Hightech Made in Germany: wahre Stärke im Mittelstand

Die Erwartungen an den Spitzentechnologiesektor sind groß. In der Vergangenheit haben Überbewertungen zu einer Krise geführt: zur Dotcom-Blase. Es gibt jedoch zahlreiche Unternehmen in Deutschland, die den Hightech-Anspruch mehr als erfüllen.

Der deutsche Bund hat den Bereich der Mikroelektronik bereits 2011 als Schlüsseltechnologie benannt, seither profitiert dieser von entsprechender Förderung. Zahlreiche Institute arbeiten an der Entwicklung von integrierten elektronischen Schaltungen, geprägt von einer hohen Dichte der winzigen Bauelemente. Vor zwei Jahren ist die größte Forschungskooperation zur Mikroelektronik (FMD) in Frankfurt/Oder gestartet. Eines ihrer Ziele ist die enge Zusammenarbeit mit dem verarbeitendem Gewerbe. Kunden aus Großindustrie, kleine und mittlere Unternehmen sowie Universitäten erhalten über die rund 2.000 wissenschaftlichen Mitarbeiter Zugriff auf die gesamte Wertschöpfungskette der Mikro- und Nanotechnologie. 

Hidden Champions der Hochtechnologien

Einer der vier Kernbereiche erforscht Verbindungshalbleiter, die aus modernen Materialien bestehen und in Energiespar- und Kommunikationstechnik eingesetzt werden. Das sächsische Unternehmen, gleichzeitig Hidden Champion, Freiberger Compound Materials hat sich in diesem Bereich weltweit einen Namen gemacht. Die Firma ist spezialisiert auf halbleitende und halbisolierende Galliumarsenid-Substrate. Von der ersten Synthese über die Kristallzüchtung bis zur mechanischen Bearbeitung und Entreinigung erfolgen alle Arbeitsschritte in Deutschland. Die daraus entstehenden Erzeugnisse nennt man Wafer; sie finden ihre Anwendung in Mobiltelefonen, Wi-Fi, Radarsystemen, Kfz-Elektronik sowie in Verkehrsleit- und TV-Systemen. Das Unternehmen übernimmt auch soziale Verantwortung, indem es ein innovatives Verfahren für das Recycling von Gallium entwickelt hat.

Die Wegmann-Gruppe ist in drei Geschäftseinheiten unterteilt, die jeweils Innovationen vorantreiben. Alle Einheiten verbindet die Produktion nach höchsten Qualitätsstandards mit dem Gütesiegel Made in Germany. So gewährleisten die Produkte und Services von Schleifring den zuverlässigen und rentablen Transfer von Energie, elektrischen Signalen, Daten und Medien. Für den deutschen Marktführer ist es dabei unerheblich, ob der Transportweg an Land, zu Wasser, in der Luft oder im Weltraum zurückgelegt werden soll. Krauss-Maffei Wegmann versorgt Streitkräfte aus mehr als 50 Ländern mit Technologien rund um geschützte Rad- und Kettenfahrzeuge. 

Als dritten Geschäftsbereich deckt Wegmann Automotive den Zuliefermarkt für Autoteile ab. Der Weltmarktführer in Auswuchtgewichten und Batteriepolhüllen findet sich in zwei von drei Automobilen. Wegmann besteht seit 1882, mit Sitz in Kassel und war ursprünglich im Waggonbau tätig. Die Konzernkultur beruht auf einer stetigen Neuerfindung des eigenen Selbstverständnisses, kombiniert mit einer starken Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kunden. 

Wachsendes Segment in stagnierender Branche

In der deutschen Textilindustrie zeigt sich seit den Siebzigerjahren ein Strukturwandel. Globale Lieferketten haben zunehmend die inländische Produktion ersetzt. Insgesamt ist sowohl die Zahl der Betriebe als auch die der Beschäftigten rückläufig. 2017 betrug der Einfuhrüberschuss rund 15 Milliarden Euro. Ein Segment kann sich jedoch dem allgemeinen Trend widersetzen und verzeichnet ein deutliches Wachstum in dem wenig dynamischen Umfeld. Technische Textilien erfüllen keinen dekorativen Zweck, sondern stellen ihre Funktionalität zentral. 

