Selbstständigkeit in Deutschland

Behördengänge vs. Gründergeist?

Sich in Deutschland selbstständig zu machen bedeutet, sich Hals über Kopf in den Behördendschungel zu stürzen. Zur Hemdsärmeligkeit neigende Gründer und Macherpersönlichkeiten tun sich mitunter schwer, weil Gesetze, Regeln, Vorschriften, und Anforderungen ihnen in diesem Prozess Steine in den Weg zu legen scheinen. Ein Blick auf den internationalen Vergleich zeigt, dass die Deutschen zu den Gründungsmuffeln gehören.

Weniger als 5 Prozent der Deutschen im erwerbsfähigen Alter sind selbstständig. Knapp 3 Prozent haben im Schnitt in den letzten zehn Jahren eine eigene Firma gegründet. Ähnlich schwach sieht es in Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland aus. Im Vergleich mit 27 anderen Ländern landet Deutschland auf einem der letzten Plätze. Das ist ein Armutszeugnis, betrachtet man den angeblich herrschenden großen Innovationsgeist, den zumindest die Politik immer wieder heraufbeschwört.

Sicherheit statt Innovation und Gründergeist

Im Rahmen des Amway Global Entrepreneurship Reports wurden 50.861 Personen in 45 teilnehmenden Ländern nach ihrer Einstellung zu Gründungen und Entrepreneurship befragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Deutschland belegt im Gesamtergebnis Platz 40. Das Klima hierzulande ist alles andere als gründerfreundlich: Weniger als zwei Drittel der Befragten stehen dem Unternehmertum generell positiv gegenüber. Nur 27 Prozent könnten sich vorstellen, selbstständig zu arbeiten. Offenkundig herrscht in Deutschland der einhellige Gedanke: Wofür Risiken auf mich nehmen, wenn ich auch als Angestellter gut leben kann?

Die Studie scheint dies zu bestätigen, denn sie hat einige Kennzahlen ermittelt, unter anderem den so genannten AESI-Wert. Das ist ein Index, der den Gründergeist in den teilnehmenden Ländern darstellen soll. Deutschland belegt Platz 39 von 45, Vietnam und Indien hingegen finden sich unter den ersten zehn. Hierzulande entpuppt sich der Gründergeist bildlich gesprochen als ungeliebtes Schreckgespenst.

Selbstständigkeit vor der Digitalisierung

Die Digitalisierung hat viele Facetten und beeinflusst auch eine zentrale Aktivität im Business, das Networking. Die Kontaktpflege der Selbstständigen vor der großen Welle der Digitalisierung – also bevor das Internet so richtig Fahrt aufnahm – verlief in Deutschland in mehr oder weniger geraden Bahnen. Aktive Netzwerker mit viel Zeit für Veranstaltungen erlebten ihre große Stunde, denn wer Kontakte hatte und diese pflegte, potenzierte seine Chancen im Business. Das hat sich im Prinzip bis heute nicht geändert. 

Aber: Aufgrund der alten, gefestigten Strukturen gab und gibt es seilschaftartige Verbindungen, die junge, innovative Geister kategorisch außen vorlassen. Nicht jeder erhält Zugang zu diesen Kreisen, denn die Informationen, wer Einfluss bei welcher Firma hat oder wann und wo das nächste Treffen stattfindet, waren damals – und sind teils auch heute – oft gut gehütete Geheimnisse. 

Die Digitalisierung wirbelt diese Situation durcheinander, denn plötzlich ist es für jedermann möglich, Zugang zu wichtigen Personen zu erhalten und durch allerlei Online-Aktivitäten auf sich aufmerksam zu machen. Es entstehen sichtbare oder versteckte Plattformen, die es erlauben, sich außerhalb der handverlesenen Zirkel zu treffen und dennoch einflussreiche Personen kennenzulernen. Der Wert langjähriger und oft vererbter Kontakte relativiert sich etwas. Natürlich sind solche Kontakte heute ebenfalls wertvoll und durch nichts zu ersetzen, doch es gibt inzwischen Alternativen, sich ohne Vitamin B einen Namen zu machen und erfolgreich selbstständig zu arbeiten.

