Mittelständische Unternehmen

Wissenschaft widmet sich Weltmarktführern

Hidden Champions bringen Großprojekte voran oder erfinden innovative Produkte – ohne große Show, wie teilweise von Wirtschaftsgiganten bekannt. Möglicherweise aufgrund des verborgenen Erfolgs befassten sich Hochschulen bisher wenig mit diesen mittelständischen Unternehmen. Das ändert die European School of Management and Technology: Sie gibt Hidden Champions ein akademisches Zuhause.

Sie leuchten im Verborgenen – diese Aussage trifft auf die Hidden Champions zu. Dennoch gelten diese mittelständischen Unternehmen, die meist Weltmarktführer in ihrer Branche sind, als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. In der Wissenschaft spielten diese Firmen bis vor kurzem eine untergeordnete Rolle. Doch das ändert sich jetzt: Seit Herbst 2017 setzt sich die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin für die Weltmarktführer aus dem deutschen Mittelstand ein – sie gründete das erste Hidden Champions Institute (HCI) der Welt. Dort sollen praxisorientierte Forschung, Weiterbildung sowie der Diskurs zwischen den Hidden Champions, der Wissenschaft, der Politik und der Gesellschaft zusammenfließen. In dieser akademischen „Arena“ stellen sich Dozenten, Experten und Weiterbildungsteilnehmer Fragen wie: Weshalb agieren die „versteckten Gewinner“ so erfolgreich? Was macht ein mittelständisches Unternehmen zum Weltmarktführer, während ein anderes dies nicht erreicht?

Im weltweiten Vergleich stammt bislang gut die Hälfte, über 50 Prozent, der Hidden Champions aus Deutschland. Ein beachtlicher Vorsprung – wie dieser entsteht, kommentiert Sabine Rau, Gründungsdirektorin des HCI: „Das liegt zum einen an einer exzellenten Ausbildung in Deutschland, an einer klaren technischen Orientierung. Es liegt aber letztlich zum Beispiel auch daran, dass bestimmte politische Rahmenbedingungen die Hidden Champions nicht hindern, wie das in anderen Ländern der Fall ist." In Italien z. B. erschwert das Arbeitsrecht das Wachstum von Firmen ab 20 Mitarbeitern. In Frankreich setzt das Erbschaftssteuerrecht Grenzen beim Vererben größerer Betriebe. 

Was bringt das Institut den mittelständischen Unternehmen?

Das Anliegen des HCI ist, die Bedingungen für Hidden Champions hierzulande weiter zu verbessern. Und es widmet sich der Aufgabe, diese führenden mittelständischen Unternehmen und solche, die noch in diese Liga aufsteigen, bei den Herausforderungen durch den aktuellen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft zu unterstützen. Derzeit geben Digitalisierung und Industrie 4.0 zunehmend den Takt vor. Das Berliner Institut strebt auf diesem Hintergrund an, Firmen in die Lage zu versetzen, in umkämpften, internationalen Märkten Wettbewerbsvorteile für sich zu sichern. Als ein Angebot stehen Weiterbildungen für Management und Unternehmen auf der Agenda des HCI. Zudem richtet die Hochschule Netzwerkangebote an die Weltmarktführer. Schließlich steht das Management solcher Firmen meist vor größeren Anforderungen als das durchschnittliche mittelständische Unternehmen, und da hilft der Austausch beim Lernen, wie Sabine Rau betont. In diesem Sinne ist eine jährliche CEO-Konferenz in Planung.

Beirat aus Wirtschaft und Wissenschaft

Alexander Knauf, geschäftsführender Gesellschafter der Knauf Gips KG – eines Hidden Champion mit Hauptsitz im fränkischen Iphofen – fungiert als Vorsitzender des Beirats der HCI. Für ihn grenzen sich die nischenstarken Mittelständler von Großunternehmen ab, und deshalb muss für ihn die akademische Ausrichtung anders aussehen. „Diese Unternehmensgattung tickt anders, denkt anders und benötigt auch anders qualifizierte Mitarbeiter. Meine Erfahrung ist, dass die Lehre an den meisten Hochschulen oft zu allgemeingültig aufgebaut ist und eher zu Großunternehmen passt. Es fehlen die Besonderheiten, die die DNA von Hidden Champions ausmachen. Das HCI muss die echten Stellhebel für den außerordentlichen Erfolg von Hidden Champions erfassen und die Absolventen der Hochschule auf eine Karriere in einem solchen mittelständischen Marktführer vorbereiten“, so Knauf.

Darüber hinaus wünscht sich der emeritierte Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater Hermann Simon, der den Begriff Hidden Champions prägte und ebenfalls im Beirat des Instituts sitzt, dassdas HCI die Strategieebene der Firmen mit der Führungsebene verknüpft. Im Fokus sieht Simon die Bereiche Motivation und Unternehmenskultur. Denn der Erfolg mittelständischer Unternehmen, vor allem der Hidden Champions, verdankt sich nach langjähriger Erfahrung von Simon der ausgeprägten Führungskultur. Die gesamte Belegschaft lebt diese Kultur, und die besondere Atmosphäre kann gedeihen, weil die Geschäftsführer meist viele Jahr oder sogar Jahrzehnte in ihrer Position bei Hidden Champion-Firmen verbleiben. 

So wie es sich darstellt, schafft das HCI einenakademischengeschützten Raum für die Hidden Champions und ihre Belange. Zu erwarten ist, dass das Institut fortan spannende Themen für diese mittelständischen Unternehmen vorantreiben und individuelle Entwicklungswege für sie ebnen wird.

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