei mehr als 55 Banken im Wert von mehr als 5 Milliarden DM aufgehäuft hatte, um große Bauprojekte von Einkaufs- und Wohnpassagen in West- und Ostdeutschland zu finanzieren. Nachdem der Einheitsboom abgeklungen war, konnten die sanierten Objekte die Miet- und Renditeerwartungen nicht erfüllen. Mit immer neuen Krediten versuchte Schneider, frisches Kapital zu erlangen und die Verluste zu verdecken. Als keine Bank mehr zu weiteren Krediten bereit war, offenbarte sich ein Schuldenberg von insgesamt 6,7 Milliarden DM. Darunter befanden sich auch offene Handwerkerrechnungen in Höhe von mindestens 50 Millionen DM allein bei der Deutschen Bank, deren Vorstandssprecher Hilmar Kopper damals damit prahlte, dass die Ersetzung dieser Schäden für die Bank lediglich „Peanuts“ seien. Dieser Begriff wurde seitdem zum geflügelten Wort und in jenem Jahr sogar zum „Unwort des Jahres“ auserkoren. Eine weitere aufsehenerregende Entscheidung jener Jahre war die Abschaffung des altbewährten „Schlechtwettergeldes“ während der Winterperiode mit Wirkung zum 31. Dezember 1995. Damit sollte die deutsche Wirtschaft entlastet werden, da sie eine branchenübergreifende Umlage für die Zahlung dieser Ausfallleistungen zu erbringen hatte. Es zeigte sich jedoch, dass viele Betriebe den Bauarbeitern während der Wintermonate einfach komplett kündigten, sodass die entstehenden Kosten von der Bundesagentur für Arbeit aufgefangen werden mussten. Abhilfe sollten schließlich unter anderem spezielle Arbeitszeitkonten mit einem entsprechenden Stundenvortrag von ca. 150 Arbeitsstunden schaffen. Doch die Geburtswehen dieser Reform sind längst ausgestanden, und die in den vergangenen zehn Jahren einsetzende Digitalisierung immer weiterer Lebens- und Arbeitsbereiche hat auch die Bauindustrie nicht unberührt gelassen. Hierbei stellt sich mit dem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geschaffenen Rahmenplan zur Einführung des Building Information Modelings in Deutschland bis zum Jahr 2020 eine unternehmens- und verbändeübergreifende Herausforderung, die nur in einer konzertierten Aktion aller Beteiligten zum Erfolg geführt werden kann. Vom Einsatz digital verwalteter und verfügbarer Planungs- und Nutzungsdaten versprechen sich die Initiatoren erhebliche Effizienzgewinne bei der Planung, der Erstellung und dem Betrieb von Wohn- und Gewerbebauten. Dies reicht von einer genaueren Materialplanung über eine optimierte Projektsteuerung bis hin zu verbesserten Auslastungs- und Betriebskostenkalkulationen. Mit dem BIM wird sich das Bauhauptgewerbe und auch das Ausbaugewerbe deutlich besser vernetzen und so fit für die digitale Zukunft in Deutschland gemacht.

Das Ausbaugewerbe boomt

Das Ausbaugewerbe trägt mit 27 Prozent innerhalb des deutschen Handwerks mehr als ein Viertel zur Wertschöpfung bei. Damit setzten diese Gewerke 2017 insgesamt mehr als 156 Milliarden Euro um. Hiervon entfiel der größte Anteil auf Elektroinstallationen, die etwa 50 Milliarden Euro ausmachten, gefolgt von den Installateuren und Heizungsbauern mit einem Umsatzvolumen von fast 40 Milliarden Euro. Die dritte große Gruppe im Ausbaugewerbe sind die Tischler, die gut 23 Milliarden Euro umsetzten. Maler und Lackierer folgen mit ca. 16 Milliarden Euro Umsatz. Die Gruppe der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger kommt als fünftgrößte Gruppe innerhalb des Ausbaugewerbes immerhin auf mehr als 7 Milliarden Euro Umsatz. Die übrigen Einnahmen verteilen sich auf Raumausstatter, Stuckateure, Klempner, Glaser, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Estrich- und Parkettleger sowie Ofen- und Luftheizungsbauer. 

Elektroinstallateure führen die Umsätze im Ausbaugewerbe an

Was umfasst die Gruppe der Elektroinstallationen? Es geht hier nicht mehr nur um den altbekannten Elektriker, der Schwach- und Starkstromkabel im Haushalt installiert und anschließt. Der Begriff der Installationen umfasst viel mehr, unter anderem den Einbau von elektrischen Leitungen und Armaturen, von Solarstromanlagen sowie von Beleuchtungs- und Signalanlagen an Verkehrswegen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Stromleitungen, sondern auch um Datenleitungen, mit deren Hilfe der Transport und die Verteilung von Informationen sichergestellt werden. Als Installateure für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind die Handwerker in diesem Bereich für den Einbau und die Wartung von Ver- und Entsorgungssystemen in den genannten Bereichen verantwortlich, je nach Spezialisierung. Dabei stehen auch in diesem Bereich moderne und umweltschonende Anlagen, oft gekoppelt mit erneuerbaren Energien, im Mittelpunkt des Arbeitens. So bauen Heizungsinstallateure mittlerweile oft auch Wärmepumpen und Warmwasserkollektoren ein und auf, während die Installateure im Bereich Klima für Lüftungs- und Klimaanlagen zuständig sind. In diesem Bereich sind aktuell mehr als 316.000 Menschen beschäftigt, davon knapp 245.000 sozialversicherungspflichtige Handwerker sowie gut 26.000 Personen mit einer geringfügigen Beschäftigung. 

Tischler und Schreiner im Ausbaugewerbe

Das Tischler- oder Schreinerhandwerk ist ebenso ein wichtiger Bereich im Ausbaugewerbe des deutschen Handwerks. Hier handelt es sich zum einen um die Bau-, zum anderen die Möbeltischlerei. Im Bereich der Bautischlerei werden Fenster, Türen und Treppen gefertigt. In der Möbeltischlerei umfasst dies alle Arten von Einrichtungsgegenständen für Wohn- und Wirtschaftsgebäude wie Schränke, Tische und Stühle, Kommoden, Betten und anderes Mobiliar. Das Tischlergewerbe ist ein sehr altes und angesehenes Handwerk, dessen Werkstätten sich bereits früh in den Zünften organisierten und hier die klassische Dreiteilung zwischen Meister, Geselle und Lehrling institutionalisierten. Sie nahmen gegenüber anderen Holzberufen das Privileg in Anspruch, als Einzige das Werkzeug des Hobels sowie Leim als Verbindungsmittel benutzen zu dürfen. Ebenso durften bestimmte Möbelstücke nur von Mitgliedern der Tischlerzunft gefertigt werden. Dazu zählten zusätzlich auch Fenster, Türen, Wand- und Deckenvertäfelungen sowie Särge. Aus dem Tischlerhandwerk stammt übrigens auch die Redewendung „ein ungehobelter Mensch“. Das bedeutete ursprünglich, dass derjenige, dem dieser Ausspruch galt, seine „Gesellenweihe“ noch nicht erhalten hatte. Die Aufnahmeriten für die neuen Gesellen, die ihre Lossprechung von den jeweiligen Zunftmeistern erhalten hatten, waren damals recht rau: So wurde der Junggeselle von seinen Kollegen erst einmal „gehobelt“, was oftmals mit blauen Flecken für den Probanden endete. Nach dieser Abreibung erhielt er dann durch einen erfahrenen Gesellen eine sogenannte „Hobelpredigt“, bei der er die Anstands- und Verhaltensregeln seiner Zunft erklärt bekam. 