Wie die Digitalisierung Unternehmen verändert

Die Digitalisierung sorgt dafür, dass neue Verknüpfungen stattfinden. Es entstehen Ideen, innovative Konzepte und attraktive Umsatzmöglichkeiten. Dieser Trend hat den Handel, das Handwerk, das Gewerbe und die Industrie beeinflusst und stark verändert.

Wer nicht handelt, fliegt vom Markt 

Der stationäre Handel leidet deutlich unter der Digitalisierung. Wir sehen das zum Beispiel an leerstehenden Ladengeschäften in Fußgängerzonen. Wer die Digitalisierung ignoriert, den überholt sie und sperrt ihm früher oder später den Laden zu.

Das Handwerk trifft es nicht mit ganz so großer Wucht. Doch etwas verzögert, aber spürbar verändert die Digitalisierung auch hier vieles. Ein Handwerksbetrieb ohne eigene Website ist für viele Verbraucher heute nicht existent, weil er online buchstäblich unsichtbar bleibt.

Gewerbe und Industrie machen sich, genauso wie Handwerk und Handel, die Digitalisierung zunutze. Dienstleistungen und Produkte präsentieren die Firmen unter digitalen Gesichtspunkten und passen vor allem auch die Betriebsabläufe der neuen digitalen Welt an. Eine E-Mail zu schreiben, ist inzwischen der absolute Standard in jeder Form der Selbstständigkeit.

Typische existenzbedrohende Fehler deutscher Start-ups 

Es gibt verschiedene Gründe, aus denen ein junges Unternehmen vorzeitig schließen muss. Die Gefahr für Start-ups zu scheitern, ist in den ersten fünf Jahren am größten. Es handelt sich um eine Kombination unterschiedlicher Faktoren: unzureichende Finanzierung, unerwartete Marktveränderungen und grundlegend falsche strategische Entscheidungen. Auch persönliche Gründe führen dazu, dass Selbstständige aufgeben.

Falsche Vorstellungen

Fehler, die regelmäßig zum Aus führen, sind falsche Vorstellungen über die Konsequenzen, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt. So kann der oft gesteigerte Stresspegel zu gesundheitlichen Belastungen führen, welche die Leistungsfähigkeit und Motivation angreifen.

Unzureichender Finanzierung

Darüber hinaus wirkt sich eine zu dünne Kapitaldecke fast automatisch so aus, dass eine Firma Insolvenz anmelden muss. Die nötigen Anfangsinvestitionen, um ein Geschäft ans Laufen zu bringen, unterschätzen manche Gründer. Schafft es ein Start-up nicht, den laufenden Geschäftsbetrieb mittelfristig über den Cashflow zu finanzieren, ist das Scheitern vorprogrammiert. In Kombination mit einem mangelhaften Cashflow-Management, droht die Insolvenz noch früher. Forderungsausfälle und Zahlungsschwierigkeiten von Kunden tun ihr Übriges , um einem Unternehmen existenziellen Schaden zuzufügen.

Unerwartete Marktveränderungen

In der frühen Phase eines Unternehmens, in der aus dem Cashflow keine Rücklagen zu bilden sind, führen unerwartete Marktveränderungen zu Umsatzeinbrüchen, die nicht überbrückt werden können. Den Fehler, den Markt nicht zu beobachten und die eigene Positionierung aus den Augen zu verlieren, lässt junge und etablierte Unternehmen gleichermaßen scheitern.

Finanzierungen mit Vor- und Nachteilen

Ein stabiles Finanzkonzept ist ein wesentlicher Faktor, der zum Erfolg eines jungen Unternehmens beiträgt. Die folgende Auflistung stellt eine breite Palette verfügbarer Möglichkeiten in Kurzform vor:

Private Finanzierung

Gerade Einzelunternehmer greifen zu privaten Ersparnissen, wenn sie ihr Business starten. Mit privater Finanzierung ist nicht nur Bargeld gemeint, sondern auch die Arbeit in den eigenen vier Wänden, die Nutzung vorhandener Gegenstände, wie PC, Telefon oder Fahrzeug und anderes mehr. Unter die private Finanzierung fallen auch Darlehen von Freunden und Verwandten.

