Deutsche Startup-Szene

Sie wächst und wächst und wächst, die deutsche Startup-Szene. Besonders Berlin gilt als absoluter Hotspot. Längst ist die Situation in der Hauptstadt so angespannt, dass Berliner Gründer keine geeigneten Mitarbeiter mehr finden. Bei den gigantischen Zahlen kein Wunder – ganze 42% aller durch deutsche Startups generierten Arbeitsplätze werden in der Hauptstadt geschaffen.

Berliner Startups haben also mit Abstand die meisten Mitarbeiter und da viele international ausgerichtet sind, haben sie Probleme damit, neue Stellen zu besetzen. Besonders, da junge Unternehmen mit einer guten Geschäftsidee in einer bisher unbesetzten ökonomischen Nische rapide wachsen, entsteht ein hoher Wettbewerb um gute Angestellte.

 

Wo werden die meisten deutschen Startups gegründet?

16,8% aller deutschen Startups sind in Berlin angesiedelt. Damit befinden sich dort die mit Abstand meisten jungen Unternehmen mit innovativer Geschäftsidee und hohem Wachstumspotenzial. Die zweitwichtigste Region ist die Metropolregion Rhein-Ruhr, wo immerhin 11,3% aller Startups sitzen. Weit abgeschlagen folgen die Regionen in und um Stuttgart und Karlsruhe (6,4%), Hamburg (6,2%) sowie München und die Region Hannover-Oldenburg mit jeweils 6%.

 

Was unterscheidet Startups von herkömmlichen Unternehmen?

Startups stehen für innovative Geschäftsideen, hohes Wachstumspotenzial, eine risikoreiche Finanzierung mit Förderbanken, Investoren und Crowdfunding. Doch auch zwischenmenschlich bieten Startups in der Regel besondere Strukturen. So sind Merkmale oft flache Hierarchien, die starke Identifikation mit dem Unternehmen durch gelebte Werte und Normen und eine ausgeprägte Unternehmenskultur, die durch gemeinsame Veranstaltungen gefestigt wird.

 

Welche Rolle spielt die Hauptstadt in der Startup-Szene?

Allein in der Hauptstadt sind knapp die Hälfte aller deutschen Startups aus den Bereichen Software as a Service, IT, Fintech und E-Commerce, so die Erkenntnisse des Berliner Startup-Monitors. Die Hauptstadt wirkt wie ein Garant dafür, dass viele Unternehmen in kürzester Zeit zu wichtigen Pfeilern ihrer Branche avancieren, die mit innovativen Ideen, Produkten und Dienstleistungen überzeugen. 

Außerdem sind Berliner Startups ein großer Motor für die Internationalisierung. Da die Unternehmen ihre Geschäftsidee in der Regel international ausrichten, benötigen sie auch Muttersprachler aus den Ländern, in die expandiert werden soll. Deutsche Startups gehören also zu den Betrieben, die eine Abschottung der Märkte nicht unterstützen – und das, obwohl sie ihren Umsatz hauptsächlich in Deutschland erwirtschaften (zu 80%). 

Gerade in Berlin gehören die vielen internationalen Mitarbeiter mittlerweile zum Stadtbild. In vielen Geschäften inklusive Cafés, Friseursalons und auf der Zielgruppe entsprechenden Märkten wird Englisch gesprochen. Auch Freizeitaktivitäten werden mittlerweile in englischer Sprache angeboten.

 

Rekordjahr für deutsche Startups durch Investitionen aus China und den USA

Im Jahr 2018 hat die deutsche Startup-Szene mehr Risikokapital generieren können als je zuvor. Laut Handelsblatt sollen insgesamt 4,3 Milliarden Euro investiert worden sein, also weit mehr als noch 2017 (2,9 Milliarden Euro). Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland damit zwar hinter Großbritannien mit 7,1 Milliarden, aber vor Frankreich (4 Milliarden Euro). Gegen die boomende Startup-Branche Chinas oder das Silicon Valley hat Deutschland jedoch nach wie vor keine Chance. 

Neben ausländischen Investoren – 2018 kamen aus den USA, Asien und Südafrika ganze 1,8 Milliarden Euro – sind vor allem deutsche Großkonzerne wichtige Geldgeber. Obwohl Versicherungen und Pensionsfonds kaum in Startups investieren, engagieren sich Unternehmen wie BASF und BMW umso mehr.


