Elektromobilität
„Made in Germany“?

Was die öffentliche Meinung zur Stellung Deutschlands im Bereich der Elektromobilität betrifft, sind sich die Kommentatoren größtenteils einig: Das Land hat einen der wichtigsten Zukunftstrends verschlafen und rangiert heute in diesem Sektor unter der Rubrik „Ferner liefen…“. Das betrifft nicht nur elektrisch angetriebene Fahrzeuge selbst, von denen Tesla mit einer Wochenproduktion von mehr als 7.000 Fahrzeugen schon allein zigfach mehr produziert als alle deutschen Automobilhersteller zusammengenommen. Auch im Bereich der Zulieferer, die sich auf Batterien und Antriebsstränge spezialisiert haben, sieht die derzeitige Lage nicht gerade rosig aus: Hier spielte Deutschland bzw. Europa als Produktionsstandort bisher keine nennenswerte Rolle. Kamen die Akkumulatoren vor einigen Jahren zum größten Teil noch aus Japan und Südkorea (Panasonic, Samsung, LG), so dominiert heute China mit fast zwei Dritteln Anteil am Weltmarkt das Geschäft. Doch auch Tesla hat mit einer neuen Batteriefertigung in den USA wieder etwas Boden gut gemacht.

Behäbiges Europa

Auf dem „Alten Kontinent“ ist aufgrund dieser Entwicklungen und der Befürchtungen von Politikern und Gewerkschaftsvertretern, sich in punkto Batterietechnik zu sehr vom Ausland abhängig zu machen und den technologischen Anschluss bei dieser Schlüsseltechnologie zu verlieren, eine hektische Betriebsamkeit festzustellen. So wollen nicht nur die EU, sondern auch die deutsche Regierung mit Subventionen in Milliardenhöhe sicherstellen, dass auch hierzulande endlich eigene Fertigungsstätten für die heiß begehrten Energiespeicher aufgebaut werden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat hierzu bereits Gespräche mit dem Nachbarland Polen geführt. In der Braunkohleregion Lausitz sowie auf der angrenzenden polnischen Seite soll so nach dem Willen der Bundesregierung ein zentraler Standort der europäischen Batterieproduktion entstehen. Wann und ob diese Pläne jedoch in die Tat umgesetzt werden, steht derzeit noch in den Sternen.

Kooperationen kommen langsam in Fahrt

Schließlich bemühen sich noch einige Unternehmen im Automobilsektor um den Aufbau einer eigenen Batteriefertigung. Vorne mit dabei ist Continental. Der Automobilzulieferer hat mit dem chinesischen Hersteller von Batteriezellen CITC ein Joint Venture für die Entwicklung und Produktion von entsprechenden Systemen gegründet. Auch Volkswagen hat seine Fühler ausgestreckt und Ende März eine Forschungskooperation mit dem von zwei ehemaligen Tesla-Managern gegründeten Unternehmen Northvolt mit Sitz in Schweden bekannt gegeben. Doch bis alle diese Bemühungen Früchte tragen, wird es noch einige Jahre dauern. Ob bereits, wie von der deutschen Regierung gewünscht, 2021 die ersten Batterien aus Europa von den Bändern laufen werden, darf daher bezweifelt werden.

E-Mobilität im Nutzfahrzeugbereich „Made in Aachen“

Was die Anwendung von praxistauglichen Alternativen zum Dieselantrieb angeht, ist die Deutsche Post-Tochter StreetScooter mit Sitz in Aachen hervorragend aufgestellt: Sie produziert seit 2014 elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge, die mittlerweile nicht nur als Zustellfahrzeuge für DHL unterwegs sind, sondern auch in vielen Kommunen und Handwerksbetrieben täglich ihren Dienst tun. Dabei haben die mehr als 9.000 im Einsatz befindlichen Fahrzeuge bereits über 40 Millionen Kilometer zurückgelegt und sparen jährlich mehr als 26.000 Tonnen CO2 ein. Ein guter Anfang für eine neue Erfolgsgeschichte aus deutschen Landen im Bereich E-Mobilität, oder?

Photo by Alex Suprun on Unsplash

Kommentare (1)

Manfred

Warum arrangieren sich VW nicht mit dem größten Batterie-Hersteller der Welt mit BYD in China ???

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