Zu viel deutscher Export oder zu wenig Verständnis aus USA?

„Very bad“, kommentierte Donald Trump vor der EU die Exportüberschüsse Deutschlands. Darauf folgte ein allseits kritisch bewerteter G7-Gipfel – Ergebnis in puncto Handel: ein Kompromiss und eine Arbeitsgruppe.

Trump meine mit „very bad“ nicht die "schlechten Deutschen", räumte dessen Pressesprecher, Sean Spicer, Ende Mai bei der EU in Brüssel ein. Allerdings bewerte der Regierungschef das "Ungleichgewicht", das im deutsch-amerikanischen Handel bestehe, als "unfair".

Der kritische Überschuss

Längst scheint es eine Dauerkritik des US-Präsidenten zu sein, dass Deutschland mehr Produkte in die USA exportiert, als von dort zu beziehen. Häufig nennt Trump dabei die Automobilbranche. Schon vor seiner Präsidentschaft erwog er, BMW mit 35 Prozent Strafsteuer zu belegen, da dieser Konzern Pkw in Mexiko herstellen will. Und bei seiner Amtsaufnahme betonte der Regierungschef bekanntlich „America first“: „Wir werden zwei simple Regeln befolgen: Kauf amerikanische Produkte, und stelle amerikanische Arbeitskräfte ein."

Warum sind gerade Autos so wichtig? Sie nehmen mit 28 Prozent den größten Anteil der Produkte ein, die Deutschland in die Vereinigten Staaten exportiert. Dagegen liegen Pkw nur bei etwa zwölf Prozent der US-Exporte.

Darüber hinaus rührt der Angriff auf das deutsche Übermaß bei der Ausfuhr daher, dass dieses insgesamt immer mehr steigt: So hat es sich im Vergleich zu den USA seit dem Jahr 2000 beinahe verdreifacht:

Gute Ideen?

Um dieses Ungleichgewicht zu mildern, schlug Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Steuersenkungen vor, sodass den Menschen hierzulande mehr Geld bliebe und sie dadurch auch mehr Produkte aus dem Ausland erwerben könnten. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erwog eine staatliche Investitionsoffensive, um den Import aus dem Ausland zu fördern.

Zurück zu Trump: Dass seine „Idee“ der Strafsteuer kommt, ist fraglich. Selbst konservative Politiker dort warnen, dass diese Maßnahme die Konsumpreise in den Vereinigten Staaten befeuern würde. Es ist unwahrscheinlich, dass der bei seinem Volk nicht sehr beliebte US-Präsident darauf abzielt.

G7-Gipfel – nur Enttäuschung?

Doch was brachte der G7-Gipfel in Taormina für die Handelsbeziehung zwischen USA und Deutschland? Nach dem Treffen fand Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) klare, nun viel diskutierte Worte: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück weit vorbei und deshalb kann ich nur sagen, wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen.“

In puncto Handel endete dieser Gipfel laut Frankfurter Allgemeine Zeitung mit einem „Formelkompromiss“: Der freie Handel und offene Märkte bleiben ebenso im Gespräch wie fairer Handel. Man will Protektionismus bekämpfen; „gleichzeitig aber auch dafür Sorge tragen, dass unfaire Handelspraktiken intensiv bekämpft werden“, so Merkel. Bei letzterem Punkt, der von Trumps Seite kam, räumte die Kanzlerin ein, dies läge bezüglich des Stahlmarkts auch im deutschen Interesse.

Deutsch-amerikanische Arbeitsgruppe

Auch die „Handelsüberschüsse der Deutschen“ finden sich im Abschlussdokument des G7-Gipfels wieder: „Exzessive Ungleichgewichte“ seien zu verringern. Zudem soll eine deutsch-amerikanische Arbeitsgruppe die Handelsfragen tiefer erörtern und laut Merkel „zu spezifischeren Positionen kommen“.

Will die Bundesregierung mit dieser Arbeitsgruppe das Verständnis des US-Präsidenten für das deutsche Export-Übermaß fördern? So scheint es. Zu Gründen des Überschusses zählt z. B., dass nicht Deutschland den Ölpreis und den Eurowechselkurs bestimmt und dass in puncto Export ein großer Teil der Wertschöpfung nicht aus unserem Land, sondern aus anderen EU-Ländern kommt. Außerdem ist ein Punkt, dass Deutschland weit mehr in Amerika direkt investiert als die USA hierzulande. Und nicht zuletzt darf angeführt werden, dass deutsche Produkte einen besonders guten Ruf in aller Welt genießen.

Unbestreitbar ist die USA als größter Exportkunde Deutschlands enorm wichtig für unser Land – dennoch scheint diese Handelsbeziehung im Umbruch zu sein.

Foto: Fotolia.com - Grand Warszawski

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