Der wesentliche Vorteil der privaten „Kapitalausstattung“ liegt darin, dass keine langfristigen Verträge mit Banken unterzeichnet werden müssen. Zudem sind Privatdarlehen häufig mit niedrigeren Zinsen belegt, als Banken sie gewähren. Nachteilig ist allerdings, dass beim Scheitern das gesamte private Geld weg ist. Die kompletten Ersparnisse in eine Selbstständigkeit zu investieren, ist ausgesprochen riskant.

Bankdarlehen

Bankdarlehen für die Unternehmensgründung können von der eigenen Hausbank oder einer Fremdbank kommen. Die Finanzierungsanfrage lässt sich inzwischen unkompliziert über diverse Finanzportale online realisieren.

Der Vorteil eines Bankdarlehens liegt darin, das Eigenkapital zu schonen. Das Fremdkapital steht nach positiver Antragsprüfung oft nach wenigen Tagen bereit. Nachteilig kann sich die Kreditaufnahme entwickeln, falls Kreditnehmer in Zahlungsverzug geraten. Nicht jede Bank ist bereit, eine Tilgungsaussetzung zu gewähren. Stattdessen können die Kredite meist kurzfristig gekündigt und fällig gestellt werden. Das kann jedoch das Aus für eine Firma bedeuten.

Fördermittel

Die bekanntesten Fördermittel sind Förderdarlehen, Zuschüsse und Bürgschaften. Fördergelder stehen Unternehmen aller Altersstufen zur Verfügung und werden sowohl von der öffentlichen Hand als auch Banken gewährt. 

Geförderte Darlehen für Gründer haben oft den Nachteil, dass sie mit hohen Zinsen einhergehen. Damit wollen Banken das erhöhte Ausfallrisiko absichern. Die Vorteile der öffentlichen Fördermittel drücken sich häufig in besonders guten Konditionen aus: Es gibt tilgungsfreie Anlaufzeiten, es sind vorzeitige Rückzahlungen ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich oder Gründer dürfen zwischenzeitlich mit der Tilgung aussetzen, wenn die Umsätze unregelmäßig fließen.

Nicht rückzahlbare Zuschüsse haben im Grunde keine echten Nachteile – bis auf die Tatsache, dass sie in vielen Fällen recht umständlich oder lange im Voraus und vor dem operativen Start zu beantragen sind. Außerdem sind Zuschüsse in den allermeisten Fällen zweckgebunden. Das bedeutet, dass Zuschussempfänger beleghaft nachweisen müssen, wofür sie das Geld ausgegeben haben. Der Vorteil von Zuschüssen liegt klar auf der Hand: Es ist geschenktes Kapital.

Bootstrapping

Bootstrapping bezeichnet extrem sparsames Verhalten im Zuge der Gründung und Entwicklung eines Unternehmens. Prinzipiell setzt diese Methode voraus, dass Gründer komplett auf externe Hilfe in Form von Fremdkapital verzichten. Für Selbstständige und Start-ups, die nach dem Low-Budget-Modell vorgehen, stehen Kosteneinsparung auf der einen Seite und die Maximierung der Umsätze auf der anderen Seite an erster Stelle.

Die Nachteile des Bootstrappings zeigen sich im betrieblichen und im privaten Bereich. In Anbetracht des hohen Leistungs- und Erfolgsdrucks bleibt für Fehlentscheidungen kein Platz, weil keine Kapitaldecke vorhanden ist. Das stresst enorm. Die Wachstumsmöglichkeiten sind aufgrund des Kapitalmangels stark eingeschränkt. Die Vorteile des Bootstrappings liegen darin, dass Unternehmer lernen, sich zu fokussieren und effizient zu wirtschaften. Wenn das gezielte Vorgehen zum Erfolg führt und es später doch zur Aufnahme von Fremdkapital kommt, zeigen sich Investoren und Banken häufig beeindruckt von dem konsequenten Verhalten der Gründer in der Start-up-Phase. Dies macht Zusagen wahrscheinlicher.

