Keine Kunst, ein Entrepreneur zu sein?

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Wenn in Deutschland von einem Entrepreneur die Rede ist, ist nicht einfach ein Unternehmer mit einer Geschäftsidee gemeint. Ein Entrepreneur hat große Ideen und ein Gespür für Innovationen. So sagt es zumindest die Standard-Definition. Einer, der es wissen muss, ist Prof. Dr. Günter Faltin. Ihm wurde im Jahr 2010 vom Bundespräsidenten der Bundesverdienstorden verliehen, der ihn als Pionier des Entrepreneurship-Gedankens auszeichnet.

Wer ist Günter Faltin?

Der Hochschulprofessor Günter Faltin (Freie Universität Berlin) beschäftigte sich schon sehr früh in seiner Karriere mit dem Thema Entrepreneurship. Er war Vizepräsident der deutschen Aktionsgemeinschaft für Bildung, Erfindung und Innovation und gründete 1999 eine Stiftung, die das Labor für Entrepreneurship hervorbrachte. Das Labor gibt es heute immer noch und ist beliebter denn je. Der Grundgedanke, den Prof. Faltin vertritt ist, dass eine erfolgreiche Gründung kein Hexenwerk ist, in dem Zufall, große Ideen und finanzkräftige Kontakte eine große Rolle spielen. Das Märchen vom “Gründergen“ oder davon, dass man zum Unternehmer geboren wird, ist eben das: ein Märchen.

Faltin ist der Meinung, dass eine erfolgreiche Gründung für jeden möglich ist, wenn eine umfassende, intensive und gezielte Vorbereitung dem vorausgeht. Erfolgreich zu gründen ist ein systematischer Prozess, der den Schwerpunkt auf die Ausarbeitung des Konzepts legt. Jeder kann ein Entrepreneur werden, Unternehmertum ist kein unerreichbares Ziel, auch nicht für eher bildungsferne Personen oder junge Menschen, die vielleicht noch gar keinen Kontakt zur Welt der Wirtschaft hatten.

Entrepreneure investieren viel Zeit

Vor dem Erfolg verbringen Entrepreneure viele Stunden damit, ihr Konzept zu entwickeln. Kopfarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg.

Einen Einstieg ins Berufsleben finden und risikolos gründen

Es ist ganz normal, dass junge Menschen noch nicht wissen, wie sie sich beruflich orientieren wollen. Die wenigsten habe eine Vision, der sie sich verschreiben und auf die sie hinarbeiten. Ein Einstieg über einen Berufstest etwa über die Plattform Mein-wahres-ich.de bietet einen guten Einblick in die Optionen, die das Berufsleben bereithält. Unerfahrene junge Menschen haben im Rahmen eines Tests die Möglichkeit, ihre Stärken und Schwächen herauszufinden, Interessen zu erforschen, ihre eigene Persönlichkeit besser kennenzulernen und Ansätze für die Weiterentwicklung auszumachen. Vielleicht werden sie auf Berufsbilder aufmerksam, die über ein Studium erreichbar sind oder ihnen wird bewusst, dass sie einen unkonventionellen Weg gehen wollen, der sich nicht an die vorgefassten Strukturen des Bildungswesens orientiert.

Das Berufsbild “Entrepreneur“ wird hier zwar nicht als Ergebnis herauskommen, doch es kann sich eine wichtige Erkenntnis ergeben: Es ist ein intelligenter Ansatz, sich zunächst risikofrei nebenberuflich ohne nennenswerten Kapitaleinsatz selbstständig zu machen, statt sich überstürzt in den deutschen Behördendschungel zu begeben, der schon so manchen Gründergeist im Keim erstickt hat. Im Hauptjob, der hoffentlich erfüllend und spannend ist, wird das Geld verdient, welches nötig ist, um das Leben sicher zu finanzieren. Nebenbei wird eine Geschäftsidee intensiv entwickelt und erprobt, um sie zu einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept auszubauen. Wenn es funktioniert, kann aus einer sorgfältig durchdachten und bis ins Detail erprobten Idee ein profitables Business erwachsen. Dass dieser Ansatz hervorragend funktioniert, hat Prof. Dr. Faltin mehrfach bewiesen.

