Lesekultur in Deutschland im Wandel der Zeit

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Buchkäufer deutlich verringert. Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Gesellschaft für Konsumforschung sank sie im Zeitraum von 2013 bis 2017 um 6,4 Millionen. Buchbranche, Medien, Bildungsinstitutionen und Politik stehen vor der Herausforderung, die Vorzüge des Lesens auch in unserer heutigen digitalen Welt zu vermitteln. Zwar ist mittlerweile eine Stabilisierung erkennbar, dennoch bleibt die Situation ernst.

Leidenschaftliche Leser sorgen für gute Umsätze

Dass sich die Umsätze mittlerweile wieder auf einem gleichbleibenden Niveau bewegen, ist vielen treuen Fans von Büchern zu verdanken. Sie kaufen im Durchschnitt mehr Bücher, wofür sie in der Regel auch einen höheren Preis bezahlen. Während sich eingefleischte Buchliebhaber als Vielkäufer erweisen, haben sich Millionen andere Menschen vom Buchmarkt zurückgezogen. Diese Entwicklung hängt eng mit dem veränderten Leseverhalten zusammen. Dabei verdienen Bücher auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens Sichtbarkeit. Denn sie erfüllen den Wunsch nach hochwertigen Informationen, Perspektivenreichtum und Entschleunigung auf ideale Art und Weise.

Veränderungen im Leseverhalten der Deutschen

Schaut man sich in der Welt der Bücher genauer um, ist Folgendes erkennbar:

  • Lesungen und Literaturfestivals erfreuen sich großer Beliebtheit
  • in den sozialen Medien treffen sich Bookstagrammer und Blogger zu gemeinsamen Online-Leseerlebnissen
  • Buchhandlungen werden von zahlreichen Lesern als kulturelle Treffpunkte genutzt

Viele Menschen lesen vermehrt aus einer bewussten Entscheidung heraus. Zugenommen hat in letzter Zeit die Anzahl der Buchleser, die in ihrem Alltag unbewusst lesen – es findet heute jedoch auf einem anderen Weg statt, und zwar auf digitaler Ebene. Lesen ist heute hochfrequenter und selektiver, zudem durchzogen von vielen Bildern.

Laut einer Studie liegen die Gründe für die Käuferabwanderung im Digitalen. Über einen verhältnismäßig langen Zeitraum gab es noch immer Platz für Bücher neben dem Internet und Fernsehen. Erst jetzt haben sich die verschiedenen Alternativen der Unterhaltung auf das Kaufverhalten der Verbraucher ausgewirkt. Dies trug in den vergangenen Jahren dazu bei, dass das Bücherkaufen verstärkt aufgegeben wurde.

Experten führen es auf die permanente Erreichbarkeit durch soziale Medien im heutigen Alltag zurück. Darüber hinaus fühlen sich viele Menschen immer stärker von den Erwartungen der modernen Gesellschaft sowie der Schnelllebigkeit unter Druck gesetzt. Dies ist häufig mit der Angst auf den Verlust des sozialen Anschlusses verbunden. Nur wenige Energien sind am Abend übrig, um sich in ein Buch zu vertiefen. Ersatzweise greifen wir auf Filme und Serien über das Netz oder Fernsehen zu.

Zeitunglesen ist hingegen weiterhin stark verbreitet, gleich, ob in gedruckter oder Online-Form. Die Print- und Digitalausgaben erreichen pro Woche in Deutschland 59,7 Millionen Menschen. Insbesondere die tagesaktuellen Informationen aus der Politik, der Börse und dem Sport stehen bei vielen Lesern an erster Stelle.

Ehemalige Leser verbinden Bücher mit positiver Erinnerung

Die Beliebtheit von Serien und verschiedene Befragungen in der deutschen Bevölkerung weisen darauf hin, dass das Interesse an Geschichten jedoch weiterhin ungebrochen ist. Meist gibt es auch keine abrupte Ablehnung von Büchern, vielmehr berichten unzählige Menschen von positiven Erinnerungen. Befragte beschreiben:

  • Lesen ist ein Moment der Entschleunigung
  • Bücher eignen sich perfekt zum Abtauchen in ferne Welten
  • Lesestoff ist ideal für die Horizonterweiterung
  • beim Lesen genießt man Zeit für sich selbst
  • die Informationen aus Büchern sind besonders vertrauenswürdig

Ein großer Teil von ihnen sagt aus, dass sie das Lesen von Büchern vermissen. Viel des täglichen Lesens findet online statt, auch sonstige Unterhaltungsmedien haben sich in den digitalen Bereits verlagert. Zugleich sind auf diesem Wege konsumierte Inhalte deutlich individueller und persönlicher geworden, beispielsweise in Form von persönlichen Blogs.