Computergesteuerte Werkzeugmaschinen bestimmen die Effizienz

Einen wichtigen Einschnitt für die Tischlerbranche brachte die sich seit den 1990er Jahren etablierende CNC-Technik, mit der die Produktivität, aber auch die Investitionskosten deutlich gesteigert wurden. Heutzutage spricht man in diesem Bereich auch vom Tischlern 4.0, da mittlerweile nicht mehr die Fertigung eines Produktes, sondern die Planung selbst als arbeitsteiliger Prozess in oft hoch diversifizierten Unternehmen zum Kerngeschäft mit dazu gehören. In dieser Flexibilität und Innovationsfähigkeit liegt eine der wichtigsten Merkmale für die Qualität des deutschen Handwerks.

Maler, Lackierer und Fliesenleger im deutschen Handwerk

Die Sparte der Maler und Lackierer beschäftigt heute in Deutschland mehr als 200.000 Menschen. Maler und Lackierer erbringen Anstriche im sicht- und nichtsichtbaren Bereich aller Arten im Innen- und Außenbereich. Der Beruf des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegers entstand in Deutschland offiziell erst 1935, als der entsprechende Ausbildungsgang in die Handwerksordnung aufgenommen wurde. Zuvor wurden die Fliesen direkt von ihren Herstellern, den Ofenbauern beziehungsweise Töpfern, verlegt. Mit der zunehmend industriellen Fertigung der Fliesen und Bodenplatten setzte auch hier ein Prozess der Arbeitsteilung ein. Heute arbeiten mehr als 90.000 Menschen in diesem Bereich, davon knapp die Hälfte als Solo-Selbstständige. 

Raumausstatter und Stuckateure im deutschen Handwerk

Ein sehr vielseitiger Beruf ist der ebenfalls dem Ausbaugewerbe zuzurechnende Raumausstatter. Hierbei geht es nicht nur um das Polstern und Bespannen von Möbeln sowie das Auslegen von Bodenbelägen, sondern auch den Entwurf und die Ausführung von Fensterdekorationen wie Gardinen oder Stores. Weiterhin kümmert sich ein Raumausstatter um die Bekleidung von Wänden sowie die Installation von Licht-, Sicht- und Sonnenschutzvorrichtungen. Heutzutage arbeiten in diesem Bereich fast 50.000 Menschen in Deutschland. Das erfolgreiche Wirken als Raumausstatter verlangt nicht nur handwerkliches Geschick und eine künstlerische Ader. Die geschmackvolle Gestaltung von Innenräumen erfordert auch qualifizierte Beratungsleistungen der Kunden. 

Stuckateure verputzen Flächen im Innen- und vor allem Außenbereich, stellen Wände in Leichtbauweise her und hängen Decken ab. Daneben sind sie auch für die Instandhaltung von Fassaden zuständig und helfen bei der Beseitigung von Schimmel- und Feuchtigkeitsschäden. In den letzten Jahren gewann auch der Einsatz energiesparender Fassadendämmsysteme immer weiter an Bedeutung. So werden gerade in Deutschland viele Häuser mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) aus- und nachgerüstet, um den zukünftigen Anforderungen der Energieeinsparverordnung im Gebäudebereich gerecht zu werden. 

Klempner und Glaser im Ausbaugewerbe

Das Klempnerhandwerk gehört ebenfalls zu den Ausbaugewerben und umfasst die Bearbeitung von Feinblechen zur Herstellung von Dacheindeckungen, Dachentwässerungen und Lüftungsanlagen. Früher stellte ein Klempner oft auch Flaschen sowie andere Behälter und Haushaltswaren her, daher rührt die Bezeichnung Flaschner. In großen Teilen Süddeutschlands, Hessens, Österreichs, der Schweiz und auch in Südtirol werden Klempner als Spengler bezeichnet. Auf dem Bau betätigt sich der Klempner oft als Installateur von Regenrinnen, aber auch bei Schornsteineindeckungen und der Verkleidung von Schornsteinen. 

Der Handwerksberuf des Glasers ist eng mit den erst im späten Mittelalter auftauchenden Techniken zur Herstellung sogenannter Butzengläser verbunden. Zuvor waren die Fensteröffnungen der Gebäude meistens nur mit dünnen Tierhäuten verspannt, die entsprechend wenig Licht ins Innere ließen. Doch die sogenannten Butzengläser blieben zunächst nur Sakralbauten sowie den Burgen, Schlössern und Herrenhäusern der Adligen vorbehalten. Das Bürgertum lernte erst gut zwei Jahrhunderte später die Vorteile des erstmals in guter Qualität hergestellten Flachglases kennen, das als Ausgangsmaterial für die Fensterscheiben dienen konnte. Heute wird der Berufsstand im deutschen Handwerk grob untergliedert: zum einen in den Fenster- und Glasfassadenbau, zum anderen in den Bereich Verglasung und Glasbau. In Deutschland arbeiten noch gut 24.000 Menschen in diesem Beruf. 

Estrich- und Parkettleger sowie Ofensetzer im deutschen Handwerk

Estrichleger bereiten den Fußboden als Untergrund für entsprechende Beläge vor, so dass der entstehende Fußboden als Basis für die Verlegung von Fliesen oder Parkett sowie Textilien oder elastischen Materialien genutzt werden kann. Hierzulande arbeiten etwa 16.000 Personen in diesem Gewerbe. Parkettleger verlegen nicht nur Parkett aus Echtholz, sondern auch Holzpflasterklötze, Teppichböden, Materialien wie PVC, Linoleum und Gummi, Kork, Laminat, Fertigparkett sowie Beläge für Sporthallen und Schwimmbäder. Daneben gehören auch die Behandlung, die Pflege und die Restaurierung von Bodenbelägen zu ihrer Arbeit. Fast 15.000 Menschen widmen sich im deutschen Handwerk dieser anspruchsvollen und oft auch kreativen Tätigkeit. Schließlich ist im Ausbaugewerbe noch der Ofen- und Luftheizungsbauer oder Ofensetzer von Bedeutung. Hier arbeiten deutschlandweit gut 8.000 Menschen daran, Back- und Kachelöfen zu planen, zu entwerfen, zu bauen und zu setzen.

Gewerbe für den gewerblichen Bedarf im Aufwind

Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf stellen, für sich genommen, den zweitgrößten Gewerbezweig des deutschen Handwerks dar. Sie tragen gut ein Fünftel zum Gesamtumsatz bei und bieten über 1,3 Millionen Menschen hierzulande eine Beschäftigung. Der bedeutendste Teilzweig ist hierbei der Feinwerkmechaniker. Dieser Handwerksberuf ist in die Bereiche Maschinenbau, Feinmechanik, Werkzeugbau und Zerspanungstechnik gegliedert. Die in diesem Bereich tätigen Unternehmen stellen unter anderem Werkstücke und Bauteile nach festgelegten Kriterien und Qualitätsnormen her. Diese während und nach dem Fertigungsprozess zu prüfen stellt ein weiteres Arbeitsgebiet dar. Der Metallbau ist ein weiteres und nicht einfach abzugrenzendes Arbeitsgebiet im Bereich des gewerblichen Bedarfs. Hierbei arbeiten die mehr als 230.000 Gesellen und Meister mit verschiedenen Metallen für so unterschiedliche Bereiche wie Fenster, Türen, Metallfassaden und -bekleidungen, abgehängte Metalldecken, Fensterwände, Schaukästen, Vordächer, Wintergärten, Überdachungen, Spiel- und Turngeräte, aber auch Tore, Klappen, Scherengitter, Bühnen, Stege, Abdeckungen sowie Metalltreppen und Geländer. Aufgrund der Vielschichtigkeit der von ihm verwendeten Materialien sowie der mannigfaltigen Anwendungsmöglichkeiten zählt der Beruf des Metallbauers zu den ältesten Handwerkberufen überhaupt. Oft herrscht noch immer der Begriff des Schlossers vor, der daher rührt, dass viele Handwerker einst Tür-, Vorhänge-, Truhen- und Kassettenschlösser, Schlüssel sowie Beschläge, Türbänder, Türgriffe und Türklopfer herstellten. 

