Die Entwicklung der deutschen Baubranche in den letzten Jahren

Die Baubranche war in den letzten Jahren zahlreichen Veränderungsprozessen unterworfen. Neben positiven Entwicklungen wie einer gesteigerten Effizienz durch die Digitalisierung kam es auch zu negativen Entwicklungen wie einer massiven Verteuerung der Baumaterialien. Wer heutzutage Bauprojekte plant, muss viele verschiedene Faktoren wie die Niedrigzinspolitik der EZB oder die Entwicklung der Corona-Pandemie in den Blick nehmen. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die verschiedenen Entwicklungen in der Baubranche in den letzten Jahren und hilft dabei, sinnvolle Entscheidungen zu treffen und die eigene Bauplanung auf solide Füße zu stellen.

Investitionen in die deutsche Baubranche

Rund um die Jahrtausendwende hatte die Baubranche eine Baurezession zu verkraften. Zwischen den Jahren 1995 bis 2005 sanken die Bauinvestitionen kontinuierlich ab. Danach fand zunächst eine leichte Erholung statt, die sich in den letzten Jahren immer weiter verstetigt hat. Zwischen 2009 und 2011 stiegen die Bauinvestitionen wieder an und seit 2015 ist eine deutliche Steigerung zu erkennen. Die Baubranche erholt sich kontinuierlich und ist fast wieder auf dem Niveau der Mitte der 1990er Jahre, als die Investitionen am größten waren.

Erstaunlich ist, dass trotz der Baurezession die Bauinvestitionen je Einwohner relativ konstant geblieben sind. Der Höhepunkt wurde im Jahr 1995 mit rund 430.000 Euro an Investitionen erreicht und der Tiefpunkt lag im Jahr 2005 bei etwas mehr als 300.000 Euro an Investitionen. In diesem Spektrum haben sich die Bauinvestitionen gehalten und lagen durchschnittlich bei etwa 350.000 € je Einwohner.

Die Digitalisierung gewinnt an Bedeutung

Eine weitere Entwicklung innerhalb der Baubranche, die sich in den letzten Jahren deutlich gezeigt hat, ist eine Hinwendung zur Digitalisierung. Das zeigt sich beispielsweise an der Auftragsgewinnung. Moderne Bauunternehmen suchen auf digitalen Wegen passende Ausschreibungen und Aufträge beim Informationsdienst ibau. Hierdurch haben sie die Möglichkeit, sich selbst im besten Licht darzustellen und gezielt gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Es gibt aber noch viele weitere Bereiche, in denen die Digitalisierung der Baubranche voranschreitet. So werden beispielsweise ERP- und CRM-Systeme für eine optimale Datennutzung eingesetzt und über eine digitale Gebäudeplanung ist es möglich, den Workflow zu verbessern. Immer mehr Unternehmen setzen auf die Robotik und auch Blockchain-Technologien spielen beispielsweise bei Vertragsabschlüssen eine wichtige Rolle. Weiterhin kommen smarte Tools für das Projektmanagement zum Einsatz und die Virtual Reality ermöglicht eine gesteigerte Sicherheit auf Baustellen.

Eine gute Auslastung der Baumaschinen

Ein Indikator, um die Situation und Gesundheit der Baubranche einschätzen zu können, ist die Auslastung der Baumaschinen. Diese lag im Jahr 2020 bei durchschnittlich 77,9% und erreicht somit fast den Höchstwert von 2018, als eine Auslastung von 78,8% erreicht wurde. Im Jahr 2019 lag der Wert noch bei 78,6%. Trotz der vergleichsweise schwierigen Situation am Markt, die beispielsweise durch die Corona-Pandemie und die Niedrigzinspolitik der EZB verursacht wird, ist die Auslastung der Maschinen recht gut.

Allerdings ist zu beachten, dass es in Bezug auf die Auslastung der Baumaschinen abhängig von der Region oder dem Gewerbe starke Unterschiede geben kann. Das Ifo-Institut gibt allerdings lediglich die Zahlen für den Hoch- und Tiefbau heraus. Wer genau wissen will, wie es um die einzelnen Branchen bestellt ist, muss sich folglich mit der Auslastung in bestimmten Segment beschäftigen oder regionale Schwerpunkte setzen.