Passivierung von Einnahmen

Die Passivierung von Einnahmen vertieft den Bootstrapping-Ansatz. Sobald etwas Geld zur Verfügung steht, wird es clever investiert, sodass es wiederum Geld einbringt. Die Rede ist nicht von Investitionen in Kapitalanlagen, sondern in Produkte und Dienstleistungen, die praktisch von selbst oder zumindest mit wenig Aufwand lukrativ laufen. Eine einfache Möglichkeit, das eigene Business mittels Passivierung rentabel zu machen, ist beispielsweise die Erstellung und der Vertrieb von E-Books, Online-Schulungen oder Video-Tutorials. Am Anfang steht eine Investition von Zeit und Geld. Ist das Produkt fertig, lässt es sich tausendfach verkaufen.

Vorteilhaft ist der dauerhafte Effekt, der sich aus cleveren Passivierungen ergibt. Nachteilig ist, dass es einiger Anstrengungen bedarf, um einen nennenswerten Erfolg zu erzielen. Ohne einen umfassende Marktrecherche sowie einem stimmigen Marketingplan funktioniert im Online-Business nichts. Ebenfalls ein Nachteil: Da in jungen Unternehmen in der Regel noch nicht genügend belastbare Kontakte bestehen, ist der Weg zur erfolgreichen Passivierung lang und anfänglich mit Lehrgeld verbunden.

Crowdfunding

Crowdfunding ist ein Oberbegriff für vier unterschiedliche Modelle :

  • Klassisches Crowdfunding
  • Crowdinvesting
  • Spenden-Crowdfunding
  • Crowdlending

Beim klassischen Crowdfunding geben Unterstützer Geld und bekommen im Gegenzug eine Art Dankeschön in Form von Produkten oder Ausfertigungen von Projektarbeiten oder Ähnlichem. Im Prinzip sammeln junge Unternehmen (aber auch Privatpersonen) auf einer Crowdfunding-Plattform Geld ein, um mit einer Art Vorverkauf ihrer Produkte oder Dienstleistungen erste Einnahmen zu erzielen.

Bekannte Plattformen mit deutschlandweiter Ausrichtung sind zum Beispiel sciencestarter (Wissenschaft), VisionBakery (gemischte Projekte), CrowdFANding (Sport) und Startnext (gemischte Projekte). Regionale Plattformen von örtlichen Banken und Wirtschaftsförderungsgesellschaften kommen hinzu. Als nachteilig erweist sich mitunter, dass einige Plattformen recht hohe Ansprüche an die Darstellung des Projekts stellen. Sie verlangen, dass Unternehmer bestimmte finanzielle Daten preisgeben. Hier steckt das Risiko, zu viel zu verraten und der Konkurrenz Vorschub zu leisten. Der Vorteil ist, dass sich durch die transparente Darstellung Vertrauen in der Crowd aufbauen lässt, die dann eher bereit ist, Geld zu geben.

Crowdinvesting

Crowdinvesting bedeutet, dass sich viele Unterstützer an einem Projekt finanziell beteiligen und die Geldgeber (Gewinn-)Anteile an einem Unternehmen erwerben. Die Beteiligungen sind oft klein und betragen nur wenige Euro. Die profitierende Firma weist das Geld als Eigenkapitalersatz aus, was die Bonität stärkt. In der Folge fällt es leichter,  reguläre Bankenkredite zu erhalten. Typische Crowdinvest-Plattformen sind Seedmatch, GLS Crowd, Econeers, Companisto und kapilendo.

Spenden-Crowdfunding

Für Unternehmen spielt Spenden-Crowdfunding keine Rolle, denn es richtet sich nur an soziale und gemeinnützige Projekte. Interessierte finden zum Beispiel bei Leetchi, Betterplace oder Aid2People zahlreiche Möglichkeiten für gemeinnützige Vorhaben.