Metallbauer im Maschinen- und Werkzeugbau

Aufgrund der traditionell starken Position Deutschlands im Bereich Maschinen- und Werkzeugbau ist der Beruf des Metallbauers auch in Zukunft von erheblicher Bedeutung und spielt eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der breiten gewerblichen und industriellen Basis unseres Landes. Dass diese Basis durch die hohe Wertschöpfung in Deutschland geschaffen wird, sollte ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb sein. Ein Made in Germany Siegel ist hierfür ein erfolgversprechender Ansatz. Das Metallbaugewerbe hat dank seiner engen Verbindung zur Bautätigkeit im Wohn- und Gewerbebereich derzeit volle Auftragsbücher, ein Ende der Hochkonjunktur im Baubereich ist derzeit nicht abzusehen und schafft stabile Rahmenbedingungen für diesen Wirtschaftszweig.

Gebäudereinigung im deutschen Handwerk

Der Bereich Gebäudereinigung ist mittlerweile zum drittgrößten Gewerbezweig innerhalb der gewerblichen Handwerkstätigkeiten aufgestiegen. Der Sektor erwirtschaftete 2017 einen Jahresumsatz von gut 16 Milliarden Euro. Schaut man sich die Beschäftigtenzahlen an, so stellt dieser Handwerksbereich den größten Arbeitgeber aller Gewerke in Deutschland dar: Mehr als 650.000 Menschen arbeiten als sozialversicherungspflichtig angestellte Handwerker oder geringfügig Beschäftigte in diesem Bereich. Die Branche besitzt den höchsten Anteil geringfügig beschäftigter Arbeitnehmer im deutschen Handwerk: Fast 40 Prozent der Beschäftigten sind hier im Rahmen eines geringfügigen Arbeitsverhältnisses tätig. Das liegt an oft nur stundenweise notwendigen Arbeitseinsätzen und der dabei erforderlichen Flexibilität. Darüber hinaus ist festzustellen, dass die Branche einen der niedrigsten Umsatzerlöse pro Mitarbeiter generiert, im Jahr 2017 waren dies lediglich ca. 23.000 Euro. Das erklärt sich zum einen durch Wettbewerbsdruck und zum anderen aus den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, die ja nur eine begrenzte Stundenanzahl pro Monat zulassen. Die Gebäudereinigerbranche erbringt Reinigungsdienstleistungen im Innen- und Außenbereich von Gebäuden. Dies umfasst neben Fußböden, Wänden, Decken und Einrichtungsgegenständen auch die Fassaden- und Fensterreinigung. Insbesondere im gewerblichen Bereich sind die Dienstleister für viele Unternehmen, die diese Arbeitsgebiete outgesourced haben, nicht mehr wegzudenken. Geschichtlich nahm das Gebäudereinigerwesen bereits nach dem 30-jährigen Krieg seinen Ausgangspunkt: vor allem in Norddeutschland zogen Gruppen sogenannter Wand- und Wagenwäscher mit Bürsten, Besen, Leitern und Bottichen durch die Städte, um die durch den Krieg oft arg in Mitleidenschaft gezogenen Fassaden der Häuser in den Städten zu reinigen. Aber auch Kutschen und Transportwagen der Adligen, des Klerus und der Kaufleute wurden wieder in einen ansehnlichen Zustand gebracht. 

Fensterglas beförderte die Reinigungsbranche

Als dann Mitte des 19. Jahrhunderts die industrielle Glasproduktion den Einsatz von Glasfenstern und -fassaden auch an Gebäuden der einfacheren Bürger ermöglichte, war dies der Startschuss für die Gründung sogenannter Reinigungsinstitute, die nicht nur Wohnhäuser, sondern auch die allerorten entstehenden Fabrik- und Verwaltungsgebäude im Zeitalter der Industrialisierung professionell und regelmäßig reinigten. Dabei kam der Branche der hohe Verschmutzungsgrad durch die zahlreichen Schornsteine zugute, deren Öfen zum Betrieb von Dampfmaschinen fast immer mit Kohle betrieben wurden. 

Zollbehörden gegen Schwarzarbeit im deutschen Gebäudereinigungshandwerk

Da die Branche einem hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist, wird sie in regelmäßigen Abständen zum Ziel von Kontrollen durch die jeweiligen Zollbehörden in den Bundesländern. So fand im Sommer 2017 eine bundesweite Schwerpunktprüfung in diesem Gewerbebereich statt. Geprüft wurden insbesondere die Art und der Umfang des jeweiligen Beschäftigungsverhältnisses, die Arbeitszeiten, die Dauer der Beschäftigung sowie auch die gezahlten Entgelte. In den meisten Fällen wurden Unregelmäßigkeiten bei der Gewährung des Mindestlohns sowie der Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen festgestellt. Es wird immer schwieriger, genügend Personal für die Reinigung von Wirtschaftsgebäuden in den frühen Morgen- bzw. den späten Abendstunden zu gewinnen, da dies von vielen Arbeitnehmern als unattraktiv gilt. Daher gehen nicht wenige Unternehmen der Branche mittlerweile dazu über, ihren Kunden auch Reinigungsservices während der üblichen Büroarbeitszeiten anzubieten, um überhaupt noch eine Reinigung zu gewährleisten. Dieser Trend dürfte sich zukünftig noch verstärken. Ansonsten hat die Branche dank der stetig nachgefragten Dienstleistungen im Reinigungsbereich stabile und zukunftssichere Aussichten.

Landmaschinentechniker im deutschen Handwerk

Die darauffolgende Branche, betrachtet man die Höhe der getätigten Umsätze, ist die der Landmaschinenmechaniker. Hier arbeiten derzeit mehr als 40.000 Personen und erwirtschaften dabei einen Jahresumsatz von gut 10 Milliarden Euro. Damit gehört das Landmaschinengewerbe im Verbund mit dem KFZ-Gewerbe zu den produktivsten, wenn es um den Umsatz pro Beschäftigten geht. Die Branche liegt auf dem 2. Platz mit einem Wert von über 226.000 Euro. Dieser hohe Wert erklärt sich durch großen und teuren Maschinen, beispielsweise Mähdrescher oder Rübenvollerntemaschinen, die in der modernen, rationalisierten und industrialisierten Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Dabei sind in den vergangenen Jahren auch die Anforderungen an die Bewerber extrem gestiegen. Heutzutage ist es nicht mehr ausschließlich der mechanische Teil der Maschinen, der gewartet und verstanden werden muss. In immer stärkerem Maße spielt die Elektronik eine entscheidende Rolle bei der Funktionsfähigkeit, ob GPS-gesteuerte Traktoren, Feuchtigkeitssensoren bei Mähdreschern oder lasergestützte Positionssysteme für Sämaschinen. Aufgrund dieser Herausforderungen bleibt das Landmaschinengewerbe – trotz der auch zukünftig voranschreitenden Konzentration der landwirtschaftlichen Betriebe – ein interessantes und spannendes Aufgabenfeld für das deutsche Handwerk. Auch im Ausland ist hier die Made in Germany Warenmarkierung sehr beliebt.

