Landwirtschaft: So geht Digitalisierung auf dem Acker

Ist von Digitalisierung die Rede, denken die wenigsten auch an die Landwirtschaft. Dabei schreiten die digitale Entwicklung und Vernetzung in landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland mit großen Schritten voran.

Schon lange bestehen die modernen Lösungen nicht mehr nur aus automatisierten Melkrobotern oder vernetzten Messinstrumenten. Auch der ferngesteuerte Traktor ist beinahe nichts Neues mehr.

Digitalen Fortschritt sinnvoll nutzen

Über den Acker fahren vierrädrige Roboter. Sie scannen den Untergrund, ab und zu zerstören sie Pflanzen. Das Ganze ist weder Science-Fiction, noch ist es Willkür, die hier waltet. Denn die Roboter sind auf bestimmte Unkräuter und Schädlingspflanzen programmiert, die sie im Auftrag des Landwirtes erkennen und beseitigen. 

Was nach Zukunftsmusik klingt, ist auf deutschen Äckern bereits Realität. Die Digitalisierung hat ihren Weg in die konventionelle Landwirtschaft gefunden. Drohnen kommen zum Einsatz, um über Maisfeldern die Eier von Schlupfwespen abzuwerfen. Die geschlüpften Insekten fressen die für die Nutzpflanzen schädlichen Raupen. Natur und digitaler Fortschritt arbeiten hier Hand in Hand.

Gemeinsame Ackerbaustrategie für mehr Nachhaltigkeit

Obwohl moderne Landwirte deutlich mehr Zeit im Büro verbringen als ihre Vorgänger es taten, sind sie näher dran am Geschehen auf ihren landwirtschaftlichen Flächen. Denn über ihre Computerbildschirme erfahren sie, wie schnell und üppig ihre Nutzpflanzen wachsen, wie es sich mit der Beschaffenheit des Bodens verhält und ob sie Dünger ausbringen müssen. 

Das digitale Zeitalter brachte auch der Landwirtschaft eine Revolution, die voll im Gange ist. Der Deutsche Bauernverband, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, der Raiffeisenverband, Landwirtschaftskammern sowie der Zentralverband Gartenbau wollen mit ihr nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger werden. Dies ist das erklärte Ziel einer gemeinsam entwickelten „Ackerbaustrategie“.    

Ideen zum Pflanzenschutz und modernen Ackerbau

Im Strategiepapier dazu heißt es, man müsse die „Digitalisierung nutzen“, um beispielsweise den Einsatz von Spritzmitteln zu verringern. Die Böden sollen dank der Instrumente der Zukunft weniger Schadstoffe abbekommen, die Treibhausgasemission verringert und die Düngung exakter auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt werden, so der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Ebenfalls wolle man die Biodiversität fördern und die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen, ohne die Wirtschaftlichkeit der Betriebe aus den Augen zu verlieren. Ideen dazu gibt es einige. Sie kommen von den Landwirten und beinhalten etwa Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz.

Zudem will auch die Bundesregierung in naher Zukunft eine Ackerbaustrategie entwickeln. So steht es zumindest im Koalitionsvertrag. Diese soll vor allem den Umweltschutz vorantreiben, denn hohe Nitratwerte im Grundwasser und das Insekten- und Vogelsterben haben in jüngster Vergangenheit Umweltschützer und Politiker alarmiert. Das Strategiepapier der deutschen Spitzenverbände kommt der Politik somit nur zuvor. 

Autonomes Fahren ist längst Alltag

Im Alltag deutscher Landwirte soll sich laut Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) noch deutlich mehr in Sachen Digitalisierung tun: mehr Hightech, mehr Automatisierung. Dabei sind vollautomatische Fahr- und Lenksysteme im Ackerbau bereits Standard. Leichter als für das komplexe Verhalten im Straßenverkehr lässt sich für die Düngung eines Ackers exakt am Computer einstellen, dass der Traktor die Düngestreuer Reihe für Reihe und schnurgrade hinter sich herzieht und am Ende wendet. Das spart nicht nur Zeit, Arbeitskraft, Diesel und Geld, sondern auch Dünger und schont somit den Boden. Denn wo früher nach dem Gießkannenprinzip gedüngt wurde, erfolgt dies heute auf den Punkt und nach Bedarf. 

Bei einem Verbrauch von etwa einem Kilogramm Erdöl pro Kilogramm Stickstoffdünger in der Herstellung ist dieses sogenannte Precision Farming alles andere als unerheblich. Ziel ist es, den Verbrauch von Dünger und Ackergiften zu verringern und gleichzeitig den Ernteertrag zu erhöhen. Auch der Begriff des Smart Farmings taucht immer öfter in den Protokollen auf. Er bezieht sich auf die bereits standardmäßig eingesetzte Informations- und Datentechnologie für die Optimierung komplexer Systeme. 

Digitaler Wandel sichert landwirtschaftliche Existenzen

Der Fortschritt der Digitalisierung in der Landwirtschaft sucht seinesgleichen und übertraf die Automobilindustrie bereits im Jahr 2015 um ein Dreifaches. 30 Prozent der Wertschöpfung bei Landmaschinen entfielen damals weltweit auf Elektronik, Software und Sensorik. 

Für Umwelt und Landwirte ist ein funktionierendes digitales Konzept unabdingbar. Nachhaltig, ressourcenschonend und effizient muss digitalisierte Landwirtschaft sein. Doch Bauernpräsident Joachim Rukwied weist darauf hin, dass die Digitalisierung auch in Zukunft nicht alles sei, was die Existenz eines Landwirts sichert. Im Umgang mit der Natur müsse das Gespür für Wetter, Pflanzen und Böden vorhanden sein. Erfahrungen lassen sich bei einer Maschine eben nicht programmieren.

Netzausbau auf dem Land fehlt

Ein besonderes Augenmerk bei der digitalen Ackerbaustrategie gilt auch kleineren Betrieben. Hinsichtlich der teils immens hohen Investitionskosten werden überbetriebliche Kooperation immer relevanter. Einige Landesverbände, wie der Landesverband der Maschinenringe e.V., versorgen Bauern mit gemeinsamen Maschinenleistungen. 

Doch auch Dienstleister beraten bei Digitalisierungs-Fragen oder bieten individuelle Lösungen für kleine Betreibe an. Dabei kommt zur Sprache, was der Betrieb braucht und leisten kann; seine Möglichkeiten werden analysiert und schließlich alle Daten digitalisiert. Mithilfe des Landwirtes können individuelle Maßnahmen zur Automatisierung seines Betriebes ergriffen und jederzeit korrigiert werden. 

Ein Manko, das jedoch so manchem landwirtschaftlichen Betrieb bei der Agrarwirtschaft der Zukunft im Wege steht und wohl nur seitens der Politik zu beheben ist, ist das in ländlichen Regionen häufig mangelhafte Breitbandnetz. Ohne dessen Ausbau nutzt all die moderne Computertechnik den Bauern nur wenig.

Foto: Pixabay

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