Bauprojekte werden grüner

Der Umweltschutz ist endgültig in der Baubranche angekommen, wobei grüne Technologien aus Deutschland besonders populär sind. Heutzutage gehört es zu effizienten Bauprojekten dazu, Umweltschutzmaßnahmen zu ergreifen und ökologische Faktoren bei der Gebäudeplanung zu berücksichtigen. Dies ist einerseits ein Qualitätsmerkmal, mit dem man sich von der Konkurrenz abheben kann, und andererseits werden viele Umweltauflagen staatlich vorgegeben.

Umweltaspekte spielen sowohl bei öffentlichen Gebäuden als auch bei privaten Immobilien eine wichtige Rolle. Beispielsweise legen Bauherren heutzutage großen Wert darauf, eine hochwertige und nachhaltige Dämmung zu bekommen, um Energien effizient ausnutzen zu können. Außerdem spielen Photovoltaik-Anlagen bei immer mehr Bauprojekten eine wichtige Rolle. In diesem Bereich sind zwar häufig erst einmal Investitionen nötig, diese amortisieren sich aber häufig schon nach wenigen Jahren.

Der Einfluss der Niedrigzinspolitik auf die Baubranche

Seit einigen Jahren betreibt die EZB eine Niedrigzinspolitik. Hiermit möchte sie die Eurozone stabil halten und frisches Geld in den Markt bringen. Privatleute und Unternehmen sollen zu Investitionen animiert und Banken dazu gebracht werden, mehr Kredite zu vergeben. Dies schlägt sich nicht zuletzt in der Baubranche nieder. In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Immobilien stark gestiegen. Immer mehr Menschen haben ein Interesse daran, von den kontinuierlich steigenden Mietpreisen unabhängig zu werden und ihr eigenes Haus zu bauen. Hierfür nutzen viele die günstigen Kredite, die es aktuell am Markt gibt. Entsprechend war die Auslastung in den letzten Jahren sehr groß und es konnten zahlreiche Immobilienprojekte realisiert werden.

Der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Baubranche

Die Corona-Pandemie hat die positive Entwicklung in der Baubranche deutlich verlangsamt. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass die Logistikketten durch die Pandemie massiv beeinträchtigt sind. Es ist in vielen Bereichen nur noch schwer oder gar nicht mehr möglich, bestimmte Materialien oder Komponenten zu bekommen. Hierdurch verzögern sich Bauprojekte oder werden deutlich teurer.

Hinzu kommt, dass die Corona-Pandemie die Nachfrage nach Immobilien gedämpft hat. Viele Menschen sind sich unsicher, wie die nächsten Jahre weitergehen werden, und nehmen deswegen keine größeren Projekte in Angriff beziehungsweise Investitionen vor. Entsprechend sind Einbrüche bei den Aufträgen im Jahr 2021 zu verzeichnen. Abhängig davon, wie sich die Corona-Pandemie in den kommenden Monaten entwickelt und wie schnell wieder eine Art Normalzustand erreicht wird, kann der Aufschwung der Baubranche weitergehen.

Fazit

Grundsätzlich hat sich die Baubranche in den letzten Jahren positiv entwickelt. Die Auftragsbücher waren im letzten Jahrzehnt wieder gut gefüllt und dank digitaler Technologien war es möglich, besonders effizient, sicher und ressourcensparend zu arbeiten. Die Ökologie gewinnt immer mehr an Bedeutung bei Bauprojekten und dank der Niedrigzinspolitik der EZB steht viel Geld zur Verfügung, das in Bauvorhaben investiert werden kann. Allerdings hat die Corona-Pandemie zu einigen Unsicherheiten geführt. Es muss sich erst zeigen, wie sich die Wirtschaft weiterentwickelt, bevor prognostiziert werden kann, wie ist mit der Baubranche weitergehen wird.

Bildnachweis: Shutterstock.com / Mapman/Große Baustelle mit Baukranen als Panorama-Hintergrund; Bannafarsai_stock/Ein Bauarbeiter steuert eine Pumpe aus gießendem Beton auf Baustelle und Sonnenuntergang; Juan Enrique Barrio/Gruppe von Baggern, die an einer Baustelle arbeiten

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