Den deutschen Hidden Champions auf der Spur

Die meisten Weltermarktführer kommen aus Deutschland

Hidden Champions aus Deutschland: erfolgreich und unbekannt

Die Hidden Champions der Weltmarktführer aus Deutschland gehören zu "Made-in-Germany". Professor Dr. em. Herrmann Simon aus der Eifel hat den Begriff erfunden. Und so lockte er die Hidden Champions aus ihren Verstecken.

Der Unternehmensberater wollte den Exporterfolg Deutschlands näher beleuchten. Klar, die Großen kennen alle: Siemens, BASF, Volkswagen etc. Sie sind wichtige Motorenteile im Antrieb Deutschlands. Aber ihr Umsatz allein reicht bei weitem nicht aus, um den Exporterfolg unseres Landes zu erklären. Um die Verantwortlichen für diese nationale Errungenschaft zu finden, musste der Professor der Wirtschaftswissenschaften die Nischen des Mittelstandes ausleuchten. Dort sitzen sie, oft Familienunternehmen (67 Prozent der Hidden Champions in Deutschland), deren jeweilige Umsätze in die Millionen gehen, die aber dennoch längst nicht alle Deutsche kennen.

Viele Marktführer in Deutschlands Mittelstand

Da in Deutschland über 99 % der Unternehmen Klein- und Mittelständler sind, kann sich das Land dauerhaft an der Spitze der Weltwirtschaft behaupten. Simon nahm Stichproben aus 500 dieser Firmen und leitete daraus ein Klassifikationsschema ab. Mit dieser Schablone entdeckte er die heimlichen Gewinner auf der ganzen Welt. Aber obwohl inzwischen mehrere Wissenschaftler ihre eigenen unterschiedlichen Maßstäbe gesetzt haben, wer zu den Weltmarktführern gehört, sticht Deutschland in der Menge der Firmen konsequent aus dieser Hidden Champions Liste hervor. Egal ob Simon die Zahlen erhebt oder Rammer und Spielkamp vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, die Ergebnisse liegen immer weit über der Tausendermarke.

Geheimrezept Spezialisierung und Innovation

Was macht die Hidden Champions in Deutschland so erfolgreich und hält sie vergleichsweise unbekannt? Der Trick ist, sich auf ein spezielles Produkt zu konzentrieren, über das sich viele Menschen keine Gedanken machen. Auch fragen sich viele nicht, wer gerade die Waren, Anlagen und Lösungen herstellt. Ideales Beispiel: Herrenknecht mit Tunnelvortriebsmaschinen oder Windmöller & Hölscher als Hersteller von Verpackungsmaschinen. Durch die Seltenheit der Produkte sind die Unternehmen auf der ganzen Welt gefragt und deshalb Exportmeister in ihrem Segment.

Marktführer in Deutschland investieren in ihre Technik

Da hochspezialisiert, sind diese Firmen auch in der Lage, Probleme zu erkennen und Innovationen auf den Markt zu werfen, die ihre Produkte weiter verbessern. Damit bleiben sie in ihrer Nische und müssen selbst auf dem Weltmarkt keine Konkurrenz fürchten. Laut einer Studie des Benchmarking Centers Europe der Uni Köln, liegt die Investitionsrate der heimlichen Gewinner für neue Technologien bei 89 Prozent. Das erklärt auch die Branchenverteilung unter den Hidden Champions in Deutschland: In der Studie stellen Maschinenbaufirmen 41 Prozent. Dahinter folgen Industrieprodukte mit 19 Prozent, Anlagenbau mit 12 und der Automobilbau einschließlich der Zulieferer, sowie die Elektroindustrie mit jeweils 10 Prozent. 

Hidden Champions in Deutschland verfolgen häufig Nischenstrategie

Made in Germany bedeutet unter anderem Ingenieurskunst, die sich in diesen Wirtschaftsnischen gut entfaltet. Es ist keine Überraschung, dass sich die heimlichen Gewinner in Deutschland zu 44 Prozent eine spezialisierte Nischenstrategie ausgesucht haben. 47 % folgen einer Differenzierungsstrategie, bei der sie nicht die einzigen Anbieter sind, ihr Produkt jedoch Alleinstellungsmerkmalen besitzt. Immerhin 6 % der Unternehmen haben keine Konkurrenz, weil sie sich mit der Blue-Ocean-Strategie innovativ und risikofreudig auf unbekanntes Neuland begeben.

Hidden Champions in Deutschland: Familienbetriebe statt Großkonzerne

Aber das ist nicht das einzige Kriterium, das die kleinen ertragsreichen Firmen auszeichnet. Da der Mittelstand etwa 60 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland stellt, wollten Wissenschaftler ergründen, was diese Kleineren noch von Großfirmen unterscheidet.