Informationstechnik im deutschen Handwerk

Der Bereich der Informationstechnik gehört im Bereich der Gewerke für den gewerblichen Bedarf ebenfalls zu den Top 10 der umsatz- und beschäftigungsintensivsten Tätigkeiten. Die etwa 38.000 Menschen, die hier tätig sind, erwirtschafteten im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von knapp 6 Milliarden Euro. Auch der Durchschnittsumsatz pro Beschäftigten kann sich mit mehr als 140.000 Euro jährlich durchaus sehen lassen. Das Berufsbild des Informationstechnikers vereint die bis 1999 getrennt geführten Tätigkeiten des Radio- und Fernsehtechnikers sowie des Büroinformationselektronikers. Zu Beginn der Ausbildung wählen die Lehrlinge, ob sie lieber im Bereich Informationselektroniker mit Schwerpunkt Geräte- und Systemtechnik oder dem zweiten Bereich als Informationselektroniker mit Schwerpunkt Bürosystemtechnik ausgebildet werden möchten. Die Betriebe, in denen Informationselektroniker tätig sind, weisen eine erhebliche Spannweite auf. Es können dies neben den entsprechenden Handwerksbetrieben auch IT-Dienstleistergesellschaften von Banken und Versicherungen, aber auch große Fachmärkte aus den Bereichen Unterhaltung, Information, Telekommunikation und Elektronik sein. Damit bietet die Branche neben der Installation und Wartung von Radio-, Fernseh-, Funk- und sonstigen Kommunikationsanlagen auch umfassende Services für den Bereich der Computerhardware, der Netzwerke sowie der hiermit verbundenen Peripheriegeräte an, einschließlich der Steuerung mit entsprechender Software. In Zukunft werden die heute oft noch getrennt operierenden Systeme mehr und mehr miteinander verschmelzen, das Stichwort hier ist „Smart Home“ bzw. „Industrie 4.0“, was auch auf die Verwaltung der Unternehmen erheblichen Einfluss ausüben wird. Daher stehen sowohl die Branche unter permanentem Anpassungs- und Veränderungsdruck, um den sich wandelnden Produkten und Anforderungen seitens der Kunden auch zukünftig gerecht werden zu können. 

Kälteanlagenbau im deutschen Handwerk

Das Gewerbe des Kälteanlagenbaus ist der sechstgrößte Umsatzträger im Bereich der Gewerke für den gewerblichen Bedarf innerhalb des deutschen Handwerks. Mehr als 30.000 Personen arbeiteten im Jahr 2017 in diesem Bereich und erlösten aus dieser Tätigkeit einen Gesamtumsatz in Höhe von 5 Milliarden Euro. Früher waren es ausschließlich Kälteanlagen für Lebensmittelbetriebe, den Handel, Krankenhäuser und ähnliche Einrichtungen, die die Handwerker in diesem Bereich betreuten. Das Aufgabenspektrum mit dem Aufkommen der erneuerbaren Energiequellen deutlich gewachsen. Klima- und Wärmepumpenanlagen zählen daher heute ebenso zum Repertoire, wobei bei allen Anlagen umfassende Services von der Planung über die Montage bis hin zur regelmäßigen Prüfung und Wartung der entsprechenden Aggregate angeboten werden. Da diese Art von Anlagen bereit heute eine immer wichtigere Rolle bei der Erreichung von Effizienz- und Klimaschutzzielen im Bereich der Gebäudetechnik spielt, ist davon auszugehen, dass sich der Bedarf an qualifizierten Fachkräften aus diesem Bereich auch zukünftig positiv entwickeln wird. Für Betriebe und ihre Gesellen und Auszubildenden bedeutet dies hervorragende Perspektiven für die wirtschaftliche Zukunft. 

Deutsches Handwerk bietet viele Berufe mit Perspektive

Ähnlich verhält es sich mit den ebenso spezialisierten Gewerken der Elektromaschinenbauer, der Chirurgiemechaniker, der Modellbauer sowie der Schilder- und Lichtreklamehersteller. In diesen vier Gewerbegruppen sind deutschlandweit mehr als 40.000 Menschen beschäftigt. Alle Betriebe zusammen erzielten im vergangenen Jahr Umsätze von ca. 5,5 Milliarden Euro und tragen damit ebenso wie die anderen Gewerbe ihren Anteil am deutschen Handwerkswesen bei. Zwar sind sie nicht die „Top Player“ in dem bunten Reigen der verschiedenen Handwerkssparten, doch zeigen sie ein stabiles und konstantes Wachstum und hervorragende Beschäftigungsaussichten für diejenigen, die sich hier spezialisieren. Gerade die hier genannten Branchen vereinigen eine Spitzenqualität in der Herstellung mit höchstem Know-how in den entsprechenden Betrieben. Es ist es nur folgerichtig, wenn sich die entsprechenden Handwerksunternehmen im Hinblick auf ihre hohe Wertschöpfung in Deutschland mit dem Made in Germany Siegel zertifizieren lassen.

Drucker im deutschen Handwerk

Nicht zuletzt gehören auch die Drucker zu den Gewerben für den gewerblichen Bedarf. Mehr als 10.000 Menschen sind in diesem Handwerkszweig beschäftigt und erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von gut 1 Milliarde Euro. Seit den Zeiten Gutenbergs, der die Geburtsstunde dieses Berufsstandes einläutete, hat sich viel verändert: Von den mechanischen, handbetriebenen Druckstempeln über die beweglichen Lettern des Schriftsetzens bis hin zum Linotype-Verfahren, wo die Zusammenstellung der benötigten Lettern automatisiert erfolgt, wandelte sich das Druckwesen im Laufe der Jahrhunderte stetig. Ein gravierender Einschnitt war um die Jahrtausendwende die immer weitere Etablierung der papierlosen Kommunikationsmittel E-Mail und heute Smartphone. Durch das Internet ging der Bedarf an physisch gedruckten Exemplaren von Zeitungen und Zeitschriften, Katalogen und Büchern, Prospekten und Briefen immer weiter zurück. Dies hat zu einem erheblichen Rückgang der Betriebs- und Beschäftigtenzahlen innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte geführt. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen. Die durch die Digitalisierung eingeleitete Konzentration in diesem Handwerkszweig wird sich auch zukünftig fortsetzen. Überleben können in diesem Klima nur Betriebe, die sich frühzeitig auf bestimmte Produkte, beispielsweise den Kunstdruck oder den Spezialdruck, fokussiert haben.

Kraftfahrzeuggewerbe im Wandel

Das Handwerk im Kraftfahrzeuggewerbe nimmt – wie das Automobilwesen allgemein – einen wichtigen Stellenwert im Gefüge der handwerklichen Gewerbezweige ein. Fast ein Viertel aller handwerklichen Leistungen (ca. 23 Prozent) werden hier erzeugt, das entspricht einem jährlichen Volumen von mehr als 130 Milliarden Euro. Mehr als 550.000 Menschen sind direkt im Kraftfahrzeuggewerbe des deutschen Handwerks beschäftigt. Dies umfasst etwa 486.000 Kraftfahrzeugtechniker, mehr als 38.000 Karosserie- und Fahrzeugbauer, über 15.000 Zweiradmechaniker und gut 7.000 Mechaniker für Reifentechnik. Die Ausbildung erfolgt heutzutage zum Kfz-Mechatroniker und gliedert sich in eine der nachfolgenden Spezialisierungen: Personenkraftwagentechnik, Nutzfahrzeugtechnik, Motorradtechnik, System- und Hochvolttechnik sowie Karosserietechnik. Alle diese Bereiche sind heute tief durchdrungen von elektronischen Steuer-, Mess- und Regelsystemen, ohne die in einem modernen PKW, LKW oder Motorrad heute nichts mehr funktioniert. Entsprechend gestiegen sind auch die Anforderungen an die Ausbildungsplatzbewerber, die heute mindestens einen guten Realschulabschluss oder einen sehr guten Hauptschulabschluss vorweisen müssen. Interessant ist auch, dass dieser Berufszweig immer noch eine Männerdomäne ist: Mehr als 97 Prozent der hier arbeitenden Personen sind männlichen Geschlechtes, die in anderen Bereichen stark aufholenden Frauen meiden diesen Berufszweig offensichtlich nach wie vor.