Crowdlending

Crowdlending funktioniert nach dem klassischen Bankprinzip. Die Unterstützer vergeben einen Kredit und knüpfen daran feste Laufzeiten und Zinssätze. Vorteilhaft ist, dass sich über diesen Weg recht schnell Geld für alle erdenklichen Zwecke beschaffen lässt, doch ein Nachteil wiegt schwer: Crowdlending ist wesentlich teurer als klassische Kreditfinanzierungen. Bekannte Plattformen für das Crowdlending sind zum Beispiel auxmoney, Lendico und Funding Circle.

Die Crowdinvest-Szene boomt: spannende Projekte im TV

Crowdinvestment wächst, und die Investmentlandschaft verändert sich ständig. Es kommen neue Plattformen hinzu, andere verschwinden wieder. Risk Capital, auch Venture Capital, ist Risikokapital. Geldgeber investieren direkt in ein Start-up und erhalten im Gegenzug Anteile. Die Investoren müssen damit rechnen, alles zu verlieren, wenn das Vorhaben scheitert. Aus diesem Grund erwarten sie hohe Gegenleistungen und knüpfen spezifische Bedingungen an das Kapital. 

Die Höhle der Löwenist ein Format des Fernsehsenders VOX, das dieses Vorgehen aufzeigt. Die Investoren treten als Business-Angels auf, die einem Gründer oder einem wachstumsorientierten Unternehmen mit ihrem Investment auf die Erfolgsstraße helfen wollen. Die Vorteile liegen zum einen im schnell verfügbaren Kapital, zum anderen aber auch in den Kontakten und im Know-how, das die Business-Angels bereitstellen. Nachteilig ist, dass Gründer oder Firmen oft so viele Anteile abgeben müssen, dass sie die Kontrolle über das eigene Business verlieren.

Gründungen in Deutschland in Zahlen 

Der Kfw-Gründungsmonitor 2018 meldet niedrige Gründungszahlen. Die Gründungsquote befindet sich im freien Fall und hat zuletzt (2017) die traurige Marke von 1,08 Prozent erreicht. Der KfW-Gründungsmonitor nennt rückläufige Zahlen: 557.000 Vollerwerbsgründungen im Jahr 2017. Das sind 115.000 weniger als im Jahr 2016. Im Nebenerwerb gründeten 2017 lediglich 323.000 Personen ein Unternehmen, was einem Rückgang um 101.000 gegenüber 2016 entspricht.

Ein Zuwachs ist bei digitalen und innovativen Gründern zu verzeichnen. Vom Jahr 2016 bis zum Jahr 2017 stieg die Anzahl der digitalen  Starter von 140.000 auf 144.000, die der innovativen Gründungen von 58.000 auf 76.000.

In puncto Abbruchrate kommt es insbesondere auf die Kapitalausstattung an. Heruntergebrochen auf einen einfachen Nenner, lässt sich sagen: Je besser die finanziellen Rahmenbedingungen, desto geringer die Abbruchrate. Allerdings spielen in den ersten drei Jahren auch persönliche Gründe eine große Rolle. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das Folgendes:

Innerhalb des ersten Geschäftsjahres geben 20 Prozent auf, nach zwei Jahren sind noch knapp 75 Prozent aktiv und nach den ersten drei Geschäftsjahren haben noch 67 Prozent der Gründer ein funktionierendes Business.

Fünf bekannte deutsche Start-ups

  • 6wunderkinder | www.6wunderkinder.com | Produktivitätssoftware
  • Kiwi.ki | Elektronisches Schließsystem | www.kiwi.ki
  • Flixbus | Fernbusreisen | www.flixbus.de
  • FREELETICS | Digitales Sport- und Bewegungs-Coaching | www.freeletics.com
  • Zalando | Online-Versandhandel | www.zalando.de

Wachstumsmärkte: Hier locken lukrative Geschäftsfelder

Die sich ständig verändernde ökonomische Landschaft bietet mehrere aussichtsreiche Branchen. Das Internet der Dinge (Internet of Things = IoT) haben Topmanager weltweit als spannendes Geschäftsfeld identifiziert. Die Bedeutung von IoT ist bislang nur wenigen Start-ups klar. Dabei wird die Verschmelzung gegenständlicher und virtueller Dinge, Informationen, Leistungen und Angebote für viele Unternehmen schon bald essenzielle Grundlage ihrer Aktivitäten sein. 

