Schlecht gebrüllt, Loewe!

Der letzte seiner Art ist am Ende: Zum 1. Juli 2019 stellt der letzte noch existierende deutsche Fernsehgerätehersteller Loewe die Produktion im oberfränkischen Kronach endgültig ein. Dieser Schritt kostet 500 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze.

Erhalten werden sollen lediglich 10 bis 15 Stellen, um die Abwicklung sicherzustellen. Zwar wird von einem Erhalt der Marke gesprochen, doch eine Rückkehr zur Fertigung in Deutschland ist mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Weder der Finanzinvestor Stargate Capital, der vor einigen Jahren bei dem traditionsreichen TV-Hersteller eingestiegen war noch andere potenzielle Investoren könnten hier weiteres Kapital riskieren wollen. Vielmehr könnte der einst mit Designpreisen überhäuften und technologisch führenden deutschen Spitzenmarke das drohen, was auch schon andere ehemalige Hersteller wie Grundig und Metz hinter sich haben: Die Markenrechte werden verhökert und die Geräte dann zu billigeren Konditionen in Asien gefertigt.

Bauteile kamen aus Asien

Doch auch bei Loewe war zum Schluss der größte Teil des Innenlebens nicht mehr deutschen Ursprungs: Die Bildschirme und andere wichtige Bauteile wurden bei fernöstlichen Herstellern eingekauft und lediglich in Deutschland montiert. So konnte sich das Unternehmen mit dem begehrten Gütesiegel „Made in Germany“ schmücken. Doch leider hat auch diese Strategie nichts mehr genützt: Zu ähnlich waren die technischen Leistungsmerkmale aufgrund der gleichen Bauteile, doch der Preis für ein Loewe-Gerät bewegte sich im Vergleich zu dem der Konkurrenz aus Korea, Japan und China beim Zwei- bis Dreifachen. Kein Wunder, dass in Zeiten eines dank Internet allumfassend informierten Verbrauchers und einem gnadenlosen Preiskampf in den Elektromärkten der vergleichsweise kleine Hersteller Loewe schlechte Karten hatte, diese seit Jahrzehnten tobende Schlacht zwischen europäischen und asiatischen Herstellern für sich zu entscheiden.

Ein langsamer Niedergang

Letzten Endes steht Loewe damit in der bereits erwähnten langen Reihe spektakulärer Aufkäufe, Aufspaltungen, Abwicklungen und Pleiten dessen, was einst die Creme de la Creme der Unterhaltungselektronik ausmachte. Schließlich gehörte Deutschland zu den Pionieren im Bereich der Rundfunk- und Fernsehtechnik und beschäftigte bis in die späten sechziger Jahre hinein viele zehntausend Menschen in Städten wie Augsburg, Nürnberg, Fürth und Kronach.

Die Zukunft liegt woanders

Doch so wehmütig man den alten erfolgreichen Zeiten dieser Hersteller auch nachhängen mag: Die Fertigung dieser im Vergleich zu anderen elektronischen Produkten simpel zu produzierenden Geräten ist in Deutschland einfach zu teuer. Daher ist es nur folgerichtig, dass sich die Produktion dieser Produkte in asiatische Billiglohnländer verlagert. In Deutschland dagegen verbleiben und wachsen Fertigungsstätten der Hochtechnologie. So hat Siemens schon lange seine Unterhaltungselektroniksparte aufgegeben, doch im Bereich der Ausrüstungs- und Investitionsgüterelektronik spielt Deutschland mit seinen hoch qualifizierten Mitarbeitern nach wie vor eine wichtige Rolle für den Konzern. Fazit: Auch wenn der Loewe nun nicht mehr brüllt, ist „Made in Germany“ noch lange nicht am Ende.

Bild von StockSnap auf Pixabay 

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