Weltoffenheit und Toleranz – Made in Germany?

Ob Finanzkrise, die Zerreißprobe der EU im Zuge des Brexit oder die zunehmende internationale Konkurrenz durch Player wie China – die globalen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft sind immens und nehmen an Intensität zu.

Doch nicht alle Probleme stammen aus einem internationalen Kontext: Viele von ihnen sind hausgemacht. Dazu gehört auch das Erstarken des Rechtspopulismus hierzulande, der in einer mehr und mehr verrohenden Sprache im Rahmen politischer Debatten, dem wachsenden Anteil rechter und rechtsradikaler Parteien und schließlich auch zunehmenden Übergriffen auf Ausländer seinen sichtbaren Ausdruck findet. Deutschland steht hierbei leider in einer Reihe anderer inner- und außereuropäischer Staaten, wo dieses Phänomen seit etwa sechs bis acht Jahren um sich greift.

Wachsender Rechtspopulismus

Diese gefährlichen Tendenzen bedrohen das friedliche Zusammenleben innerhalb unserer Gesellschaft. Doch sie haben neben den oft gravierenden Konsequenzen für die Betroffenen auch eine wirtschaftliche Komponente: Der Standort Deutschland insgesamt leidet unter einem sich in der jüngsten Vergangenheit stetig verschlechternden Image. So fürchten immer mehr Touristen in Deutschland um ihre physische Sicherheit, wie zahlreiche Äußerungen in den sozialen Netzwerken infolge des tödlichen Messerangriffs auf ein aus Indien stammendes Paar in Donauwörth vor einigen Tagen eindrücklich belegen. Die Touristen sind jedoch nicht nur eine wichtige Einnahmequelle für das Land, sondern fungieren in ihren Heimatländern auch als Botschafter für Deutschland. Der hier entstehende Schaden lässt sich nur schwerlich beziffern, dürfte aber bereits erhebliche Ausmaße erreicht haben.

Wirtschaftliche Risiken

Zusätzlich drohen Verluste in Form verringerter Investitionen aus dem Ausland, wenn Deutschland nicht mehr als sicherer Standort erlebt wird. Von den mit einem schlechten Bild unseres Landes im Ausland verbundenen Absatzrückgängen bei Investitions- und Konsumgütern ganz zu schweigen. Diese Gefahren sind dem deutschen Mittelstand, und hier insbesondere den deutschen Familienunternehmen, durchaus bewusst. Daher riefen sie im Herbst des vergangenen Jahres die Initiative „Made by Vielfalt“ ins Leben, um mehr Toleranz und eine sachliche politische Debattenkultur hierzulande anzumahnen.

Familienunternehmer werben für Toleranz

Mittlerweile sind es 50 Familienunternehmer, die sich der Aktion angeschlossen haben. Sie weisen in ihrer bundesweiten Medienkampagne nicht nur auf die eingangs beschriebenen Gefahren des Rechtspopulismus hin, sondern betonen auch die Notwendigkeit der Einwanderung von Fachkräften, wenn der derzeitige Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich langfristig gesichert werden sollen. Bis 2060 müssten jedes Jahr gut eine viertel Million Menschen aus den EU-Ländern sowie außerhalb Europas zuwandern, besagt eine Studie der Bertelsmann Stiftung.

Deutsche Unternehmen im Ausland in der Verantwortung

Diese Initiative ist richtig und wichtig in einer Zeit, in der demokratiegefährdende Zustände drohen, zur Norm zu werden. Gleichzeitig muss aber auch an die Verpflichtung deutscher Unternehmen, die im Ausland tätig sind, erinnert werden, daran mitzuwirken, dass sich die Lebensverhältnisse der dort lebenden Menschen nachhaltig verbessern. Denn es reicht nicht aus, Toleranz nur einzufordern. Sie muss im Gegenzug auch denen gewährt werden, die nicht auf die hohen deutschen Standards im Sozialwesen und dem Umweltschutz vertrauen können. Bei der Implementierung dieser Standards auch an ihren Standorten im Ausland sollten deutsche Unternehmen daher mit gutem Beispiel vorangehen. Denn das wäre ein ganz besonderer Exportschlager „Made in Germany“.

Foto: Image by rawpixel from Pixabay

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