Die digitale Revolution fegt diejenigen vom Markt, die sich nicht adaptieren können oder wollen. Doch die Chancen sind hier von historischer Bedeutung. Die Digitalisierung ermöglicht die weltumspannende Vernetzung bis in den letzten Winkel der Erde und verschafft auch denjenigen eine reale Chance auf ein einträgliches Einkommen, die bislang das Nachsehen hatten. Ob ein fleißiger Reisbauer im indischen Tamil Nadu (eine Region mit hohem AESI-Faktor, sprich Gründergeist) oder eine gut situierte Zahnärztin in Frankfurt (eine Region mit einem niedrigen AESI-Faktor) – die Digitalisierung verändert die Lebens- und Arbeitsbedingungen für beide grundlegend. Die Frage ist, wie sie damit umgehen.

Experten gehen davon aus, dass schon bald 20 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein werden und Jahr für Jahr 5 Billionen GB Datenvolumen erzeugen und austauschen. Das bedeutet, dass Unternehmen in den Bereichen Technologie, Telekommunikation und Endgeräteproduktion ausgesprochen lohnende Aussichten haben.

Alternative Energien

Ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld werden auch künftig alternative Energien sein. Energiekonzepte verändern sich zunehmend, weil die endlichen Ressourcen der Erde, steigende Ölpreise, fühl- und sichtbare Klimaveränderung und das unaufhaltsame Wachstum vieler Schwellenländer den Energiehunger immer weiter steigern. Fossile Brennstoffe werden mehr und mehr zurückgehen, stattdessen sind intelligente Technologien gefragt.

Neo-Ökologie

Der Megatrend Neo-Ökologie hängt mit dem wachsenden Anspruch der Menschen an die bereitgestellten Energiequellen zusammen. Die Veränderungsprozesse in der Gesellschaft in Richtung ressourceneffizientes und nachhaltiges Verbrauchsverhalten sind bereits deutlich erkennbar. Dies wird sich in der Zukunft verstärken. Firmen, die neo-ökologische Konzepte, Produkte und Leistungen offerieren, schaffen gewinnbringende Geschäftsfelder.

Ein Wegweiser für Gründer

Eine Gründung ist immer eine individuelle Angelegenheit. Insofern gibt es keinen „richtigen“ oder „falschen“ Weg, vielmehr eine Reihe von Schritten, die in Abhängigkeit von der Rechtsform, vom Geschäftszweck, von der Kapitalausstattung und der Gründerpersönlichkeit zu gehen sind.

Der folgende Wegweiser soll in aller Kürze einen Überblick über die gängigen Stationen und Aspekte einer Gründung geben: 

Gründerpersönlichkeit

Wissen, Kompetenzen, Charaktereigenschaften sowie Tugenden, Werte und die Identität spielen eine Rolle, ob ein Gründer großen oder geringen Erfolg hat. Tritt derjenige charismatisch, autoritär und selbstsicher auf, erzielt er andere Ergebnisse als jemand, der unsicher oder defensiv agiert. Allerdings bestimmt das geschäftliche Umfeld maßgeblich, welche Aspekte in einer bestimmten Situation nachteilig oder von Vorteil sind. Die „eine und richtige“ Gründerpersönlichkeit gibt es deshalb nicht.

Geschäftsidee finden

Ideen fürs Business gewinnen Gründer aus vielen Quellen. Oft entwickelt sich aus einer persönlichen Leidenschaft ein intensives Interesse, das in einer Geschäftsgründung mündet. Auch auf ökonomisch-sachlicher Basis lassen sich lukrative Geschäftsfelder identifizieren, in denen ein Start-up voraussichtlich gute Erfolgsaussichten hat. Franchise-Börsen, Business-Bücher, Hochschulvorträge zum Thema Entrepreneurship, Summits und Veranstaltungen sowie Gründermessen sind ebenso Fundgruben der Inspiration.

