Bleibt „Made in Germany“ ein Fels in der Brandung?

So wie schon im Vorjahr läuft es auch 2017 bisher gut für „Made in Germany“. Export, Konsum und andere Bereiche zeigen eine stabile Lage. Ein Fels in der Brandung ... Dennoch warnen Experten vor Turbulenzen, vor allem aufgrund der Einflüsse vonseiten unserer großen Handelspartner in der Welt. Kann die deutsche Wirtschaft sich weiterhin behaupten?

Deutschland geht es gut. Angespornt von kräftigen Investitionen, dem Konsum der Menschen und der florierenden Ausfuhr stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2017 um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal, so das Statistische Bundesamt. Im März dieses Jahres erreichte der Export sogar den höchsten Monatsstand seit 1950.

Alles gut bei Arbeit und Konsum

Der hiesige Arbeitsmarkt gibt ein positives Bild ab. Und da die Zinsen niedrig liegen, sind die Deutschen bei guter Kauflaune. Laut Konsumforschern trauen die Verbraucher dem Aufwärtstrend. Daher gaben die privaten Haushalte den Experten zufolge in jüngster Zeit etwas mehr aus.

Zudem entwickelte sich „Made in Germany“ zu Jahresbeginn auch aufgrund der milden Witterung gut. Die Investitionen beim Bau stiegen deutlich. Außerdem steckten Firmen mehr Geld in Maschinen und andere Anlagen. Sowohl der schwache Euro als auch die Erholung der Weltwirtschaft befeuerten den Export.

Viele Experten sind sich daher einig: Trotz global schwankender politischer Lage behauptet sich „Made in Germany“ im internationalen Vergleich. „Die starke Binnennachfrage hat Deutschlands Wirtschaft gegen die meisten äußeren Risiken abgeschirmt“, sagt ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Prognosen führender Banken

So bewertet auch Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau die Lage positiv und äußert, dass die exportorientierte deutsche Wirtschaft auch in bewegten Zeiten grundsätzlich gut positioniert sei. Laut Prognose des führenden Geldinstituts zu Beginn 2017 wird die hiesige Wirtschaft in diesem Jahr rund 1,1 Prozent wachsen – die etwas verhaltene Prognose basiert teils auf der reduzierten Zahl an Arbeitstagen in 2017.

Mehr Zuversicht zeigte Anfang dieses Jahres die Bundesbank. Sie sagte 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum für 2017 voraus. „Hauptstütze ist die lebhafte Binnennachfrage, die von der günstigen Arbeitsmarktlage und von steigenden Einkommen der privaten Haushalte profitiert", so Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

Commerzbank und BDI äußern Bedenken

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer vertritt einen kritischeren Standpunkt: „Man sollte sich bewusst sein, dass es unter der glänzenden Oberfläche des konsumgetriebenen Aufschwungs zu immer mehr Fehlentwicklungen kommt". Zum Beispiel ziehe die Bundesregierung die von Erfolg gekrönten Arbeitsmarktreformen des ehemaligen Kanzlers Gerhard Schröder (SPD) zurück. Außerdem zeichneten sich an den deutschen Immobilienmärkten längerfristig Blasen ab, "deren Platzen große Schäden anrichten können".

Im Bereich Export ist ungewiss, wie es aufgrund der aktuellen Entscheidungen aus den USA weitergeht. Sicher, die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ ist in jüngster Zeit stetig gewachsen. Doch möglich ist auch, dass die Handelsbarrieren der Trump-Regierung die starke Ausfuhr unseres Landes dämpfen. Für den Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, sind die wirtschaftspolitischen Vorhaben des US-Präsidenten beunruhigend. Kempf bewertet es zudem als falsch, anzunehmen, man könne in unserem Jahrhundert durch das Hochziehen nationaler Grenzen gewinnen.

Nach wie vor könnte der schwächere Euro nach Meinung von Experten negative Entwicklungen zu einem gewissen Grad abbremsen. Denn diese Währungssituation macht deutsche Waren in Dollar-Ländern erschwinglich und beliebt. Jedoch drohen auch zum Beispiel vonseiten Großbritanniens Turbulenzen aufgrund des Ausstiegs des Landes aus der Europäischen Union (Brexit). Kempf resümiert: „Angesichts der weltpolitischen Unsicherheit, die unsere Wirtschaftsnation besonders gefährdet, ist künftiges Wachstum alles andere als selbstverständlich."

 

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