Beispielhaft dafür sind Stoffe für Zelte und Sicherheitsgurte, Schutzbekleidung, Krankenhaustextilien und Dämmstoffe. In diesem Bereich ist Deutschland Weltmarktführer. Rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet die Textilindustrie mit technischen Produkten. Bis 2011 hat die Sparte enorme Wachstumsraten erzielt und ihren Umsatz auf rund 2,7 Milliarden Euro gesteigert. Die Konkurrenz aus Fernost führte schließlich zur Abschwächung des Booms, 2017 lag der Umsatz bei 2,9 Milliarden Euro. 

Der Stoff, aus dem Spitzentechnologien sind

Die Medizintechnik bietet vielfältige Anwendungsbereiche, beispielsweise durch antibakterielle Bekleidung oder heilende Verbände. Im Fahrzeugbau kann kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (CFK) das Gewicht eines Airbus im Gegensatz zur Verwendung herkömmlicher Materialen um rund 25 Prozent verringern. Der Bausektor profitiert von Beton, verstärkt mit flexiblen Textilien anstelle von Stahl verstärkt. Aktuell geht der Trend zu „Smart Textiles“. Die intelligenten Stoffe übertragen Energie mittels Farbstoffen und speichern Daten. Elektrisch beheizte Textilien produziert die ITP GmbH aus Chemnitz.

Diese Technologie verwenden Firmen unter anderem in Fahrzeugfußmatten, die über den Zigarettenanzünder funktionieren. Auch bei Röntgenuntersuchungen bietet das Heiztextil Vorteile. Denn das Material verfälscht das Röntgenbild nicht, da das Edelstahl-Filament von den Strahlen nicht erfasst wird. Weiterhin verfolgt das Unternehmen mit der elektrodenlosen Elektrotherapie einen neuen Ansatz bei der Stimulierung des menschlichen Körpers. Nach dem Generatorprinzip wird ein elektrisches Feld erzeugt, dass aufgrund der guten Leitfähigkeit von strömendem Blut und Nervenfasern zu einem umfassenden Stromfluss führt. Auf diese Weise können gezielt Veränderungen an Herz-Kreislaufgrößen vorgenommen werden. 

Hightech aus Deutschland ist mittelständisch

Die Studie Rebooting Europe’s High Tech Industry von A.T. Kearney (1) aus dem Jahr2016 nennt unter den Top-100-Hightech-Unternehmen lediglich acht mit europäischem Sitz. Die Anzahl an sich sinkt zwar, dafür haben sich die Verbleibenden strategisch gut ausgerichtet und sind stärker als zuvor. T-Systems, Tochtergesellschaft der deutschen Telekom, findet sich als erstes Unternehmen aus Deutschland in dem Ranking. In der Kategorie IT Services ist der Dienstleister von Platz zwölf auf 17 gefallen. SAP bleibt unverändert das viertbeste Software-Unternehmen. Damit ist Deutschland lediglich durch zwei Firmen unter den 100 Besten vertreten. Im vorherigen Ranking konnte Telekommunikationsanbieter Nokia in seiner Sparte noch auf dem dritten Platz überzeugen, bis ihn 2015 Microsoft übernahm.

Dabei wird deutlich, dass die deutsche Innovationskraft im Mittelstand verankert ist. So ist auch der Maschinenbau zu einem starken Sektor herangewachsen. Angetrieben wird die anhaltend positive Entwicklung von der mittelständischen Innovationskraft. Von den mehr als 6.000 Unternehmen in der Branche beschäftigen 64 Prozent weniger als 100 Mitarbeiter. Sie fertigen hochspezialisierte Hightech-Anlagen, die weltweiten Absatz finden. 

Dazu gehört auch die Firma Schunk aus Lauffen am Neckar. Der Weltmarktführer für Greifsysteme und Spanntechnik produziert am eigenen Standort. In Kooperation mit der Schnaid Electronics GmbH hat das Unternehmen hocheffiziente Nutzentrenner zum Herauslösen von Platinen entwickelt, die bei der Herstellung von Elektronikartikeln jeglicher Art von großer Bedeutung sind. Die Anlagen ermöglichen eine Fräsgenauigkeit von 0,1 Millimeter. Dies entspricht in etwa dem Durchmesser eines menschlichen Haares.

Deutschland steht in vielen Hightech-Bereichen an der Spitze, dabei ist die Vielfalt im Mittelstand einzigartig auf der Welt. Doch auch andere Länder bauen ihre Kompetenzen aus, ebenso wachsen die Erwartungen an die Wirtschaftskraft der deutschen Hochtechnologien. 

1) https://it-rebellen.de/2016/02/19/europaeische-hightech-industrie-verliert-an-boden-top-unternehmen-sind-jedoch-staerker-als-zuvor/

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