Beratungen vor dem Start

Kostenfreie Beratungen stehen Gründern vonseiten örtlicher Wirtschaftsförderungen und den Industrie- und Handelskammern offen. Kostenpflichtige Beratungen durch einen Gründungsberater bezuschusst oft der Staat. Sich vorab über die Zuschussmöglichkeiten zu informieren, spart später viel Geld. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bietet eine kostenlose telefonische Beratung rund um das Thema Förderprogramme für Existenzgründer.

Planung der Selbstständigkeit

Die Selbstständigkeit zu planen, ist eine umfassende und zentrale Aufgabe. Im Fokus stehen hier zum einen die strategische Ausrichtung und zum anderen die Identifikation der erforderlichen Aktivitäten, die zur Umsetzung der angestrebten Ziele führen.

  • Ein Businessplan ist zwingend erforderlich, soll Fremdkapital aufgenommen werden. Dieser stellt Zahlen und die analytische Betrachtung relevanter Einflussfaktoren auf das geplante Geschäftsmodell dar. Aus diesem Grund ist es zumindest ratsam, sich mit einem Businessplan zu beschäftigen, auch, falls kein Fremdkapital zum Tragen kommen soll. Das strukturierte Vorgehen hilft, alle Aspekte zu bedenken, die für strategische und operative Entscheidungen eine Rolle spielen.
  • Die Entwicklung einer Marketingstrategie inklusive Marketingplan ist wichtiger als je zuvor. Offline- und Online-Aktivitäten müssen sauber aufeinander abgestimmt werden, um zu funktionieren. Nicht mehr wegzudenken sind Plattformen zur Kommunikation und zur Kundengewinnung. Die Liste der sozialen Netzwerke umfasst um die 250 Adressen, aufgelistet unter https://socialmedialist.org/soziale-netzwerke-liste.html. Hier eine kleine Auswahl von bekannten und weniger bekannten Portalen: 
    • befilo.com 
    • twoo.com
    • myopportunity.com
    • facebook.com
    • twitter.com
    • instagram.com
    • pinterest.de
    • reddit.com
    • mewe.com

Nötiges Startkapital ermitteln

Die Ermittlung des nötigen Startkapitals setzt voraus, dass ein Gründer alle relevanten Kostenaspekte berücksichtigt. Deshalb ist es unerlässlich, ein Geschäftskonzept zu entwickeln und in den bestimmenden Einzelheiten zu durchdenken. Daran anknüpfend ist die Kalkulation einfacher und genauer als ohne diese Grundlagen. Die Finanzierung lässt sich aufstellen, sobald man den Kapitalbedarf ermittelt hat. Die Planung der Kombination von Eigenkapital und Fremdkapital, unter Zuhilfenahme von Zuschüssen und Fördermitteln, ist das Ergebnis der vorbereitenden Arbeiten. Im nächsten Schritt geht es darum, das nötige Geld zu beschaffen.

Rechtsform

Die Wahl der Rechtsform hat weitreichende Folgen, weshalb Unternehmer sie nicht leichtfertig treffen sollten. Die gängigen Rechtsformen zeigt die folgende Tabelle:

  • Einzelunternehmer
    Eine natürliche Person
  • Eingetragener Kaufmann (e. K.)
    Einzelunternehmer, der sich im Handelsregister eintragen lässt
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG)
    Zwei Kaufleute, die als Gesellschafter zusammen ein Unternehmen führen
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
     Mehrere natürliche Personen, einfachste Form der Personengesellschaft
  • Kommanditgesellschaft (KG)
    Personengesellschaft mit mehreren Gesellschaftern (Kommanditisten und Komplementäre), Eintrag ins Handelsregister erforderlich
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
    Kapitalgesellschaft, Eintrag ins Handelsregister und Bestellung eines Geschäftsführers, Offene Handelsgesellschaft (OHG)
  • GmbH & Co. KG
    Besondere Kommanditgesellschaft: Der Komplementär ist eine GmbH. Diese übernimmt die Haftung.
  • Unternehmergesellschaft (UG)
    Kapitalgesellschaft, „kleine GmbH“ mit geringem Haftungskapital, mindestens ein Gesellschafter nötig
  • Aktiengesellschaft (AG)
    Kapitalgesellschaft mit mindestens einem Aktionär und drei Vorstandsmitgliedern

Eine Übersicht aller Rechtsformen liefert die folgende Abbildung:

Die Wahl der Rechtsform wirkt sich auf das gesamte Unternehmen aus. Je nach Branche sind außerdem Einzelerlaubnisse nötig, so zum Beispiel ein Hygieneschein für das Gastgewerbe. Die steuerlichen Pflichten unterscheiden sich im Hinblick auf Rechtsform, Größe und Geschäftszweck. Jeder Unternehmer ist selbst verantwortlich, die Vorschriften zu kennen und zu befolgen. Im hektischen Gründungsgeschehen empfiehlt sich deshalb die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Gründungs-, Unternehmens- oder Steuerberater. 

Die Absicherung der Gründerperson gegen Krankheit, Berufsunfähigkeit sowie die Altersvorsorge sind Themen, die viele Start-ups vernachlässigen – mit katastrophalen Folgen. Versäumen sie die Vorsorge, drohen im schlimmsten Fall existenzielle Konsequenzen.

Nach der Gründung: Unternehmenssteuerung

Wer die ersten drei Jahre übersteht, für den verbessern sich rein statistisch die Aussichten darauf, langfristig am Markt zu bleiben und sich den Lebensunterhalt zu verdienen – oder sogar ein Vermögen zu machen. Im Grunde unterliegt jedes Unternehmen bestimmten Zyklen. Stehen Wachstumsphasen an, zum Beispiel weil es erfolgreich gelingt, sich durch den definierten USP (Unique Selling Point) konkurrenzlos zu positionieren oder weil ein neues Geschäftsfeld erschlossen werden soll, dann heißt es erneut Pläne schmieden, Konzepte erstellen und Finanzierungsvarianten ausarbeiten. 

Überrascht eine große Auftragswelle ein Unternehmen, gerät es zuweilen unter Druck und schafft es nicht, seine Prozesse schnell genug  anzupassen, um den Aufschwung zum größtmöglichen Erfolg ausnutzen zu können. Eine Firma zu führen bedeutet unter anderem auch, sich rechtzeitig mit Fragen des Recruitings zu befassen, Geschäftsprozesse skalierbar zu gestalten und zielführende Kontakte zu pflegen – und das ist nur ein kleiner Ausschnitt des breiten Spektrums, das ein Start-up nach der Gründung erwartet.

Flexibel denken, zuverlässig handeln, persönlich betreuen 

Die Anforderungen an Start-ups, Solopreneure, Existenzgründer, Unternehmer und alle anderen, die haupt- oder nebenberuflich selbstständig sind, ändern sich immer wieder. Sie müssen sich auf dem Laufenden halten, um den Anschluss nicht zu verpassen. Vor dem Hintergrund der Informationsflut ist das nicht einfach, und es obliegt jedem selbst, einen geeigneten Modus zu finden. Die Digitalisierung, Big Data und IoT werden einige Branchen und Dienstleistungen vom Markt verschwinden lassen. Das kostet auch Arbeitsplätze. Im Gegenzug entstehen innovative Geschäftsfelder mit neuen Berufsbildern. In jedem Fall brauchen Gründer ein hohes Maß an geistiger Flexibilität sowie ein besonders gutes Gespür für die Bedürfnisse ihrer Kunden. Denn bei all der Technisierung und den automatischen Abläufen wird eine altmodische Sache sicherlich auch in Zukunft Saison haben: ein guter, persönlicher Kundenkontakt.

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