Produktpiraterie: Made in Germany aus China

Schon in der Antike kennzeichneten Hersteller ihre Fabrikate mit dem eigenen Namen. Ebenso kam es zum Diebstahl geistigen Eigentums, was das lateinische Wort „plagiarus“ umschreibt, auf Deutsch: Menschenraub. Beim Plagiieren sind die Gewinnmargen hoch. Heute entstehen so weltweit Schäden in Milliardenhöhe. Dabei ist Deutschland ein beliebtes Ziel der Produktpiraten.

Anfang des Jahres stellte die Birkenstock GmbH & Co. KG aufgrund der massiven Anzahl gefälschter Produkte ihren Vertrieb auf der größten Online-Verkaufsplattform Amazon ein. Dennoch finden sich dort bis heute mehr als 3.000 Einträge mit dem Markennamen des Orthopädieherstellers. Seit 1774 setzt Birkenstock in mittlerweile sieben deutschen Standorten auf Qualität Made in Germany und ist damit international erfolgreich. Denn nicht nur hierzulande ist das Siegel ein wirksamer Kaufanreiz. Besonders im Reich der Mitte schätzt man die strengen Regularien und Kontrollen in Deutschland. Hier finden auch die meisten Plagiate ihren Ursprung: Laut OECD stammen weltweit rund 58 Prozent der Fälschungen aus China, 15 Prozent kommen aus Hongkong.

Fehlender Schutz mit Folgen

In China gilt eine Kopie als höchste Form der Anerkennung. Das Nachahmen ist in der fernöstlichen Kultur tief verankert. So lassen sich die komplizierten Schriftzeichen nur durch genaues Betrachten und Imitieren erlernen. Erfolg durch Nachahmung ist somit Teil des chinesischen Bildungssystems und spiegelt sich auch in der Geschäftswelt wider. Innovation bedeutet hier eine modifizierte Nutzung bestehender Technologien. Der Schutz von geistigem Eigentum ist zwar gesetzlich geregelt, die Umsetzung jedoch wenig konsequent.

In der deutschen Wirtschaft ziehen die Fälschungen weitreichende Folgen nach sich. Neben dem verpassten Umsatz ist der Imageschaden durch Qualitätsmängel für die Originalmarken groß. Die Formen der Produkt- und Markenpiraterie sind vielfältig und beschränken sich nicht auf Luxusgüter. Jegliche Warengruppen sind betroffen, auch im mittleren und unteren Preissegment. 

So hat sich die Zahl der Arzneimittelfälschungen in den letzten Jahren vervielfacht. Diese enthalten zu wenige bis gar keine Wirkstoffe und können sogar giftig sein. Die Gefahr besteht nicht nur bei Online-Angeboten, denn immer häufiger erhalten auch Apotheken die gefälschten Medikamente. Ab Februar 2019 tritt die EU-Fälschungsschutzrichtlinie in Kraft. Ein Sicherheitsmerkmal soll dann originale Arzneien verifizieren.

Unternehmer wehren sich

Bei konkretem Verdacht können Rechteinhaber geistigen Eigentums einen Antrag auf Eingreifen der Zollbehörde stellen. Zum gewerblichen Schutzrecht gehören Patente, Markenschutz oder Gebrauchsmuster. Sobald Produkte gegen diese Rechte verstoßen und die Landesgrenze übertreten, können die Zollbeamten handeln. Eindeutige Erkennungshinweise bezüglich des Verstoßes sind allerdings notwendig. So fällt es bei den oftmals detailgetreuen Kopien von Elektrogeräten immer schwerer, Plagiate zu identifizieren. Beschlagnahmte Ware kann der Zoll maximal zehn Tage zurückhalten. 

In dieser Zeit besteht für Inhaber von Rechten die Möglichkeit, gerichtliche Schritte gegen Lieferanten oder Eigentümer einzuleiten. Die Kosten für die Strafverfolgung sind allerdings hoch. Besonders klein- und mittelständische Unternehmen, in Deutschland am häufigsten von Produktfälschungen betroffen, können die strafrechtliche Verfolgung nur selten finanzieren. Viele ergreifen daher selbst die Initiative und setzen auf differenzierte Markenschutzstrategien. 

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