Die spannendsten Fakten zu deutschen Startups

Der Anteil an Gründerinnen im Jahr 2018 lag bei 15,1 Prozent und ist im Gegensatz zum Vorjahr um 0,5% gestiegen. In der Regel gründen Frauen übrigens alleine – Männer bevorzugen die Gründung im Team. Außerdem sind deutsche Gründer zum Großteil von 81,1% Akademiker und haben entweder einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften oder den MINT-Fächern.

Die Bereiche, in denen hauptsächlich gegründet werden, sind Informations- und Kommunikationstechnologie (34%), Food (9,7%), Gesundheit (8,5%) und Mobilität (5,2%). Das Problem der Startups, die im auf IT-Fachleute angewiesen sind, besteht vor allem darin, dass sie diese oft nicht angemessen bezahlen können.

Die beliebteste Finanzierungsquelle für deutsche Startups sind nach wie vor Ersparnisse. Über 80% der Investitionen kommen demnach aus privatem Besitz. Die Aufnahme von Risikokapital zur Gründung und Verwaltung eines Unternehmens ist in den vergangenen Jahren sukzessive zurückgegangen. 2018 lag sie bei lediglich 15,3%.

Startups sind junge Unternehmen, die sich nur durch Wachstum ihren Status erarbeiten können. Daher leben sie vom kontinuierlichen Mitarbeiterzuwachs – im Durchschnitt sind es 6,5 neue Arbeitsplätze pro Startup pro Jahr. Bei der Besetzung der Stellen haben aber 60% aller Unternehmen Probleme.

 

Was sind die interessantesten deutschen Grownups?

In den vergangenen zehn Jahren sind in Deutschland 28 sogenannte Einhörner entstanden. Das sind ehemalige Startups, die eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar erhalten haben. Dazu gehören Zalando, Flixbus und Teamviewer. Einige Erfolgsbeispiele im Überblick:

Zalando: Die Gründung des Online-Versandhändlers erfolgte 2008 mit Investorenkapital. Das Berliner Unternehmen ist mittlerweile europaweit aktiv. Der Umsatzwachstum des einstigen Startups konnte von 2010 bis 2017 von 0,15 Milliarden Euro auf 4,49 Milliarden gesteigert werden. Der Börsenwert von Zalando betrug 2018 ganze 12,9 Milliarden US-Dollar.

Xing: Das soziale Netzwerk für Geschäftskontakte mit Sitz in Hamburg konzentriert sich seit der Gründung im Jahr 2003 auf den deutschsprachigen Raum. Die Umsatz- und Mitarbeiterzahlen sind seit 2008 enorm gestiegen. So konnten 2008 35,3 Millionen Euro Umsatz generiert werden, 2017 bereits 187,8 Millionen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im gleichen Zeitraum von 174 auf 1290.

Amorelie: Mittlerweile ist sie eines der Aushängeschilder der deutschen Startup-Szene: Gründerin Lea-Sophie Cramer. Zusammen mit Sebastian Pollok gründete sie 2012 das Startup, das den Versand von Sex-Toys vom Schmuddelimage befreit hat. Heute, sechs Jahre später, ist das E-Commerce-Unternehmen etabliert, beschäftigt 100 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Millionenumsatz.

Delivery Hero: Der Onlinelieferdienst, bei dem in Deutschland unter dem Namen Lieferheld bestellt werden kann, ist weltweit aktiv. Das 2011 in Berlin gegründete Unternehmen ist in mehr als 40 Staaten vertreten, hat mehr als 200.000 Partner-Restaurants und liefert etwa 13 Millionen Bestellungen pro Monat aus. Im Dezember 2017 beschäftige das Unternehmen 14.631 Mitarbeiter auf der ganzen Welt.

Eventim: Der Ticketvertrieb mit Sitz in München ist zum europäischen Marktführer aufgestiegen und in 20 Ländern aktiv. Mit über 3000 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von über einer Milliarde Euro pro Jahr. Dies gelingt durch die Vermarktung und den Vertrieb von Eintrittskarten für diverse Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen und Sportveranstaltungen.

Home 24: Der Online-Versandhändler für Möbel, Wohnaccessoires und Gartenmöbel wurde 2012 in Berlin gegründet. Mittlerweile vertreibt er seine Produkte auch in Frankreich, Belgien, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Italien. 2017 haben 385 Mitarbeiter für Home 24 gearbeitet und einen Umsatz von 276 Millionen generiert.

Foto: Pixabay

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