Zu den positiven Kindheitserinnerungen zählt das Lesen von Büchern

Eine Entwicklung, die dabei aber immer mehr an Fahrt gewinnt, sind Bücher von Personen und Persönlichkeiten, die ihre Leserschaft ursprünglich online hatten. Auch für Privatpersonen wird es immer einfacher, ihre Gedanken oder Erfahrungen in Buchform zu bringen und beispielsweise als Geschenk an Freunde zu verteilen. Ein individuelles Kochbuch, zusammengetragene Geschichten aus gemeinsamen Erinnerungen, oder eigene Kurzgeschichten oder Gedichtsammlungen – von Experten des Buchbinderhandwerks werden diese sehr einfach und äußert hochwertig zu Papier gebracht, egal ob in sehr kleinen oder größeren Auflagen.

Buchbranche sucht neue Wege

Bereits seit einiger Zeit ist die Buchbranche auf der Suche nach neuen Wegen, um die Leser zu erreichen und zu begeistern. Sie setzen digitale Tools ein, die hilfreich für die Buchauswahl sind und Online-Leseproben zum Gewinnen neuer Käufer. Einige Buchhandlungen schaffen neue Zugänge, beispielsweise durch ein Yoga-Angebot vor Ort. Hintergrund ist, das Lesen in gemeinschaftliche Aktivitäten zu integrieren. Darüber hinaus entstehen oft Leseclubs, die Menschen über das Lesen von Büchern zusammenbringen.

Interessant sind die Daten der Frankfurter Buchmesse: Im Jahr 2019 wurden 302.000 Besucher verzeichnet. Gegenüber der Vorjahresveranstaltung stieg damit die Zahl der Interessenten um 17.000 an. Sie ist die weltweit größte Medien- und Buchmesse, mehr als 7.500 Aussteller aus 110 Ländern sind dort jährlich vertreten. Auch die Leipziger Buchmesse & Lesefest Leipzig beeindruckte 2019 mit 286.000 Besuchern.

Worauf der deutsche Buchmarkt heute baut

Für den demokratischen Diskurs ist es wichtig, sorgfältig recherchierte Literatur aus vertrauenswürdigen Quellen anzubieten, die mit gesellschaftlicher Verantwortung verlegt werden. Sie gilt als notwendiges Gegengewicht zu den unzähligen schnelllebigen, digitalen Informationen. Derartige Bücher helfen zudem, Perspektiven zu hinterfragen sowie die als immer komplexer wahrgenommene Welt zu verstehen. Fachleute fordern für das erforderliche unabhängige und vielfältige Verlegen explizite Rahmenbedingungen wie ein modernes sowie faires Urheberrecht. Weiterhin muss diese besondere Art der Literatur selbstverständlich nachgefragt und gelesen werden.

In Deutschland verfügt das Verlagswesen und Buchhandlungsnetz nach wie vor über eine eindrucksvolle Dichte. Rund 3.000 Buchverlage sind in Deutschland ansässig, zwei Drittel davon sind unabhängige, kleine Unternehmen. Sie haben es sich vor allem zur Aufgabe gemacht, abseits des Mainstreams zu publizieren. Spezialinteressen und auch skurrile sowie abseitige Themen stehen im Vordergrund. Weiterhin scheuen sich diese Verlage nicht, Gedanken herauszubringen, die zur Veränderung gesellschaftlicher Normen beitragen können.

Aufgrund der rückläufigen Anzahl deutscher Buchhandlungen, der im Alltag geringeren Präsenz von Büchern sowie der sich verkleinernden Interessengruppen scheint allerdings diese „Bibliodiversität“ gefährdet zu sein. Gleiches gilt für ein fragiles kulturelles Ökosystem, dass die Grundlage für politische Diversität und das Wachsen von Ideen darstellt. Denn eine schwindende Leserschaft dünnt – langfristig gesehen – auch den Markt der Ideen aus.

Bildnachweise: Pixabay.com © ElasticComputeFarm CCO Public Domain; Pixabay.com © Pezibear CCO Public Domain

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