Digitalisierung im Fahrzeugbau

Neben modernen Diagnoseverfahren, die von der Branche beherrscht werden müssen, setzt auch hier die Digitalisierung neue Akzente, beispielsweise bei virtuellen 3D-Modellen von Motoren und anderen Teilen des Kraftfahrzeugs. Daneben hat der Skandal um geschönte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen die Branche in Aufruhr versetzt. Der Zentralverband des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes forderte daher jüngst gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks eine zeitnahe Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit modernen Systemen zur Reduzierung von Stickoxiden, um die Zukunftsfähigkeit der Fahrzeuge für die Gewerbetreibenden zu sichern. Doch Diesel-Skandal hin oder her: Gerade die deutsche Automobilbranche ist geradezu ein Musterbeispiel für die sprichwörtlich hohe Qualität deutscher Produkte. Nicht zuletzt deshalb ist eine Zertifizierung mit einem Made in Germany Siegel die beste Werbung auch für deutsche Handwerker.

Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe setzt auf eigene Vertretung

Auch auf der organisatorischen Ebene gab es beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe/ZDK jüngst einen Paukenschlag: Der Verband hat zum 31. Dezember 2018 seinen Austritt aus der europäischen Dachorganisation CECRA beschlossen. Gründe hierfür sind nach Angaben des ZDK ein zunehmendes Missverhältnis zwischen dem finanziellen Einsatz des ZDK als mit Abstand größtem Beitragszahler und den Resultaten der Arbeit der CECRA. Ein weiterer wesentlicher Faktor sei der zunehmende Mangel an Transparenz, sowohl bezogen auf die strategische Ausrichtung als auch auf das operative Geschäft des Verbandes. Damit besinnt sich die Branche zukünftig auf die Interessenvertretung mit ihrer eigenen Repräsentanz in Brüssel, von wo aus man politischen Einfluss für die gut 38.500 Mitgliedsunternehmen im KFZ-Gewerbe aus Deutschland nehmen will. Eine stetige Aufwärtsentwicklung verzeichnet der Bereich der Zweiradmechanik. Dieser ist historisch betrachtet aus dem Nähmaschinenbereich entstanden, da diese Fabriken einst die ersten Fahrradhersteller waren. Heute splittet sich die Ausbildung in die Bereiche Motorradtechnik und Fahrradtechnik, wobei letzteren auch die Wartung und Reparatur von Rollstühlen, Gartengeräten und E-Bikes obliegt.

Lebensmittelgewerbe schrumpft weiter

Im Bereich des Lebensmittelgewerbes im deutschen Handwerk sind zunächst die Fleischer zu nennen, die zwar mit knapp 160.000 in diesem Bereich tätigen Personen nur auf Platz 2 liegen, was die Beschäftigung angeht, jedoch auf Platz 1, was den Umsatz betrifft. So setzten alle Handwerksbetriebe im Fleischereigewerbe 2017 gut 20 Milliarden Euro um. Das Fleischergewerbe ist in besonderem Maße von fehlendem Nachwuchs beziehungsweise erschwerten Betriebsübernahmen gekennzeichnet, sodass hier auch Betriebe schließen müssen, die eigentlich wirtschaftlich überlebensfähig wären. Trotz des strukturellen Drucks betreiben fast drei Viertel aller Betriebe immer noch nur ein Ladengeschäft, weitere 13 Prozent besitzen eine weitere Filiale. Das zeigt die lokale Verbundenheit des handwerklichen Fleischerbetriebes mit der Region besonders deutlich an. Die Zukunft werden hier nur diejenigen Betriebe meistern können, die sich mit marktgerechten Strategien gegen die immer mächtiger werdenden Konkurrenten der Lebensmittelhändler eine profitable Nische schaffen können, denn über den Preis allein können die Fachgeschäfte gegen die Billigkonkurrenz durch die Discounter kaum bestehen. Die Schlüsselwörter sind daher Spezialisierung, Angebotserweiterung und zusätzliche Services, beispielsweise im Snack- und Cateringbereich.

Bäckereien im deutschen Handwerk

Der Bereich des Bäckereiwesens ist wohl eines der Handwerksgewerbe, bei dem am offensichtlichsten der Strukturwandel einer ganzen Branche erkennbar ist: In den letzten 60 Jahren haben mehr als 55.000 kleine Backstuben ihre Pforten geschlossen. Das betrifft Land- und Stadtbäckereien gleichermaßen. In der Stadt haben einige Großbäckereien mit vielen Filialen das Geschäft übernommen bekommen mittlerweile Konkurrenz durch die Billig-Back-Ketten. In ländlichen Gebieten findet sich oftmals kein Nachfolger oder Neugründer, sodass hier die Besatzdichte gesunken ist. Heute sind noch gut 11.700 Betriebe in die Handwerksrolle als Bäckereien eingetragen. Allein das macht die immensen Konzentrationsprozesse innerhalb der Branche deutlich. Die Beschäftigung konnte demgegenüber seit 2016 nahezu stabil gehalten werden. Hier betrug der Rückgang lediglich 5 Prozent, was gut 15.000 Stellen entspricht. Um diesem Trend entgegenzuwirken, bleibt den traditionellen Bäckereien oft nichts anderes übrig, als ihr Produktangebot auf Snacks auszuweiten, ein Café zu eröffnen oder Lieferservices anzubieten. Einige Bäckermeister gehen mittlerweile auch dazu über, am Tag zu backen, um mit der Frische der Produkte zu punkten. Ein ganz neues Konzept aus der Restaurantszene ist das sogenannte Frontbaking, bei dem der Teig und andere Zutaten vor den Augen der Kunden zubereitet und gebacken werden. Diese Form des Backens generiert nachweislich höhere Umsätze, ist aber mit einem höheren Gesamtaufwand verbunden. Im Bereich des Müllerwesens sind hierzulande noch gut 5.000 Menschen beschäftigt, die im Jahresdurchschnitt gut 2 Milliarden Euro umsetzen. Im Konditorengewerbe erwirtschaften derzeit gut 36.000 Menschen einen Umsatz von ca. 1,7 Milliarden Euro pro Jahr. 

Handwerkliches Revival bei alkoholischen Getränken

Den Bereich der geistigen Getränke wie Bier und Wein decken schließlich Brauer, Mälzer und Weinküfer ab. Hier liegt die aktuelle Beschäftigtenzahl derzeit bei knapp 11.000 Personen. Die hieraus resultierenden Umsätze betragen etwas mehr als 1 Milliarde Euro. Wie auch in anderen Lebensmittelbereichen setzen sich in jüngster Zeit auch hier wieder traditionelle, handwerkliche Produktionsverfahren mit naturbelassenen Rohstoffen und handwerklichen Gerätschaften durch, da es seitens der Konsumenten eine starke Segmentierung in einen Massenmarkt sowie einen auf hochwertige Qualität Wert legenden Kundenanteil gibt. Das schafft Raum für die offensive Darstellung der traditionell hohen Wertschöpfung in Deutschland, die im Lebensmittelbereich gang und gäbe ist. Betriebe können so von einem Made in Germany Qualitätssiegel langfristig profitieren.

