DaWanda – Held der Startup Szene

Man muss es doch mal deutlich sagen: Trotz der Schließung des Unternehmens DaWanda gehört es sicher zu den vorbildlichsten „Made in Germany“-Startups, die Berlin vorweisen kann.

Die Gründer Claudia Helming und Michael Pütz hatten alles richtig gemacht. Das brandneue Geschäftsmodell Internetplattform für Handgemachtes in den USA schien erfolgversprechend. Auf Deutschland übertragen mit passendem Namen und europäischer Aufmachung, lockte DaWanda ab dem Jahr 2006 Heerscharen von talentierten Handarbeitern aus ihren Nähzimmern. Was sonst nur auf Weihnachtsmärkten oder innerhalb der Verwandtschaft erhältlich war, konnte plötzlich jeder auf dem Online Marktplatz kaufen. Dementsprechend professioneller fielen mit der Zeit die Produkte aus. Wer entsprechendes Talent besaß, konnte auf DaWanda richtig Geld verdienen. Eine klassische Win-Win-Situation.

Fair und erfolgreich 

Mit ein Garant des Erfolgs war vermutlich die relativ moderate Gebühr, die DaWanda von den Herstellern der Produkte einforderte. Mit fünf Prozent des Verkaufspreises und einer Einstellgebühr im Centbereich agierten die Berliner einigermaßen günstig, insbesondere im Vergleich zu heutigen Verkaufsplattformen, die oft nicht nur relativ viel Geld für die reine Nutzung, sondern auch noch eine Beteiligung am Einkommen verlangen. Die persönliche Atmosphäre schuf zusätzlich eine emotionale Bindung, sowohl zu den Kunden als auch zwischen den Anbietern und der Plattform.

Schnelles Wachstums aus den Startup-Schuhen

Nach zwölf erfolgreichen Jahren konnte man DaWanda eigentlich nicht mehr wirklich als Startup bezeichnen. Auch weil in jener Zeit selbst Riesen wie Amazon sich an handgemachten Artikeln aller Art probierten. Aus innovativ wurde Alltag. Jeder kannte DaWanda, die Plattform wurde zum ultimativen Tipp für Babygeschenke und zum Lieblingshotspot für den virtuellen Schaufensterbummel. Trotzdem behielt das Unternehmen den Startup-Status, auch weil Claudia Helming eine der ersten Frauen in der Szene war. Und DaWanda schien eines der wenigen Startups zu sein, die es tatsächlich geschafft hatten. Wie konnte dieses Geschäftsmodell trotzdem gegen Ende schief gehen?

Verluste trotz Erfolg

Was also ist passiert? Es sah so gut aus. Im Jahr 2010 verzeichnete DaWanda erstmals schwarze Zahlen. Im Jahr darauf erzielte die Plattform einen Umsatz von ungefähr 5 Millionen Euro. Doch schon 2012 gab es laut Bilanzbericht die ersten Verluste von satten 4,9 Millionen Euro. Dabei wollte DaWanda in eben diesem Jahr in weiteren europäischen Ländern Büros eröffnen. Ein Jahr später lagen die Verluste immer noch bei 3,5 Millionen Euro. Auch 2014 musste DaWanda weitere Verluste hinnehmen.

Im Januar 2015 übernahm deshalb der amerikanische Investor Insight Venture Partners die Kontrolle. Die bisherigen Investoren Vorwerk Ventures und Holtzbrinck Ventures stiegen bei dieser Übernahme aus. Der neue Financier hielt danach 55,7 Prozent des Unternehmens.

Lief es dann besser? Im April 2016 wurde DaWanda im Startup-Ranking auf Platz 3 in Deutschland eingestuft. Und das, obwohl die Firma auch in jenem Jahr einen Verlust von 4,2 Millionen Euro verzeichnen musste. Claudia Helmig versuchte, die Ausgaben einzuschränken und DaWanda entließ 60 der damals 230 Mitarbeiter. Gleichzeitig erhöhte sie die Gebühren für die Plattformnutzer. Ein harter Schritt, der aber half: Im Jahr 2017 lag der Umsatz des Online-Marktplatzes bei 16,4 Millionen Euro. Das entsprach einem Wachstum von 21,4 Prozent. Die Verluste betrugen trotzdem immer noch fast eine Million Euro. Doch im letzten Quartal des Jahres wurde erstmals wieder mit Gewinn gearbeitet. Im Juni 2018 wurde dennoch verkündet, dass DaWanda abgewickelt werde und bereits im August offline ginge. Claudia Helmig wollte aufhören, bevor es zur Katastrophe kommt.

Selbst das Ende vorbildlich

Grade das Finale der Internetplattform lässt es besonders glänzen unter den vielen Startups, die letztendlich doch aufgeben mussten. Nachdem DaWanda einen zweistelligen Millionenbetrag erwirtschaftet hatte und Claudia Helming erkannte, dass sie gegen den amerikanischen Riesen etsy nicht ankommt, wartete sie nicht, bis das Unternehmen pleiteging. Im Gegenteil: Erst brachte sie es wieder auf Kurs, und das gleich nach den ersten Verlusten. Da aber der Markt in Europa trotz oder vielleicht gerade wegen der EU komplexer ist als der amerikanische, konnte sie einfach nicht mit der Konkurrenz aus Übersee gleichziehen. Unterschiedliche Regeln je nach Land, viele verschiedenen Sprachen und letztendlich die fehlende Möglichkeit, technisch mitzuhalten. Statt also mit Pauken und Trompeten unterzugehen, zog die Firmengründerin die Reißleine. Und anstelle der oft üblichen Gepflogenheiten der Startupszene, wählte Claudia Helming dabei ihre eigene Vorgehensweise. Alle Anbieter auf DaWanda wurden an etsy überführt, Angestellte erhielten eine Abfindung und DaWanda verließ die Internetbühne im Jahr 2018 mit einer eleganten Verbeugung. 

Bild von Pexels auf Pixabay

Kommentare (1)

George Bancroft

Eine Wunderschöne Geschichte aus der heimischen Startup Szene. Mit Bravour gelesen.

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