Die Teekampagne: der praktische Beweis einer Theorie

Im Jahr 1985 gründete Günter Faltin ein Unternehmen mit dem Namen “Teekampagne”. Die Idee ist simpel. Anfangs wurde eine einzige Teesorte verkauft. Das war nicht irgendeine Teesorte, sondern die allerbeste, die zu finden war. Der Darjeeling Tee wurde ausschließlich in Großpackungen angeboten. Hintergrund dieser Verpackung war, dass große Einsparungen in Sachen Verpackungsmaterial, Lagerkosten und Transport ausgenutzt werden konnten. Sämtliche Zwischenhändler, die das Produkt durch Gewinnaufschläge verteuerten, wurden ausgeschaltet. Das eingesparte Geld verblieb als Eigenkapital, mit dem das Unternehmen langsam wachsen konnte. Die Verbraucher zahlten für den erstklassigen Tee faire Preise, die den Erzeugern des Tees zugutekommen. Gleichzeitig war durch die enormen Einsparungen in den anderen Bereichen ein erheblich günstigerer Preis möglich, als es die Konkurrenz je anbieten könnte.

Wer jetzt in Supermärkten nach dem Tee aus der Teekampagne sucht, wird enttäuscht werden. Konsequent hat Faltin dafür gesorgt, dass der Tee ausschließlich online über die Website Teekampagne.de zu bekommen ist. Aggressive Marketingaktivitäten gibt es keine, die Bekanntheit wächst auf natürliche Weise, beispielsweise über klassische Mund-zu-Mund-Propaganda, die inzwischen sehr weite Kreise zieht.

Fakt ist, dass die Teekampagne mit dem simplen Konzept zum weltweit größten Importeur von der Darjeeling Tee geworden ist. Damit widerlegte Faltin die Annahme, dass exorbitantes Wachstum nur mit Patenten, viel Kapital und ein Betriebswirtschaftsstudium möglich ist. Stattdessen ist es praktisch machbar ein Unternehmen ganz anders zu gründen, nämlich konzept-kreativ. Diese Konzeptkreativität wiegt wesentlich schwerer als jedes Kapital.

Jede Idee zählt

Die Vorstellung, dass nur derjenige Erfolg hat, der eine großartige, zündende Idee hat, ist überholt. Es geht darum, eine gute Idee systematisch zu einem profitablen Geschäftskonzept weiterzuentwickeln.

Arbeiten auslagern und von Profis erledigen lassen

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Teekampagne ist, dass sich viele Arbeitsschritte delegieren lassen, und zwar am Profis. Wer gründet, muss kein Alleskönner sein, der 24 Stunden am Tag aktiv ist. Stattdessen müssen die Prozesse klar durchdacht und delegierbar sein. Auf dieser Basis haben sich Firmen etabliert, die inzwischen zu profitablen Unternehmen herangewachsen sind. Dazu gehören die Waschkampagne und Rii Jii Reis.

Die Waschkampagne: garantiert ökologisch waschen zu niedrigen Preisen

Die Waschkampagne wurde ebenfalls konzept-kreativ gegründet. Die Firma, geführt von Wolfgang Kunz mit Sitz in Berlin, verkauft Waschmittel, das sich am Härtegrad des Wassers orientiert. Die Rezeptur enthält kein Palmöl und auch sonst nichts, was für die tatsächliche Waschleistung verzichtbar ist. Das bedeutet, in diesem Waschmittel sind folgende Inhaltsstoffe nicht zu finden:

Duftstoffe: Duftstoffe erzeugen beim Verbraucher die Vorstellung von Sauberkeit. Doch der Duft hat keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von Waschpulver oder gibt Auskunft über die Reinheit eines frisch gewaschenen Kleidungsstücks. Da Duftstoffe biologisch schwer abbaubar sind und außerdem vielfach allergische Reaktionen hervorrufen können, lässt die Waschkampagne Duftstoffe weg.

Füllstoffe: Füllstoffe sind Stoffe, die das Volumen von Waschmittel erhöhen, die Waschleistung aber überhaupt nicht beeinflussen. Füllstoffe dienen nur einem Zweck: sie erhöhen das Volumen, sodass Verbraucher ihren Anspruch erfüllt sehen, “viel Pulver für ihr Geld” zu bekommen. Da Füllstoffe keine Waschkraft haben und im Gegenteil lediglich die Umwelt belasten, sind sie in dem Öko Waschmittel nicht enthalten.

Aufheller: Auch Aufheller haben keinerlei Waschwirkung. Sie sollen Weiß bei Tageslicht noch strahlender erscheinen lassen. Damit dies gelingt, bleiben sie an der Oberfläche der Textilien haften. Wer pastellfarbene Textilien mit Aufhellern wäscht, bemerkt mitunter leichte Farbveränderungen, die von Aufhellern verursacht werden. Bei kräftigen Farben bleiben Aufheller wirkungslos. Problematisch sind Aufheller für die Haut und für die Umwelt. Sie sind biologisch schwer abbaubar.