Gesundheitsgewerbe mit stabiler Entwicklung

Die größte Untergruppe innerhalb des Gesundheitsgewerbes nehmen nach Maßgabe des Umsatzes die Augenoptiker ein. So beliefen sich die Gesamteinnahmen der ca. 12.000 inhabergeführten Augenoptikergeschäfte in Deutschland im vergangenen Jahr auf mehr als 5 Milliarden Euro. Insgesamt arbeiteten gut 60.000 Menschen in diesem Zweig des Gesundheitsgewerbes. Eine Besonderheit bei diesem und anderen Gesundheitsgewerben ist es, dass es aufgrund der mangelnden Mobilität vieler Kunden notwendig ist, diese auch bei sich zuhause oder in den entsprechenden Pflegeeinrichtungen aufzusuchen. Neben dem Verkauf von Brillengläsern nebst entsprechenden Fassungen berät der Augenoptiker auch beim Kauf von Sonnenbrillen, Fern- und Operngläsern, Lupen und anderen technischen Sehhilfen. Die zweitgrößte Umsatzgruppe innerhalb des Gesundheitsgewerbes stellen die Orthopädietechniker dar. Sie beschäftigen gut 40.000 Menschen in Deutschland und erzielten im Jahr 2017 einen geschätzten Gesamtumsatz in Höhe von 4,1 Milliarden Euro. Das Aufgabenfeld der Orthopädietechnik erstreckt sich über die individuelle Anfertigung von Prothesen und Orthesen. Mit ersteren werden fehlende Gliedmaßen und andere Körperteile ersetzt, mit letzteren sollen beispielsweise bestimmte Körperhaltungen unterstützt und andere vermieden werden. Weiterhin fertigen Orthopädie-Handwerksbetriebe auch Bandagen und Korsetts an sowie Hilfsmittel der Rehabilitationstechnik wie Sitzschalen oder Rollstühle. Die dritte wichtige Gruppe im Gesundheitsgewerbe des deutschen Handwerks sind die Zahntechniker. Hier setzen 65.000 Mitarbeiter jährlich gut 4 Milliarden Euro um. Bemerkenswert hoch ist bei den entsprechenden Laboren der Grad der Konzentration. So erzielen 10 Prozent der größten Labore mit einem Jahresumsatz von mehr als 1 Million Euro mittlerweile 50 Prozent der gesamten Umsätze. Die Hälfte der Betriebe mit einem Umsatz von höchstens 250.000 Euro im Jahr stellt nicht einmal 10 Prozent des Umsatzvolumens dar. Da es zu Beginn der 2010er Jahre ein Überangebot von Zahntechniklabors gab, hat sich dieses preisbremsend und dabei gleichzeitig innovationstreibend ausgewirkt: Viele der größeren Labore haben bestimmte Fertigungsschritte outgesourced, um Effizienzvorteile zu gewinnen. Das hat den Konzentrationsprozess in der Branche weiter beflügelt. Dennoch: Zahnersatz aus China ist für viele Menschen weiterhin tabu. Sie wollen lieber Qualität aus deutschen Landen. Grund genug für die Branche, sich eingehend mit einem Made in Germany Gütesiegel zu beschäftigen, um sich vom internationalen Wettbewerb abzuheben.

Hörgeräteakustik und Orthopädieschuhmacher im deutschen Handwerk

Der Bereich Hörgeräteakustik stellt insgesamt einen Umsatz von geschätzten 1,7 Milliarden Euro pro Jahr dar. Die Beschäftigtenzahl liegt bei etwas mehr als 15.000 Menschen. Dieser Bereich ist gekennzeichnet durch innovative Neuerungen wie beispielsweise implantierbaren Hörgeräten, die von außen nicht mehr sichtbar sind. Da in 20 bis 30 Jahren der Anteil der schwerhörigen Bevölkerung nach Schätzungen von Studien doppelt so hoch sein dürfte wie heute, werden die Leistungen der Hörgeräteakustik auch zukünftig gefragt sein. Die Orthopädieschuhmacher schließlich stellen die kleinste der fünf Gewerke des Gesundheitsgewerbes dar. Gut 14.000 Menschen erlösen hierbei rund 1 Milliarde Euro Umsatz jährlich. Auch hier kann von einem stabilen bis leicht steigenden Bedarf für die Zukunft ausgegangen werden.

Handwerke für den privaten Bedarf – von Masse bis Klasse

Die letzte der hier betrachteten Obergruppen für das deutsche Handwerk ist die der Handwerke für den privaten Bedarf. Keine der bisher behandelten Gruppen umfasst ein vielfältigeres Spektrum von Handwerksleistungen für überwiegend private Konsumenten. Ob Friseur, Steinmetz, Textilreiniger, Goldschmied, Fotograf, Geigenbauer oder Kürschner – sie alle fallen unter diese Kategorie. Und das waren längst noch nicht alle Gewerbe. Insgesamt führt die Statistik des Zentralverbandes des deutschen Handwerks nicht weniger als 33 Berufsgruppen auf, die zu den privaten Bedarfen gerechnet werden. Zusammengenommen erzielen sie ein jährliches Umsatzvolumen von gut 18 Milliarden Euro und beschäftigen mehr als 378.000 Menschen in Deutschland. Die größte Gruppe stellen hierbei die Friseure dar, die mit 234.000 Beschäftigten fast zwei Drittel aller Arbeitsplätze in diesem Bereich anbieten. Diese setzen pro Jahr rund 6,8 Milliarden Euro um. Es fällt auf, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen Beschäftigungs- und Umsatzanteil gibt. Das liegt nicht zuletzt am extrem niedrigen Durchschnittsumsatz eines im Friseurgewerbe Tätigen, der sich bei lediglich 26.000 Euro pro Jahr bewegt. Dennoch ist gerade dieser Bereich ungebrochen attraktiv und wird auch in Zukunft weiterhin seine Spitzenposition innerhalb dieser Gruppe behaupten können. Es folgen die Steinmetze und Steinbildhauer, die neben Arbeiten für den Garten- und Außenbereich auch Grabsteine anfertigen. Hiermit setzten sie 2017 geschätzt rund 2 Milliarden Euro bei rund 22.000 Beschäftigten um. Die Textilreiniger erwirtschafteten insgesamt gut 1,5 Milliarden Euro Umsatz mit gut 30.000 Beschäftigten. Auch eines der Symbole für das Handwerk schlechthin, der Schornsteinfeger, fällt in diese Kategorie. Derzeit gibt es gut 21.000 von ihnen im deutschen Handwerk und sie setzen mit ihren Dienstleistungen rund 1,5 Milliarden Euro um. 