Standort für Weltmarktführer in Deutschland oft zweitrangig

Ein Faktor ist der Standort. BMW, Mercedes und Siemens haben sich - historisch bedingt, heute prestigeträchtig und für Angestellte attraktiv - in eher großen Städten platziert. Da Nischenfirmen nicht von ihrem öffentlichen Image leben, stehen sie eher in ländlichen Gegenden und in Kleinstädten. Das ist günstiger und bietet mehr Platz, um sich auszubreiten.

Inhaberführung fördert die Leistung bei Hidden Champions in Deutschland

Meist sind die Marktführer in Deutschland in Familienbesitz und oft inhabergeführt. Oft werden hohe Leistungen gefordert, ein Verstecken in der Masse ist kaum möglich. Das hat zur Folge, dass die Fluktuation der Arbeitnehmer, die weniger als zwei Jahren im Betrieb arbeiten, relativ hoch ist. Wer sich jedoch 24 Monate beweisen konnte, bleibt meist lange, oft bis zur Rente. 71 Prozent der Angestellten arbeiten zumindest 10 Jahre in dem einen Unternehmen. Denn kleine familiengeführte Betriebe bedeuten oft flache Hierarchien und ein hohes Identifikationspotenzial der Angestellten mit der Firma. So werden in der Studie des Benchmarking Centers Europe 77 Prozent der Unternehmen als kooperativ eingestuft.

Starke Firmenphilosophie in Traditionsbetrieben

Ein Vererben des Betriebes innerhalb der Familie, nachdem der Nachwuchs meist jahrelang mitgearbeitet hat und die Linie kennt, sorgt für eine lange Überlebensdauer der Firma. Deshalb sind 34 Prozent der Hidden Champions zwischen 61 und 100 Jahre alt, 22 Prozent 101 bis 150 und 13 Prozent Weltmarktführer aus Deutschland existieren sogar seit über 150 Jahren.

Dezentrale Hidden Champions in Deutschland zunehmend als Arbeitgeber attraktiv

Seit die Bedeutung der kleinen Betriebe und ihr Aufbau in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist, suchen sich immer mehr junge Leute einen Arbeitsplatz fernab großer Firmennamen und siedeln sich in der Provinz an. Zwar sind die Karrierewege weniger deutlich abgesteckt als in Großkonzernen. Doch eine angenehme Arbeitsatmosphäre und die Möglichkeit, sich frei zu entfalten sowie viel Eigenverantwortung, locken den Nachwuchs in mittelständische Unternehmen. Die Universität Mannheim hat sogar einen Tag der Hidden Champions eingerichtet. Dabei liegt der Anteil der Akademiker, die nicht im technischen Bereich arbeiten, in den erfolgreichen Firmen nur bei 17 Prozent. Ebenso wie jener der Ingenieure. Facharbeiter sind gefragt und machen 55 Prozent der Angestellten in den Betrieben der heimlichen Gewinner aus. Ein weiterer Grund für den deutschen Erfolg: Die Qualität der Ausbildung an deutschen Fachhochschulen sticht im internationalen Vergleich deutlich hervor.

Großunternehmen imitieren die Erfolgsstrategie

Auch Großkonzerne scheinen sich vom Hidden-Champions-System eine Scheibe abschneiden zu wollen, wie beispielsweise Siemens zeigt: der Konzern lagert bewusst Firmenzweige, wie die Siemens Audiologische Technik, aus, um sie selbstständig arbeiten lassen und damit die Strukturen der kleineren Marktführer aus Deutschland zu imitieren.

Finanzielle Unabhängigkeit stärkt Hidden Champions in Deutschland

Die Finanzierung der mittelständischen Unternehmen ist einer ihrer Vorteile. Viele Weltmarktführer in Deutschland arbeiten mit einer vergleichsweise hohen Eigenkapitalquote. Das erhöht ihre Bonität, macht die Unternehmen krisensicherer und verschafft ihnen ein hohes Maß an Unabhängigkeit.

Hidden Champions Liste der Weltmarktführer aus Deutschland

Bleibt die Frage, warum ausgerechnet in Deutschland sich die heimlichen Gewinner so gut ausbreiten konnten? Vermutlich hängt es mit der Affinität zum Metier zusammen: Technik Made in Germany. Aber auch die Politik hat ihren Teil dazu beigetragen: Wer hierzulande einen Betrieb eröffnen möchte, hat im internationalen Vergleich leichtes Spiel.

Gerangel auf der Hidden Champions Liste

Wer einmal Hidden Champion war, bleibt es allerdings nicht zwangsläufig, die Hitliste ändert sich jährlich. Es hält sich zwar eine große Konstante, aber auch Start-ups drängen auf den Markt und ab und zu gibt es doch Unternehmen, die ihre Tore schließen müssen.