Bleichmittel: Bleichmittel nützen erst ab einer Waschtemperatur von 60 Grad. Bleichmitteln in Vollwaschmitteln werden deshalb sogenannte Bleich-Aktivatoren zugesetzt, damit das Bleichmittel auch bei niedrigeren Temperaturen seine Arbeit macht. Die Folge ist bei farbiger Wäsche, das nicht nur Flecken herausgewaschen werden, sondern auch Farben ausbleichen. Bleichmittel verbleibt im Wasser, Kläranlagen schaffen es aber nicht, die Bleichmittel herauszufiltern. Deshalb gibt es kein Bleichmittel im Waschmittel der Waschkampagne. Wer dennoch nicht auf Bleichmittel verzichten will, gibt es gesondert zur weißen Wäsche ab 60 Grad hinzu oder behandelt schwierige Flecken gezielt vor.

Als waschaktive Bestandteile sind Tenside, Enzyme, Zeolithe und Polycarboxylate enthalten. Die Tenside sind aus pflanzlichen und mineralischen Grundstoffen hergestellt und schnell biologisch abbaubar. Der günstige Preis des Waschmittels kommt unter anderem auch dadurch zustande, dass die Firma nur ein einziges Produkt anbietet, welches in einem Einheits-Karton ausschließlich online vertrieben wird. Dadurch ist der Kostenapparat der Firma gering und der Verkaufspreis des Öko-Waschmittels so günstig.

Reis vom Anwalt? Rii Jii Reis von Arne Lißewski

Eine weitere konzept-kreative Gründung ist Rii Jii, die zunächst unter dem Namen Reiskampagne 2011 das Licht der Welt erblickte. Die Stiftung Entrepreneurship veröffentlichte hierzu am 15. Juli 2011 die Grundidee in einem Post, aus dem hervorgeht, dass die Reiskampagne nach den Prinzipien der Teekampagne gegründet werden sollte.

Der Geschäftsführer Arne Christian Lißewski ist hauptberuflich Rechtsanwalt und nebenberuflich Reis-Importeur, und das inzwischen sehr erfolgreich. Auch hier finden wir die typischen Merkmale eines konzept-kreativen Gründung, die die Produktqualität in den Vordergrund stellt und alles Überflüssige weglässt. Die Preise sind sehr fair und es profitieren alle Beteiligten: Der Erzeuger, der Entrepreneur, die beteiligten Lieferanten und die Käufer. Dadurch, dass Verbraucher die Herkunft des Lebensmittels buchstäblich bis auf die Reisfelder prüfen und nachverfolgen können, ist das Vertrauen in die Marke stetig gewachsen. Reis von hoher Qualität zu fairen Preise, umwelt- und sozialverträglich produziert, findet mehr und mehr Abnehmer.

Fazit: Weniger ist mehr

Wenn wir umdenken und uns bei der Konzeptentwicklung auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich auf die Produktqualität, fallen viele Faktoren weg, die zu einer künstlichen Verteuerung führen. Die fortschreitende Digitalisierung dürfte Gründungswilligen in diesem Punkt sehr gut in die Karten spielen. Professor Faltin hat mehrere Bücher geschrieben, deren Lektüre dringend zu empfehlen ist. Kopf schlägt Kapital, Wir sind das Kapital und David gegen Goliath gehören in die Reihe der Wirtschaftsbücher, die jeder lesen sollte, der mit dem Gedanken spielt, sich selbständig zu machen, oder der gesteigertes Interesse an funktionaler Ökonomie hat.

Ein Entrepreneur zu sein ist nämlich tatsächlich keine Kunst, sondern ein Handwerk, das sich sehr wohl erlernen lässt. Wenn man so will, bedroht diese Auffassung die Marketingbranche, deren Aufgabe nicht selten darin besteht, eine künstliche Problemsituation zu erzeugen, deren Lösung durch ein (überflüssiges) Produkt erfolgen soll. Doch mit einem hervorragenden Produkt zu einem fairen Preis lässt sich nachweislich ein profitables Business aufbauen, ohne die ganz große Marketing-Maschine zu aktivieren.

In diesem Sinne bleibt nur noch, jedem, der sich von den ökonomischen Prinzipien des Entrepreneurship nach Maßgaben Prof. Dr. Günter Faltin angesprochen fühlt, viel Spaß bei der Konzeptentwicklung zu wünschen. Der Erfolg wird sich möglicherweise fast wie von selbst einstellen.


Abbildung 1: pixabay.com © StartupStockPhotos (CCO Creative Commons)
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