Handwerker für den privaten Bedarf entwickeln vielfach erfolgreiche Nischen

Die Uhrmacher sowie Gold- und Silberschmiede schaffen es auf die darauffolgenden Plätze und erzielten 2017 geschätzte Gesamteinnahmen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro. Gut 17.000 Menschen sind in beiden Handwerksbereichen aktuell beschäftigt. Es folgen die Fotografen mit gut 14.000 Beschäftigten und einem Umsatz von gut 900 Millionen Euro. Auf den Plätzen 8 bis 11 finden sich Maßschneider, Sattler und Feintäschner, Boots- und Schiffsbauer sowie die zum Urgestein des Handwerks gehörenden Schuhmacher. Insgesamt sind in den genannten Handwerksbereichen heute noch gut 21.000 Menschen tätig. Der geschätzte Jahresumsatz der genannten Branchen betrug 2017 rund 1,7 Milliarden Euro. Während sich diese Berufe jahrzehntelang im Abwärtstrend befanden, weil die entsprechende Produktion in Deutschland einfach nicht mehr rentabel war, hat sich in den vergangenen Jahren ein zarter Aufwärtstrend in bestimmten Bereichen entwickelt, der ebenfalls mit dem gestiegenen Qualitätsbewusstsein einer bestimmten Schicht von Käufern zu tun hat. Daher gewinnt eine Made in Germany Warenmarkierung nicht nur in diesem Handwerksbereich wieder deutlich an Gewicht. Denn die heutige Klientel möchte nicht nur handwerklich gefertigte Qualitätsarbeit. Sie strebt auch nach unter angemessenen sozialen und ökologischen Bedingungen hergestellten Maßwaren im Bereich Textil und Schuhe. Hier tuen sich für die entsprechend qualifizierten Handwerksbetriebe neue Nischen für ertragreiche Geschäftsfelder auf, die es mit entsprechendem Marketing offensiv zu begleiten gilt.

Deutsches Handwerk ist gut organisiert

Deutsches Handwerk ist gut organisiert

Die organisatorische Selbstverwaltung der verschiedenen Handwerksbetriebe erstreckt sich über die Ebenen der Kreise, der Bezirke, der Bundesländer und des Bundes. Zunächst sind alle in der Handwerksrolle eingetragenen Betriebe auf Kreisebene Mitglied der jeweiligen Handwerksinnungen, die jedes der Gewerke repräsentieren. Diese Innungen konstituieren wiederum die Kreishandwerkerschaft. Gleichzeitig sind die Einzelbetriebe Pflichtmitglieder der Handwerkskammer in ihrem Bezirk. Die Handwerkskammern üben die rechtliche Aufsicht über die Kreishandwerkerschaften sowie die örtlichen Handwerksinnungen aus. Als Körperschaften des öffentlichen Rechts übernehmen sie zudem hoheitliche Aufgaben wie das Führen der Handwerksrolle, die Organisation des Prüfungswesens sowie die Regelung der Berufsausbildung. Sie sind die Förderer der Betriebe, die sie dank der Pflichtmitgliedschaft umfassend repräsentieren.

Handwerkskammern vertreten Interessen des deutschen Handwerks

Gleichzeitig sind die Handwerkskammern die Interessenvertreter der Handwerksbetriebe innerhalb ihres Bezirkes gegenüber der Politik, der Verwaltung sowie der übrigen Wirtschaft. Aus den Handwerkskammern auf Bezirksebene rekrutieren sich wiederum die Mitglieder der regionalen Kammertage auf Landesebene sowie die Landeshandwerksvertretungen. Die auf der Kreisebene angesiedelten Handwerksinnungen wiederum entsenden Vertreter in die Landesfach- bzw. Landesinnungsverbände. Diese entsenden ihrerseits ebenso Vertreter in die Landeshandwerksvertretungen, die sie gemeinsam mit den Vertretern der Handwerkskammern führen. Weiterhin bilden die Landesfach- bzw. Landesinnungsverbände die regionalen Vereinigungen der jeweiligen Landesverbände, also beispielsweise alle Gewerbe aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen. Aus diesen Landesfach- bzw. Landesinnungsverbänden entspringen auf Bundesebene schließlich die Zentralfachverbände des deutschen Handwerks, die gleichzeitig Teil des Zentralverbandes des deutschen Handwerks sind. Die Handwerkskammern ihrerseits begründen zum einen den Deutschen Handwerkskammertag, zum anderen sind sie ebenfalls Teil des Zentralverbands des Deutschen Handwerks/ZDH. Weitere wirtschaftliche und wissenschaftliche Institutionen ergänzen den ZDH und unterstützen ihn bei ökonomischen, juristischen, politischen und organisatorischen Fragen rund um das Handwerkswesen. Als Spitzenorganisation der Wirtschaft mit Sitz im „Haus des Deutschen Handwerks“ in Berlin bündelt der ZDH die Arbeit von 53 Handwerkskammern, 48 Fachverbänden des deutschen Handwerks auf Bundesebene sowie bedeutenden wirtschaftlichen und sonstigen Einrichtungen des Handwerks in Deutschland. Der ZDH versteht sich als übergeordneter Interessenvertreter des deutschen Handwerks gegenüber dem Bundestag, der Bundesregierung sowie den Spitzenbehörden des Bundes. Weiterhin erstreckt sich diese Repräsentation auch auf die Europäische Union sowie Partnerorganisationen aus dem Wirtschaftsbereich, mit denen der ZDH zusammenarbeitet. Der Verband ist auf europäischer Ebene Mitglied der Europäischen Union des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe UEAPME in Brüssel und unterhält dort ebenfalls ein eigenes Büro. Mit seiner Hilfe bleibt das hohe Ansehen deutscher Handwerkskunst auch auf der politischen Ebene präsent. Das Made in Germany Qualitätssiegel ist hierfür ein hervorragend geeignetes Symbol.

Wichtige Messen für das deutsche Handwerk

Es gibt mittlerweile für jedes Gewerbe und für jeden Lebensbereich nicht nur eine, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Messen. Daher beschränkt sich der nachfolgende Überblick auf die größten und bedeutendsten Branchen- und Fachmessen für das Handwerk in Deutschland.

  • Die wohl wichtigste Messe für das Handwerk ist die Internationale Handwerksmesse, die jährlich im Frühjahr in München stattfindet. Als Leitmesse für das deutsche Handwerk erfahren Handwerker aller Gewerke hier die neuesten Trends und Entwicklungen. Rund 1.000 Aussteller aus 60 Gewerken präsentieren sich dort auf mehr als 75.000 Quadratmetern.

  • Die Mitteldeutsche Handwerksmesse in Leipzig ist ebenfalls ein wichtiges Branchenereignis. Auch sie findet zu Beginn eines jeden Frühjahrs statt und vereint eine umfassende Leistungsschau verschiedenster Gewerke aus dem mitteldeutschen Raum.

  • Die Dach + Holz ist eine alle zwei Jahre stattfindende Leitmesse für Holzbau und Ausbau, Dach und Wand, die das nächste Mal Ende Januar 2020 in Stuttgart ihre Pforten für Besucher öffnen wird.

  • In der Domstadt Köln ist die FAF Messe für Fassade, Ausbau und Farbe angesiedelt, die einmal jährlich ebenfalls im Frühjahr viele tausend Besucher aus dem Handwerksbereich anlockt. Gut 400 Aussteller präsentieren dort ihre Innovationen für die Fassaden- und Innenraumgestaltung.

  • Auch die Internationale Eisenwarenmesse findet in der Rheinmetropole statt, das nächste Mal im März 2020. Dann werden wieder mehr als 2.700 Anbieter aus mehr als 50 Ländern ihre Innovationen rund um die Hartwarenbranche präsentieren.

  • Im Ruhrgebiet ist die Fachmesse SHK angesiedelt. Auf dem Essener Messegelände bekommen die Fachbesucher einen Einblick in neue Entwicklungen aus den Bereichen Sanitär, Heizung, Klima und erneuerbare Energien. 570 Aussteller aus 15 Ländern machen diese Messe zu einem wichtigen Branchentreffpunkt für die Sanitär, Installations- und Klimatechnikbranche.

