Deutsche Hidden Champions

Verborgen, aber weltweit führend

Als Hidden Champions gelten die weitgehend unbekannten Unternehmen, die weltweit zu den Top Drei gehören oder auf dem europäischen Markt an erster Stelle stehen. Ihr Umsatz beträgt in der Regel weniger als 5 Milliarden Euro. In keinem anderen Land erfüllen so viele Firmen die Definition wie in Deutschland: Mehr als 1.500 Unternehmen tragen den Titel hierzulande zu Recht.

Der inzwischen emeritierte Wirtschaftsprofessorund Unternehmer Hermann Simon prägte den Begriff der Hidden Champions erstmals Ende der Achtzigerjahre. Im Rahmen einer Studie versuchte er den deutschen Exporterfolg zu erklären, der nicht auf die Großkonzerne allein zurückzuführen ist. Seine Erkenntnisse gelten bis heute, und als Redner ist Simon international gefragt. Das Benchmarking Center Europe am INeKO, ein Institut der Universität zu Köln, untersuchte in einer umfassenden Studie den aktuellen Stand der deutschen Weltmarktführer. Die Ergebnisse basieren auf der empirischen Befragung einer repräsentativen Stichprobe von Hidden Champions und der Auswertung öffentlich zugänglicher Daten sowie im Handelsregister veröffentlichter Jahresabschlüsse. Sie zeigen, dass die heimlichen Gewinner vieles anders machen als der Durchschnitt.

So entstehen Erfolge

Die heimlichen Helden kommen zu 41 Prozent aus dem Maschinenbau, 19 Prozent fertigen Industrieprodukte, und jeweils 10 Prozent sind in der Elektroindustrie beziehungsweise im Automobilbau tätig. Die übrigen 40 Prozent verteilen sich auf zwölf weitere Branchen und zeigen damit die Vielfalt der Hidden Champions. Mehr als drei Viertel der Unternehmen machen die hohe Qualität der Erzeugnisse für ihren Erfolg verantwortlich. Über zwei Drittel sehen auch das technische Know-how als entscheidend an, denn es ermöglicht, kundenspezifische und innovative Produkte herzustellen.

Insgesamt ist das Sortiment weniger breit als tief, mit vielen Variationen der Güter. Die Auswahl beinhaltet außerdem viele Komplettlösungen, und die Bedürfnisse der Kunden stehen im Fokus. Mehr als drei Viertel bieten an, Produkte nach individuellen Wünschen anzufertigen. Dementsprechend sind die Herstellungsverfahren auf niedrige Stückzahlen ausgelegt. 59 Prozent der Unternehmen  betreuen Kunden auf differenzierte Weise. Auch legen die Firmen Wert auf zufriedene Mitarbeiter. 80 Prozent sehen die Loyalität der Belegschaft als wichtigste innere Stärke. Knapp zwei Drittel der Angestellten verbringen mehr als zehn Jahre ihres Berufslebens bei den versteckten Marktführern. 

Besetzen die Firmenchefs offene Stellen, legen sie Wert auf Qualifikation und Motivation sowie auf eine positive Einstellung zur Arbeit. In der leistungsorientierten Unternehmenskultur muss die Arbeitsbereitschaft groß sein. 47 Prozent der Führungskräfte haben eine technische Ausbildung, 49 Prozent blicken auf einen kaufmännischen Werdegang zurück. In durchschnittlichen Unternehmen überwiegen hingegen die Anteile von Kaufleuten und Juristen. Auch für die Fachkräfte der Zukunft sorgen die Hidden Champions mit einer überdurchschnittlichen Ausbildungsquote von mehr als 5 Prozent. 

Familiäre Werte sind Weltspitze

66,7 Prozent dieser Weltmeister werden als Familienbetrieb geführt, und mehr als ein Drittel sind über 100 Jahre alt. Diese Firmen haben Ziele und Visionen in früheren Generationen definiert, verankern sie in der Unternehmenskultur und verfolgen sie bis in die Gegenwart. Ein klares Leitbild ist demnach ein Erfolgsfaktor, den knapp 90 Prozent der Hidden Champions mit einer schriftlichen Definition ihrer Ziele erfüllen. Außerdem kommunizieren sie diese mit ihren Interessengruppen. Zentral stehen dabei das Mitarbeiterwohl und eine gesunde Arbeitsumgebung, aber auch das Bestreben nach Innovation und Nachhaltigkeit. Das hohe Alter der Unternehmen offenbart aber auch eine problematische Entwicklung, denn die Zahl der erfolgreichen Neugründungen ist gering. 