Welche Weltmarktführer kommen aus Deutschland?

Wie sieht sie also aus, die aktuelle Hidden Champions Liste der heimlichen Gewinner, die gar nicht mehr so versteckt in ihren Winkeln sitzen? Es kommt darauf an, welche Kriterien man als Raster nutzt. Zurzeit behauptet sich beispielsweise Achenbach Buschhütten mit der Herstellung von Nicht-Eisen-Metall Walzwerk- und Folienschneidanlagen. Auch Wacker Chemie mit Silikonen und Testo mit Messgeräten.

Einige mittelständische Marktführer aus Deutschland sind auch bekannt

Die Kriterien der Hidden Champions Liste erfüllen auch einige Marken, die jeder kennt. Adidas ist zwar kein heimlicher Gewinner, aber doch ein Familienunternehmen, das die Kriterien erfüllt. Die Hidden Champions Liste ist lang. Wer genau wissen möchte, welche Betriebe dazu gehören, kann an unterschiedlichen Universitäten und Instituten einen Blick darauf werfen. Und je den Kriterien, fliegt der ein oder andere aus der Liste der Marktführer aus Deutschland raus. Doch Hunderte halten allen Rastern stand: die definitiv echten Hidden Champions aus Deutschland.


Das sind die größten Weltmarktführer nach Umsatz 2018:


  1. Volkswagen: Mitarbeiter: 626.715; Umsatz in Millionen Euro: 217.267,00 €; Branche: Personen-Kraftwagen; https://www.volkswagen.de; Wikipedia Volkwswagen AG

  2. Daimler: Mitarbeiter: 282.488; Umsatz in Millionen Euro: 153.261,00 €; Branche:         Mittelschwere und schwere Lastkraftwagen (LKW) über 6 Tonnen Nutzlast; https://www.mercedes-benz.de; Wikipedia Mercedes-Benz

  3. Allianz: Mitarbeiter: 140.253; Umsatz in Millionen Euro: 122.416,00 €; Branche: Schaden- und Unfallversicherungen sowie Kreditversicherungen; https://www.allianz.de; Wikipedia Allianz 

  4. Siemens: Mitarbeiter: 351.000; Umsatz in Millionen Euro: 79.644,00 €; Branche:           Windturbinenbau und Bahn- automatisierungssysteme (u.a.); https://www.siemens.com; Wikipedia Siemens

  5. Robert Bosch: Mitarbeiter: 389.281; Umsatz in Millionen Euro: 73.129,00 €; Branche:     Elektrowerkzeuge, Lenkungstechnik, Einspritzsysteme, Motormanagement; https://www.bosch.de; Wikipedia Robert Bosch GmbH

  6. BASF: Mitarbeiter: 113.830; Umsatz in Millionen Euro: 57.550,00 €; Branche:       Chemikalien: Acrylsäure, Superabsorber, Kunststoffe: PVC, Polystyrol, Autolacke; https://www.basf.com; Wikipedia BASF

  7. Deutsche Post (Deutsche Post DHL Group): Mitarbeiter: 508.036; Umsatz in Millionen Euro: 57.334,00 €; Branche: Luftfracht und Kontraktlogistik; https://www.deutschepost.de; Wikipedia Deutsche Post AG

  8. Münchener Rückversicherungs- Gesellschaft: MItarbeiter: 43.428; Umsatz in Millionen Euro: 48.900,00 €; Branche: Rückversicherungen; https://www.munichre.com; Wikipedia Munich Re

  9. Bayer: Mitarbeiter: 115.200; Umsatz in Millionen Euro: 46.769,00 €; Branche:       Pflanzenschutz & Saatgutbehandlung; https://www.bayer.de; Wikipedia Bayer AG

  10. Continental: Mitarbeiter: 220.137; Umsatz in Millionen Euro: 40.549,00 €; Branche:     Inteligente Systeme für Fahrsicherheit und -dynamik sowie Infomanagement in Fahrzeugen;

  11. Deutsche Lufthansa: Mitarbeiter: 123.306; Umsatz in Millionen Euro: 316.60,00 €; Branche: Flugverkehr (Lufthansa AG), Wartung, Reparatur & Überholung von Verkehrsflugzeugen (Lufthansa Technik) sowie Airline Catering (LSG Group); https://www.lufthansa.com ; Wikipedia Lufthansa

  12. Fresenius: Mitarbeiter: 232.873; Umsatz in Millionen Euro: 29.471,00 €; Branche:         Dialyseprodukte und-dienstleistungen & Transfusionstechnologien; https://www.fresenius.de ; Wikipedia Fresenius 


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