  • In Nürnberg finden im März 2020 wieder zwei wichtige Messen für das Holzhandwerk parallel statt. Zum einen die Holz-Handwerk, eine Fachmesse für Holzbearbeitungsmaschinen und Fertigungsbedarf, zum anderen die Fensterbau Frontale, wo innovative Lösungen aus den Bereichen Fensterbau und Fassade gezeigt werden.

  • In Frankfurt präsentieren ca. 2.700 Aussteller aus dem Licht- und Gebäudetechnikbereich dem Publikum ihre Neuheiten. Das nächste Mal findet die Messe im Frühjahr 2020 statt.

  • Eine weitere Messe für Sanitär, Heizung, Klima und erneuerbare Energien ist die ifh Intherm, die im April 2020 wieder ihre Tore für das Fachpublikum öffnet.

  • Die CEBIT in Hannover hat sich als eine der wichtigsten Leitmessen für den Bereich der Informationstechnologie etabliert. Die nächste Veranstaltung findet im Juni nächsten Jahres statt.

  • Ebenfalls ein Muss für alle Handwerker ist die Hannover Messe, ihres Zeichens die weltgrößte Industriemesse. Sie öffnet ihre Pforten wieder im April des kommenden Jahres.

  • Im September ist die automobile Welt für gut eine Woche in Frankfurt zu Gast. Dann eröffnet die IAA wieder eine Ausstellung rund um das Automobil und die daran angeschlossenen Wirtschaftszweige. Direkt anschließend findet die IAA Nutzfahrzeuge statt.

  • Die Bauma in München ist die Weltleitmesse für Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinen und wird das nächste Mal im April 2019 Gäste aus allen Teilen der Welt und ein breites Ausstellerspektrum zusammenführen.

  • In München findet schließlich die Intersolar statt, eine Fachmesse für die Solarwirtschaft und ihre Partner. Der nächste Messetermin ist im Mai 2019.

Qualität hat Zukunft – ein Ausblick

Oft wurde er in den vergangenen 100 Jahren vorhergesagt – der Tod des deutschen Handwerks. Einmal war es die beginnende Industrialisierung zum Beginn des 20. Jahrhunderts, ein anderes Mal die Liberalisierung des Niederlassungsrechts innerhalb der EU. Neuerdings scheint vielen die Digitalisierung ein Schreckgespenst zu sein, das den hiesigen Betrieben den Garaus zu machen droht. Doch bekanntlich leben Totgesagte länger, und so ist es kaum verwunderlich, dass das Handwerk in Deutschland trotz aller Unkenrufe regelmäßig mit neuen Ab- und Umsatzrekorden aufwarten kann. Wichtigster Erfolgsfaktor hierfür: Die Qualität der Produkte und Dienstleistungen. Diejenigen Betriebe, die hier ihre Hausaufgaben gemacht haben, müssen weder neue noch alte Mitbewerber fürchten, egal ob sie aus heimischen oder ausländischen Gefilden stammen. Die Erfüllung kompromissloser Ansprüche an die Güte und die Verlässlichkeit von Werkstücken und Services ist es, die den Kunden und damit der Öffentlichkeit im Bewusstsein bleiben. 

Deutsches Handwerk durch Made in Germany aufwerten

In der heutigen Internetgesellschaft ist es ein leichtes, demjenigen ein schlechtes Rating aufzudrücken, der vermeintlich schlechte Arbeit geleistet hat. Und während sich schlechte Neuigkeiten meistens wie ein Lauffeuer verbreiten, tun sich die Guten oft schwer, eine angemessene Eigenwerbung zu betreiben. Denn bekanntlich stinkt Eigenlob. Gut, dass Handwerker in Deutschland nicht mehr nur auf ihre Eigen-PR angewiesen sind, sondern die hohe Qualität ihrer Arbeit auch durch ein unabhängiges und branchenübergreifendes Gütesiegel „Made in Germany“ bestätigen lassen können. Mit einem mehrstufigen Prüfverfahren wird sichergestellt, dass die sprichwörtliche deutsche Wertarbeit während der gesamten Prozesskette gewährleistet wird: Mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung sollen in Deutschland erfolgen. Hierfür bieten die kompetenten Experten der Made in Germany GmbH eine umfassende Zertifizierung an, die mit dem Prüfzeichen für das Siegel abgeschlossen wird. Der Schwerpunkt der Prüfung liegt in den Bereichen: Buchführung, Kostenrechnung und Einkauf, wo zunächst eine Dokumentenprüfung zur Feststellung des Wertschöpfungsanteils im Inland, bei dem auch der in Deutschland stattfindende Wertschöpfungsprozess Ihrer Lieferanten berücksichtigt wird. Fällt diese Vorprüfung positiv aus, folgt in einem zweiten Schritt das eigentliche Audit beim jeweiligen Handwerksunternehmen vor Ort. Dabei wird untersucht, ob mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung eines Produktes oder einer Produktgruppe einschließlich inländischer Zulieferer aus dem deklarierten Herkunftsland stammen. Nach erfolgreicher Erfüllung der relevanten Prüfkriterien erhält das Unternehmen das Made in Germany GmbH Zertifikat sowie ein Prüfzeichen für den Herkunftsnachweis „Made in Germany“. Das Zertifikat wird im Anschluss an die Erstprüfung einmal jährlich im Rahmen eines Überwachungsaudits auf die Normkonformität seitens des Unternehmens hin geprüft. Zudem werden hierdurch die Optimierung betrieblicher Prozesse sowie die Umsetzung der im Vorjahresprüfbericht aufgeführten Maßnahmen sichergestellt. Der für einen solchen Prozess zu erwartende Zertifizierungsaufwand hängt nicht nur von Faktoren wie der Anzahl der Produktvarianten sowie der Komplexität der Leistung, sondern auch der Anzahl der Standorte und Mitarbeiter ab.

Das zertifizierte Gütesiegel Made in Germany

Das zertifizierte Gütesiegel Made in Germany

Zertifizierung Made in Germany als Wettbewerbsvorteil

Unabhängig davon bedeutet eine Zertifizierung durch die Experten der Made in Germany GmbH einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für den so zertifizierten Handwerksbetrieb: Das Vertrauen von Kunden und Lieferanten wird gestärkt, die Position am Markt durch ein attraktives Differenzierungsmerkmal ergänzt und die Optimierung betrieblicher Herstellungsprozesse im Hinblick auf eine erhöhte Wertschöpfungstiefe in Deutschland vorangetrieben. Schließlich erhält das entsprechende Unternehmen nicht nur eine qualifizierte, sondern auch rechtssichere und nach objektiven Standards durchgeführte Zertifizierung. Daher ermöglicht erst eine externe Zertifizierung den Unternehmen die volle Ausschöpfung des Potenzials, das eine Warenmarkierung ihnen bietet. In Zeiten der notwendigen Differenzierung am Markt gegenüber den Wettbewerbern im Inland sowie der nachprüfbaren Außendarstellung der eigenen hohen Produkt- und Servicequalität ist das Made in Germany Siegel daher ein unschätzbarer Vorteil im zukünftigen nationalen und EU-weiten Wettbewerb um Kunden aus dem privaten und gewerblichen Bereich. Auch Ihr Betrieb kann von einem solchen Gütesiegel nur profitieren, denn dieses Label ist ein wichtiger Baustein in einer professionellen Darstellung nach außen – und die wird, wie wir alle wissen, gerade im digitalen Zeitalter ein erheblicher Einflussfaktor für den unternehmerischen Erfolg. In diesem Sinne – machen Sie es gut!

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