Da die Hidden Champions zumeist inhabergeführt und nicht an der Börse notiert sind, nimmt die breite Öffentlichkeit kaum von ihnen Notiz. Die Eigentümer leben konservativ und sind zu 94 Prozent verheiratet, davon rund zwei Drittel in der Erstehe. Ehrgeiz treibt sie an, und sie haben den Anspruch, im gewählten Marktfeld zu führen oder sich dort zu behaupten. Weiterhin profitieren sie von finanzieller Unabhängigkeit, mit einer deutlich höheren Eigenkapitalquote als im Branchendurchschnitt. Dass die Unternehmen kaum bekannt sind, birgt ungenutztes Potenzial, denn der Wert einer Marke kann als strategische Bedeutung einkalkuliert werden und ist maßgeblich für globales Wachstum. Zudem verschärft der Markenaufbau die Eintrittsbarrieren für Konkurrenten und Produkte zu imitieren ist schwieriger.

Differenziert und spezialisiert nach oben

Als Strategie gaben knapp zwei Drittel der Befragten in der INeKO-Studie an, sich differenziert auszurichten. Weniger als ein Drittel folgt einer Nischenstrategie. Ein Anteil von 7 Prozent überzeugt durch die Blue-Ocean-Strategie, mit der die Firmen neue Angebote für wiederum neue Zielgruppen entwickeln. So umgehen sie den Wettbewerb . Insgesamt nennen aber die Hälfte der Unternehmen die Spezialisierung auf eine Marktnische oder ein Segment als erfolgsentscheidend. Viele beschränken sich auf teure Premiumsegmente und arbeiten mit ausgeklügelten Hochtechnologien. Um die hohen Erwartungen stets zu übertreffen, ist der Anteil von Produktinnovation mit 81 Prozent besonders stattlich.  

Die Investitionen in Forschung und Entwicklung liegen mit einem Anteil von 6 Prozent ebenfalls weit über dem Durchschnitt der jeweiligen Branchen. Drei Viertel arbeiten dabei mit Hochschulen zusammen. Auch intern verfährt man innovativ: Mitarbeiter genießen Freiräume, wie flexible Arbeitszeiten und ein eigenverantwortliches Aufgabenmanagement – Kernelemente innovativer Organisationen. Indem operative Entscheidungen den entsprechenden Unternehmensbereichen selbst überlassen werden, ist die Eigeninitiative hoch. Die innovationsfreundliche Kultur schöpft das Potenzial der Mitarbeiter aus und erzeugt zusätzliche Verantwortungsbereitschaft. Die Hidden Champions streben Pionierleistungen an, um dem Anspruch der führenden Marktposition gerecht zu werden.

Im Gegensatz zu den operativen treffen diese Firmen strategische Entscheidungen bezüglich finanzieller oder personeller Ressourcen ausschließlich auf Geschäftsleitungsebene. Die Kernbereichen verzichten fast vollständig auf Outsourcing, viele stellen Maschinen und Anlagen selbst her. Denn sobald Arbeiten extern verlagert werden, besteht die Gefahr, dass Know-how verloren geht. Aufgaben außerhalb der eigenen Kernkompetenzen, etwa die Administration, delegieren sie hingegen oftmals nach außen. 

Digitale Technologien aufrüsten

Auf digitale Technologien zu setzen, ist bei den Hidden Champions noch stark branchenabhängig. Nur jedes achte Unternehmen schätzt den eigenen Digitalisierungsgrad als sehr hoch ein, der Rest ist zu gleichen Teilen gespalten zwischen hoch und niedrig. Die mangelhafte Breitbandversorgung an den meist ländlichen Standorten kommt erschwerend hinzu. Dennoch haben 97 Prozent eine Webseite, und 72 Prozent nutzen Social Media für die externe Kommunikation. Im internen Geschäftsalltag verwenden rund 70 Prozent das hauseigene Intranet, knapp 60 Prozent arbeiten mit Apps, und mehr als 30 Prozent speichern ihre Daten mittels Cloud. Demnach können sich auch die Hochleistungsunternehmen noch verbessern. Sei es auch nur, indem sie mehr von sich reden machen , um das verdiente Lob der Öffentlichkeit zu erhalten.

Foto: Free-Photo auf Pixabay

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